Wird Martin Rückert aus Custenlohr zum Waldbesitzer des Jahres? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 27.05.2024 17:00

Wird Martin Rückert aus Custenlohr zum Waldbesitzer des Jahres?

Martin Rückert ist Waldbewirtschafter aus Leidenschaft. Zwischen Custenlohr und Pfeinach hat der 42-Jährige eine Brachfläche mit Elsbeeren und Traubeneichen gemeinsam mit Schulklassen neu bepflanzt. (Foto: J. Zimmermann)
Martin Rückert ist Waldbewirtschafter aus Leidenschaft. Zwischen Custenlohr und Pfeinach hat der 42-Jährige eine Brachfläche mit Elsbeeren und Traubeneichen gemeinsam mit Schulklassen neu bepflanzt. (Foto: J. Zimmermann)
Martin Rückert ist Waldbewirtschafter aus Leidenschaft. Zwischen Custenlohr und Pfeinach hat der 42-Jährige eine Brachfläche mit Elsbeeren und Traubeneichen gemeinsam mit Schulklassen neu bepflanzt. (Foto: J. Zimmermann)

Martin Rückert ist passionierter Forst-Fan. Sein Lieblingsbaum ist die Douglasie. Aber auch der Esche kann er etwas abgewinnen: „Sie ist so ein toller Baum.“ Der 42-Jährige aus dem Uffenheimer Ortsteil Custenlohr steht im Finale um den Deutschen Waldpreis. Vor allem seine Aufforst-Projekte mit rund 100 Schülern kamen gut an. Ein Besuch bei ihm.

Holzbalken prägen das Bild im renovierten Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Der Wald und das Holz haben Rückert schon immer fasziniert. „Ich bin gelernter Schreiner, gelernter Landwirt und habe schon mit Anfang 20 den elterlichen Hof übernommen.“ Komplettsanierung inklusive. Dann aber wurde er doch lieber Vertriebler.

Und der Forst? „Ich bin schon von Kindesbeinen an mit dem Wald aufgewachsen“, sagt Rückert. Eine nachhaltige Bewirtschaftung hat ihm bereits sein Vater gepredigt. Ein natürliches Verhältnis zwischen Laub- und Nadelbäumen ist wichtig. Und Rückert ist Gegner von Kahlschlägen bei Borkenkäfer-Befall. Sein Tipp: „Nur sehr gezielt betroffene Bäume entnehmen und direkt dem Standort entsprechende Laubbäume drunterpflanzen.“ Auch diesen Trick hat er vom verstorbenen Vater gelernt. „Ich bin ihm dafür sehr dankbar.“

Vor fünf, sechs Jahren kam der Wissensdurst

Vor fünf, sechs Jahren begann er dann so richtig, sein Wissensdurst für die Bäume. Im Zuge der Waldflurbereinigung stockte Martin Rückert seine Forstfläche auf – von 1,6 auf nunmehr drei Hektar. Das Problem: Ein halbes Hektar davon war reine Fichten-Fläche, der Borkenkäfer fühlte sich dort wohl und das Areal wurde komplett gerodet. „Was mach’ ich jetzt damit?“: Es war diese Frage, die Rückert nicht mehr los ließ.

Der Custenlohrer ist kein 08/15-Waldbewirtschafter, kein Freund vermeintlicher Konventionen. „Ich wollte es unkonventionell und nicht quadratisch, praktisch, gut. Ich will noch ausreichend Platz für die Naturverjüngung bieten – mir gefällt es, zu beobachten, was schaffen wir und was schafft die Natur.“ Er lässt Totholz und die Wurzelteller vom Sturm umgeworfener Bäume im Wald liegen, weil sich darin nach kurzer Zeit das pralle Leben abspielt – Insekten erobern das Kleinod, der Zaunkönig baut darin sein Nest.

Sein kahles Areal einfach selbst aufzuforsten, das war Martin Rückert dann aber doch zu langweilig. Da kam ihm eine besondere Idee: Wieso nicht gemeinsam mit Kindern Bäume pflanzen? „Ich war früher auch froh um jede Minute, die ich außerhalb des Klassenzimmers verbringen durfte“, sagt der 42-Jährige und lacht. Und was kann fruchtbarer sein, als Arbeit an der Basis, um den Nachwuchs von der Schönheit und Relevanz der Natur zu überzeugen?

Rückert bietet Übernachten in Baumzelten an

100 Mädchen und Jungen aus den Grundschulen Uffenheim und Lipprichhausen kümmerten sich also gemeinsam mit Rückert um den neuen Wald. Unterricht im Forst, zwischen dem Rauschen der Bäume und Vogelgezwitscher. Das will der Custenlohrer auch weiterhin fortführen. Er bietet zudem „Eine Nacht im Wald für Kinder“ an, in speziellen Baumzelten dürfen diese mit ihren Eltern übernachten.

„Es gibt keine Verbote, die Kinder entwickeln ihren natürlichen Spieltrieb.“ Ein Erlebnis, das nachwirkt, da ist sich Martin Rückert sicher. „Es ist schön, zu sehen, wie viel Spaß die Kinder haben, wie unglaublich viel Energie frei wird.“ Die meisten hätten am liebsten gleich noch Hunderte weitere Bäume gepflanzt.

All das, glaubt Rückert, kam bei den Juroren des Deutschen Waldpreises gut an. Seit wenigen Tagen ist klar: Der Forst-Fan ist Finalist, am 4. Juli wird er zur großen Gala in den Berliner Kaisersaal fahren. Ob er dann auch gewinnt, weiß er vorher aber noch nicht. „Ich gönne es jedem anderen auch, aber es wäre schön, den Titel in den Landkreis zu holen.“ Wer ihn unterstützen möchte, kann online für ihn abstimmen, nominiert ist er in der Kategorie „Waldbesitzer des Jahres 2024“.

In den sozialen Medien klärt er auf

Bis zur Berlin-Fahrt im Juli wird Martin Rückert aber noch viele Tage in seinem Wald verbringen und seinen „riesigen Wissensdurst“ stillen. Gelernt hat er schon vieles, auch über die Bäume der Zukunft. „Ich möchte in der heimischen Region weiter auf Arten setzen, die wir schon lange haben“, auch wenn die Fichte dann sicherlich nicht mehr dazuzählen wird. Feldahorn, Vogelkirschen, Elsbeere: „Das sind ganz tolle Bäume – und ich freue mich sehr, sie wachsen zu sehen.“

Mit dem Motto „Wald vor Wild“ kann Rückert nichts anfangen. „Mein Motto lautet: Wald mit Wild. Wir müssen Ideen entwickeln, wie beides miteinander funktioniert.“ Als Beispiel nennt er Schutzhüllen aus Holz: Sie bewahren die Triebe und können im Wald verrotten. Um auch Großstädter über den Forst zu informieren – Rückert ist als internationaler Vertriebler für den Schiffbauer „WolzNautic“ viel in den Metropolen weltweit unterwegs – hat er einen Instagram-Account gegründet. Denn: „Ich bin wirklich immer wieder schockiert: Viele wissen gar nicht, dass Kartoffeln unter der Erde wachsen.“

Martin Rückerts Ziel ist es, auf seinem Instagram-Kanal „frankenland_martin“ über das Landleben und die Natur aufzuklären. „Mir macht es Spaß, in einfachen Worten etwas über den Wald zu erzählen.“ Denn, so betont Rückert zum Abschluss des Gesprächs: „Der Wald ist unsere Lebensgrundlage.“

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