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Veröffentlicht am 30.12.2025 15:27

Wie der neue Chef des größten Vereins in Rothenburg so tickt

Georg Schallner, der gar nicht mehr so neue Chef des TSV 2000, in der Geschäftsstelle in der Galgengasse. Sie wurde in den vergangenen Monaten renoviert. Zwei Vollzeitkräfte arbeiten hier.  (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Georg Schallner, der gar nicht mehr so neue Chef des TSV 2000, in der Geschäftsstelle in der Galgengasse. Sie wurde in den vergangenen Monaten renoviert. Zwei Vollzeitkräfte arbeiten hier. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
Georg Schallner, der gar nicht mehr so neue Chef des TSV 2000, in der Geschäftsstelle in der Galgengasse. Sie wurde in den vergangenen Monaten renoviert. Zwei Vollzeitkräfte arbeiten hier. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)

Seit 11. April ist Georg Schallner Vorsitzender des TSV 2000. Vor acht Monaten hat er die Nachfolge von Dieter Kölle angetreten, der den größten Verein der Stadt ein Vierteljahrhundert geführt hatte. Mit ihm ist eine Ära zu Ende gegangen und Schallner in große Fußstapfen getreten.

Dem neuen Vorsitzenden kam zu Beginn zugute, dass er als Leiter der Tanzsportabteilung seine Erfahrung und Leidenschaft in vielen Bereichen miteinbringen konnte. Hat es in seinen ersten Monaten als TSV-2000-Chef im Verein gravierende Veränderungen gegeben? Schallner bleibt bei dieser Frage erst einmal sehr bescheiden und zurückhaltend. „Man kann als Neuer nicht gleich alles in Bausch und Bogen anders machen. Ich habe mir erst einmal alles genau angeschaut, um einen Einblick zu erhalten. Was gut läuft, soll auch gut weiterlaufen.“

Sieben bis acht
Stunden pro Woche

Als Abteilungsleiter beim Tanzsport sei er mit dem Verein, den vereinsinternen Abläufen und dem mit dem Ehrenamt bereits vertraut gewesen. Es habe überhaupt keinen Anlass gegeben, als „Neuer“ nach dem Motto anzutreten: „Hoppla, jetzt komme ich.“

Komplett überarbeitet worden sei allerdings der Internetauftritt des Vereins. Sachkundige aus den eigenen Reihen hätten ein Gremium gebildet und nach 20 Jahren die Homepage des Vereins aktualisiert und verbessert. Um eine Satzungsänderung durchführen zu können, sei außerdem eine Mitgliederversammlung einberufen worden, an der sich über 60 Personen aus allen Sportgruppen beteiligt hätten. „Wir waren breit aufgestellt und die Satzungsänderung wurde einstimmig beschlossen. Sie ist notwendig geworden, um die Weichen für die Zukunft zu stellen und im Blick auf künftige Entscheidungen die Flexibilität des Vereins zu stärken.”

Satzungsänderung im Dezember

Die Satzungsänderung sei erst Mitte Dezember im Vereinsregister eingetragen worden. Zu erwähnen sei weiterhin, dass die Geschäftsstelle in der Galgengasse in den vergangenen Monaten renoviert und personell aufgestockt wurde. Die Besucherinnen und Besucher erwarten helle, freundliche Räume mit „zwei bestens ausgestatteten Arbeitsplätzen für die beiden fest angestellten Vollzeitkräfte”. Mit Blick auf Urlaubs- oder Krankheitszeiten halte man die personelle Aufstockung auf jeden Fall für gerechtfertigt.

Schallner betont, dass diese Veränderungen der vergangenen Monate auf keinen Fall ein Indiz dafür seien, dass vor seinem Amtsantritt etwas nicht gepasst habe. Das Gegenteil sei der Fall „und mein Vorgänger Dieter Kölle ist voll mit dabei. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander.“ Dieter Kölle – allseits hochgeschätzt und gewürdigt – ist zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden und hat nach wie vor Sitz und Stimme im Vereinsrat.

