Der ab dem nächsten Schuljahr geltende Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung für Grundschulkinder stellt die Stadt Leutershausen wie viele andere Kommunen vor eine Herausforderung. Allerdings kann die Kommune auf der bestehenden Mittagsbetreuung aufbauen.
„Gut, dass wir nicht bei Null starten”, meint Bürgermeister Markus Liebich. Aktuell bietet die Stadt in der Gustav-Weißkopf-Grundschule von Montag bis Freitag eine Mittags- und Hausaufgabenbetreuung bis 14 Uhr sowie verlängert bis 15.30 Uhr an. Fünf Gruppen gibt es in der kurzen Variante, zwei bis in den Nachmittag hinein, erläuterte Stefanie Dietrich, die Leiterin des städtischen Ordnungsamtes, im Schul- und Kulturausschuss des Stadtrates. Und sie betonte: „Wir sind am Limit, was die Kapazitäten angeht.” Schon jetzt habe man Probleme, die Nachfrage zu befriedigen.
Doch die Betreuungsquote von derzeit rund 50 Prozent werde durch den Rechtsanspruch weiter steigen, prognostizierte Dietrich – auf etwa 70 Prozent. Darauf deute eine Bedarfsabfrage unter Eltern von Kindern im Vorschulalter hin. Im Schuljahr 2026/2027 werde es rund 200 Grundschüler geben. Dietrich geht davon aus, dass dann 130 Betreuungsplätze nötig sein werden.
Künftig müsse zudem eine Ferienbetreuung angeboten werden. Insgesamt seien maximal 20 Schließtage pro Jahr erlaubt – bei insgesamt 14 Ferienwochen. Eine Obhut für Kinder in den Schulferien sei bislang stets an der „sehr geringen Nachfrage” gescheitert, so Dietrich. Künftig müsse in zehn der 14 freien Wochen ein Angebot bestehen – von 8 bis 16 Uhr. Wie sich das entwickelt, ist laut Liebich „etwas Glaskugellesen“.
„Wir planen, dass wir jedem Kind die bestmögliche Betreuung bieten“, fasste die Ordnungsamtsleiterin das Credo der Verwaltung zusammen. Das sei schon jetzt keine leichte Aufgabe, hob der Bürgermeister hervor. Man habe in der Mittagsbetreuung „keinerlei personellen Back-up”. Bei Krankheitsfällen müsse eine Gemeindebotin und jemand aus der Poststelle des Rathauses aushelfen. „Wir müssen Löcher stopfen”, so Liebich. Die Personaldecke sei „mehr als auf Kante genäht.“
„Das ist kein Aufbewahren.”
Das zu ändern, dürfte schwierig werden. „Machen wir uns nichts vor, die Fachkräfte sind gar nicht da”, ergänzte der Bürgermeister. Zwar gebe es keine Vorgaben für die Qualifikation der Betreuenden. Trotzdem lege man Wert auf gute Arbeit. Liebich: „Das ist kein Aufbewahren. Die Leute machen unglaublich vielfältige Angebote, das ist pädagogisch wertvoll.“
Für die Kommune sei das ein Kraftakt, betonte der Bürgermeister: „Wir zahlen jedes Jahr Zehntausende drauf. Die Förderung deckt bei weitem nicht die Kosten.“ Ab zwölf Kindern werde eine Gruppe staatlich bezuschusst.
„Da hat sich der bayerische Staat was Schönes einfallen lassen“: So kommentierte Stadträtin Georgia Horndasch-Shaw (ALL/Grüne) die zusätzliche Aufgabe. Möglicherweise wird sie bedeuten, dass ein weiterer Raum und eine zusätzliche feste Kraft notwendig werden. „Wir gehen davon aus, dass wir eine sechste Gruppe brauchen werden”, sagte Dietrich. Da man derzeit keine Vertretungsmöglichkeit habe, benötige man wohl zwei bis drei Stellen mehr.
Weitgehend einig war sich das Gremium, dass eine Dreiteilung der Betreuung wenig sinnvoll wäre. Stattdessen soll es bei zwei Stufen bleiben – bis 14 Uhr und dann bis 16 Uhr. Offen ist eine Frage, die Susanne Kernstock (CSU/Freie Wähler) aufwarf: Was bedeutet die verbindliche Ganztagsbetreuung für die Schule in Weißenkirchberg?