Wie die Windsbacher Bachs Weihnachtsoratorium für Familien aufführen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.12.2024 11:07

Wie die Windsbacher Bachs Weihnachtsoratorium für Familien aufführen

Wie klingt das denn, wenn es in der Musik um einen König geht? Klar, da ertönen die Trompeten. Und der Rhythmus ist so, als würde jemand schreiten. Und was ist das für eine sonderbare gebogene Oboe, die in Bachs Weihnachtsoratorium mitspielt? Die Musikerin hält ihr Instrument in die Höhe und verrät, dass es eine Oboe da caccia ist, eine Jagdoboe.

Dies und noch viel mehr wurde erklärt beim Familienkonzert des Windsbacher Knabenchores am frühen Freitagabend in der Gumbertuskirche. Es war die Premiere des neuen Formats „Klassik(er) unter der Lupe“ der Genossenschaft Theater Ansbach – Kultur am Schloss. Junge Menschen sollen damit an klassische Musik herangeführt werden – zum Auftakt an Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, ein Hauptwerk im Repertoire der Windsbacher.

Zu dem Konzert gekommen sind zahlreiche Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern, aber auch etliche Erwachsene ohne Nachwuchs, die Lust haben auf die Musik und leicht verständliche Erläuterungen. Die Veranstaltung ist ausverkauft, sodass das Publikum kuschlig eng zusammenrückt.

Kindgerechtes Konzertformat

„Bei unserem Familienkonzert ist es völlig in Ordnung, wenn die kleinen Gäste Geräusche machen“, beruhigt Moderator Daniel Posdziech gleich zu Beginn. „Wir freuen uns, wenn das Leben nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne stattfindet.“ Zunächst werden ein paar Instrumente vorgestellt: neben den Jagdoboen etwa die Streichinstrumente. Die starken Musiker vom Kammerorchester Basel stemmen sogar die Celli nach oben, um sie den Konzert-Neulingen zu zeigen. Der Mann an den Pauken gibt eine Kostprobe – und dann geht’s auch schon strahlend los mit Pauken und Trompeten, mit dem berühmten Choral „Jauchzet, frohlocket“.

Die Kinder spitzen die Ohren, denn immer beim Pauken-Motiv sollen sie winken. Und was passiert nach dem letzten Jubelklang? Bernd Lang, der Talentscout der Windsbacher, will gleich loslegen mit der ganzen Weihnachtsgeschichte, als der Evangelist souverän nach vorne tritt und übernimmt. Er ist nämlich der Erzähler im Oratorium, wie die Mädchen und Jungen erfahren: Er trägt im Rezitativ die biblischen Texte vor und treibt die Handlung voran. Der Tenor Tobias Hunger präsentiert sich den Kindern dabei sehr zugewandt und sympathisch.

Auch die Musik allein erzählt natürlich Geschichten und vermittelt Gefühle und Stimmungen. Zum Beispiel Traurigkeit und Zweifel, die sich dann aber auflösen in Freude. Das kann man hören, oder?

Johann Sebastian Bach hat sogar „ein Durcheinander komponiert“, wie die Moderatoren Posdziech und Lang beschreiben. Wenn die Hirten, denen der Engel erschienen ist, den Stall mit dem Jesuskind suchen, geht es in der Musik rauf und runter, auf unbekannten Wegen dahin und über halsbrecherisch steile Treppen. Klingt doch so, nicht wahr?

Das Publikum darf mitsingen

Das Publikum lauscht konzentriert, sogar die Jüngsten halten die Stunde mit Chören, Arien und Rezitativen aus den ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums locker durch. Doch es darf auch mitgesungen werden bei dem Familienkonzert, sodass sich Chorleiter Ludwig Böhme immer wieder den Besuchern zuwendet. Bei „Wie soll ich dich empfangen“, „Ach, mein herzliebes Jesulein“ oder „Wir singen dir in deinem Heer“ fallen vor allem einige Väter ob ihrer guten Stimmen und der Textsicherheit auf – vielleicht sind’s frühere Windsbacher.

Bernd Lang lobt im Anschluss, dass vor allem die Kinder ganz toll mitgesungen haben. „Jetzt kann Weihnachten kommen“, schließt er lächelnd. „Und ich möchte euch einladen, weiterzusingen.“Am Abend ist dann das ältere Publikum dran: bei der Aufführung von vier ungekürzten Kantaten des Weihnachtsoratoriums.

Der Windsbacher Knabenchor mit Chorleiter Ludwig Böhme und das Kammerorchester Basel präsentierten Bachs Weihnachtsoratorium in einer Kurzversion mit leicht verständlichen Erläuterungen. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Windsbacher Knabenchor mit Chorleiter Ludwig Böhme und das Kammerorchester Basel präsentierten Bachs Weihnachtsoratorium in einer Kurzversion mit leicht verständlichen Erläuterungen. (Foto: Lara Hausleitner)
Der Windsbacher Knabenchor mit Chorleiter Ludwig Böhme und das Kammerorchester Basel präsentierten Bachs Weihnachtsoratorium in einer Kurzversion mit leicht verständlichen Erläuterungen. (Foto: Lara Hausleitner)

Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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