Wird Zuzanna Czebatul die letzte Künstlerin der Art Residency im Wildbad? | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.02.2024 16:56

Wird Zuzanna Czebatul die letzte Künstlerin der Art Residency im Wildbad?

Zuzanna Czebatul, 38, ist freischaffende Künstlerin und lebt und arbeitet in Berlin. Als Artist in Residence ist sie das erste Mal in Rothenburg und findet Gefallen an der ruhigen, träumerischen und romantischen Umgebung des Wildbades. (Foto: Pauline Held)
Zuzanna Czebatul, 38, ist freischaffende Künstlerin und lebt und arbeitet in Berlin. Als Artist in Residence ist sie das erste Mal in Rothenburg und findet Gefallen an der ruhigen, träumerischen und romantischen Umgebung des Wildbades. (Foto: Pauline Held)
Zuzanna Czebatul, 38, ist freischaffende Künstlerin und lebt und arbeitet in Berlin. Als Artist in Residence ist sie das erste Mal in Rothenburg und findet Gefallen an der ruhigen, träumerischen und romantischen Umgebung des Wildbades. (Foto: Pauline Held)

Es war eine einstimmige Entscheidung: Die Fachjury, bestehend aus sieben Personen aus Kunst und Kultur, wollte Zuzanna Czebatul unbedingt in das Wildbad holen. Warum? „In ihrem inhaltlichen Denken steckt eine enorme Tiefe“, sagte der Juryvorsitzende Professor Dr. Georg Winter.

Er unterrichtet Bildhauerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Wie er hat auch Zuzanna Czebatul eine Leidenschaft für die Bildhauerei – ihr Steckenpferd. Ob das auch der Schwerpunkt ihrer Arbeit als Artist in Residence im Wildbad sein wird, konnte die Künstlerin bei ihrem Einführungsgespräch noch nicht beantworten.


Meine Arbeit ist vielfältig, mannigfaltig und thematisch von einem roten Faden durchzogen.

Zuzanna Czebatul

Seit 2017 lädt das Wildbad Kunstschaffende im Rahmen des Projektes „Art Residency“ für mehrere Monate in die Tagungsstätte ein. In dieser Zeit erschaffen sie ein Kunstwerk, das später im Skulpturenpark ausgestellt wird. Zuletzt gastierte die Textilkünstlerin Alex Hojenski im Wildbad. Von ihr stammt das in den Bäumen schwebende Geflecht aus Gurten und Korbgebilden.

2024 heißt die „Artist in Residence“ Zuzanna Czebatul. Auf der 38-Jährigen lastet eine besondere Verantwortung: Nach jetzigem Stand wird sie das Projekt mit ihrer Arbeit abschließen. Denn die Entscheidung der evangelischen Landeskirche, die Tagungsstätte Wildbad 2026 aufzugeben, bedeutet auch das Ende des Projektes „Art Residency“.

Davon erfuhr Zuzanna Czebatul erst in ihrem Einführungsgespräch. „Das ist für mich eine neue Information“, sagte sie sichtlich überrumpelt. „Es wäre sehr schade, wenn das Projekt zum Erliegen kommt.“ Sie will sich bemühen, durch ihre Arbeit in den kommenden Monaten neue Unterstützende für die Art Residency zu gewinnen.


So eine Künstlerin hatten wir hier noch nie.

Dr. Georg Winter (Vorsitzender der Jury)

Stephan Michels, stellvertretender Leiter der Tagungsstätte, betonte, dass das Projekt eigentlich auf eine Laufzeit von zehn Jahren ausgelegt war. Czebatul ist die achte Künstlerin. Er garantierte: „Die Finanzierung für 2024 ist auf jeden Fall gesichert.“

Ohnehin geht Czebatul mit ihrer Arbeit im Wildbad neue Wege. „So eine Künstlerin hatten wir hier noch nie“, betonte der Juryvorsitzende Winter. Geboren in Polen, lebt und arbeitet die 38-Jährige heute in Berlin. Dabei war sie in den vergangenen Jahren in der ganzen Welt zu Hause. Sie studierte in Berlin, Frankfurt am Main und New York. Sie hatte vielerorts Ausstellungen, etwa in Paris, Warschau, Wien oder Los Angeles. Ihr Interesse gilt den Zusammenhängen von Machtstrukturen und Ideologien, die sie in ihren Werken zum Ausdruck bringt. „Meine Arbeit ist vielfältig, mannigfaltig und thematisch von einem roten Faden durchzogen“, erklärte sie.

Dabei verwende sie unterschiedliche Formen, Materialien und konzentriere sich auf weitreichende Themenkomplexe.Zum Beispiel konzipierte Czebatul 2021 eine begehbare Installation im Kunstpalais Erlangen. Dabei bildete sie unter anderem eine Erdgas-Pipeline nach, die für zweierlei stand: einerseits für die Lebens- und Energiegrundlage, die das Gas den Menschen bietet. Andererseits für die Kämpfe um Ressourcen, die seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine herrschen.

„Zuzanna Czebatul beobachtet die politischen, sozialen, gesellschaftlichen und strukturellen Prozesse. Sie hält ihnen einen künstlerischen Spiegel vor“, fasste die Fachjury zusammen.


Von Pauline Held
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