„Näher an die Basis gerückt”

Gerade beim Thema Satzungsänderungen sei Schallners Vorgänger ihm eine große Hilfe gewesen. „Mit den Satzungsänderungen sind wir näher an die Basis gerückt, um den unterschiedlichen Interessen der Sportlerinnen und Sportler gerecht werden zu können.“ Der Vereinsrat sei damit um acht Fachgruppenleitungen vergrößert worden. „Alle Mitglieder des aus bis zu 30 Personen bestehenden Vereinsrates begegnen sich auf Augenhöhe. Der vergrößerte Vereinsrat gibt uns eine größere Sicherheit, weil wir von einer breiteren Masse getragen werden. Wir sind insgesamt breiter aufgestellt und das erhöht übrigens auch die Akzeptanz der von uns gefassten Beschlüsse.“ Natürlich gebe es auch interne Planungen für die Zukunft, über die aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich diskutiert werde.

Schallner ist 1969 im österreichischen Graz, der Landeshauptstadt der Steiermark, geboren. Von Österreich kam er 1995 nach Deutschland und lebt seit 2006 im Raum Rothenburg. Seit 2023 wohnt er im ehemaligen Pfarrhaus in der Gemeinde Bettwar. Für das Amt des Vorsitzenden plane er durchschnittlich sieben bis acht Stunden pro Woche ein. Sein zeitlicher Aufwand als Abteilungsleiter für den Tanzsport ergebe sich aus den rund 300 Trainingseinheiten pro Jahr in der Turnhalle der Realschule.

Mehr als 2300 Mitglieder

Den TSV 2000 mit seinen über 2300 Mitgliedern beschreibt er als einen der größten Vereine im Landkreis Ansbach. Er hat auch ganz konkrete Pläne für die Zukunft. „Wir müssen dafür sorgen, dass unser Verein im Bewusstsein der Bevölkerung stärker verankert ist.“ Vieles von dem, was die Ehrenamtlichen leisteten, würde ungesehen geschehen. Die Bedeutung des Ehrenamtes müsse daher noch wirksamer in die Öffentlichkeit getragen werden. „Ich kann zwar dem Verein vorstehen und Weichen stellen, aber mein Amt ist keine Ein-Mann-Show.“ Deshalb richte sein Dank nicht nur an die vielen Ehrenamtlichen, sondern auch an Eltern, Partnerinnen und Partner sowie Familien. „Die leisten daheim für uns enorm viel. Sie bringen Opfer, die man in der Öffentlichkeit kaum wahrnimmt. Sie alle zusammen bilden das Fundament, auf dem ich stehe.“

Der TSV 2000 tue mit seinen breit gefächerten sportlichen Angeboten seinen Mitgliedern und der Stadt Rothenburg etwas Gutes. „Bei uns lernen die Sportlerinnen und Sportler Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Mit einem Umsatz von über 600.000 Euro sind wir ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für die Region.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt, mit dem Stadtmarketing und mit dem Förderverein sei sehr gut.

Traum von einem
eigenen Sportzentrum

Die Geschäftsstelle in der Galgengasse ist angemietet. Natürlich gebe es auch den Traum von einem eigenen Sportzentrum, mit allem, was ein Verein so brauche. Ein solches würde auf jeden Fall auch der Gesundheit der Bevölkerung dienen, ist er überzeugt. „Die Menschen sind das größte Kapital, das wir haben.“

Ganz intensiv hat sich der TSV-2000-Chef in den vergangenen Wochen auch mit dem Thema Reiterlesmarkt beschäftigt. „Wir sind dort mit zwei Buden vertreten“, betont er. An starken Tagen müssten insgesamt 20 Helferinnen und Helfer präsent sein. Die Verlängerung um eine Woche sei freilich auch vereinsintern kontrovers diskutiert worden. „Nicht alle waren von dieser zusätzlichen Woche begeistert.“ Doch wenn der Weihnachtsmarkt fünf Wochen dauere, könne nicht ein Verein ausscheren und auf vier Wochen reduzieren.

Reiterlesmarkt ist ein wichtiges Standbein

Viele hätten sich gegen diese Verlängerung ausgesprochen, aber, das betont Schallner: „Der Reiterlesmarkt ist auch etwas für uns. Die Stadt hat das so beschlossen. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Viele freiwillige Helferinnen und Helfer hätten dafür gesorgt, dass alles gut geklappt hat. Den Erlös vom Weihnachtsmarkt könne der Verein gut gebrauchen. Immerhin erhalten sämtliche Sportgruppen vom Hauptverein Zuschüsse aus der Kasse. „Somit ist der Reiterlesmarkt auch ein ganz wichtiges Standbein für unseren Verein.“


Von KARL-HEINZ GISBERTZ
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