Eine zehn Millionen Euro teure und „längst überfällige Erweiterung“ des Burgbernheimer Brothauses wird wohl ab Herbst dieses Jahres in Angriff genommen. Der Stadtrat hat bereits grünes Licht gegeben, die Geschäftsführer Marcus Fischer und Isabella Zolk warten nur noch auf das grüne Licht vom Landratsamt.
In einem ersten Bauabschnitt wurden Mitarbeiter-Parkplätze verlegt. Die rund 150 neuen, mit Fotovoltaikplatten überdachten, Stellplätze werden bereits genutzt. Das Areal der ehemaligen Parkfläche wird für den Neubau benötigt. Auf rund 6000 Quadratmetern werden eine Logistikhalle mit Verwaltungstrakt im Obergeschoss und eine weitere Backstube mit Lager gebaut, erklärt Philipp Schmitt, der für Bauangelegenheiten beim Unternehmen zuständig ist. Etwas mehr als die Hälfte der Fläche ist für die neue Produktionshalle vorgesehen. Insgesamt hat die Firma dann rund 16.000 Quadratmeter zur Verfügung.
Aktuell beliefert das Unternehmen mit seinen rund 1300 Mitarbeitern von Burgbernheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) aus seine 69 Cafés in Mittel- und Unterfranken. Vom Fachkräftemangel spüren Fischer und Zolk nichts – im Gegenteil: Man profitiere aktuell sogar ein wenig vom „Einbruch der Wirtschaft“.
Die Erweiterung sei nun ein Schritt in die Zukunft, der längst hätte getätigt werden müssen, beantwortet Marcus Fischer die Frage, ob mit größerem Stammsitz weitere Filialen vorgesehen sind. „Wir wollen kein Expansionsriese werden. Ein gesunder Ausbau für die nächste Generation ist das Ziel.“ Diese ist mit seiner Nichte Isabell Zolk Anfang des Jahres ins Geschäft eingestiegen.
Eigentlich war geplant, die Erweiterung bereits 2019 zu starten. Dann kam Corona. Aus „Angst vor der Zukunft“ habe man das Projekt auf Eis gelegt und jetzt die Pläne wieder aus der Schublade geholt. Während der Pandemie habe er gemerkt, wie sehr Lagerplatz fehlt, so Fischer. In Zeiten des Rohstoffmangels wäre mehr Fläche ein Vorteil gewesen. So mietete die Firma außerhalb Unterstellmöglichkeiten an, die sie nun Stück für Stück wieder abstoßen wird, erklärt der Geschäftsführer.
Der neue Bau wird östlich direkt an das bestehende Gebäude angeschlossen. Da es ein Eingriff in den Bestand ist, geht Schmitt von einer etwas längeren Bauzeit aus als bei einem Projekt auf grüner Wiese. Etwa eineinhalb Jahre setzt er an. Ende 2026 soll alles fertig sein.
Eine Logistikhalle wird den Altbestand mit der neuen Backstube und Lagerhalle verbinden. Insgesamt 20 Tore, an denen Lastwagen von nördlicher und südlicher Seite mit Backwaren beladen werden, oder Rohstoffe liefern können, sind vorgesehen. Im Obergeschoss entstehen lichtdurchflutete Verwaltungsräume, mit Aufenthaltsmöglichkeiten für die Mitarbeiter.
Bereits vorhandene Aufenthaltsräume werden in diesem Zuge im Altbestand saniert. Insgesamt geht Schmitt davon aus, dass etwa zehn Millionen Euro investiert werden müssen, Fischer hofft im „einstelligen Millionenbereich“ zu bleiben.
Die Produktionshalle wird in etwa 2,50 Meter höher als der alte Bau. Die Fassade wird mit einer „modernen Welle“ aus Holzlamellen gestaltet, so Fischer. Damit wolle man eine optische Verbindung schaffen, fügt Isabella Zolk an. Das Flachdach der Logistik wird begrünt. Wo noch Fotovoltaik möglich ist, sollen in den kommenden Jahren Platten angebracht werden. „Irgendwann wollen wir autark sein“, formuliert Fischer ein Ziel des Unternehmens. Wann das der Fall sein wird, hänge auch stark von der Politik ab.
Dass Marcus Fischer und Isabella Zolk am Standort Burgbernheim festhalten, das sei zwischenzeitlich gar nicht mehr so sicher gewesen. „Wir haben das wirklich infrage gestellt und überlegt, ob wir weggehen.“ Und das habe nicht an der Stadt gelegen. Immer wieder betont Fischer im Gespräch mit unserer Redaktion die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Stadtrat und mit Bürgermeister Matthias Schwarz, der immer ein offenes Ohr habe und um Lösungen bemüht sei.
Das Landesamt für Denkmalschutz und die archäologischen Grabungen seien der Grund für die Umzugsabsichten gewesen. In der Windsheimer Bucht gelegen, liegt die Fläche, auf der Brothaus steht, in einem Bereich, der vor einer Bebauung von Archäologen geprüft werden muss. Es fange schon damit an, dass man es rund zwei Jahre, bevor man überhaupt bauen möchte, anmelden müsse, so Fischer. Für die aktuelle Maßnahme sind die Archäologen längst fertig mit ihrer Kartierung.
Auf der westlichen Fläche des Grundstücks, direkt an der Bundesstraße 470, in der im vergangenen Jahr eine steinzeitliche Bäckerei nachgewiesen wurde, dauern die Arbeiten noch an. Insgesamt kosteten die Grabungen das Unternehmen einen „fast siebenstelligen Betrag“, schätzt Fischer. Dass es dafür keinerlei staatliche Unterstützung gebe, ist für ihn nur schwer nachzuvollziehen. „Wir können da ja nichts dafür.“
Und warum wird auf der westlichen Seite gebuddelt? Dort ist ein neues modernes Café mit einer Art Wohlfühloase vorgesehen. Mehr wollen die Geschäftsführer noch nicht verraten. Wann diese Pläne umgesetzt werden können, das hänge nun stark davon ab, wie es mit dem aktuell geplanten Bau und den Kosten dafür weitergehe, so Fischer.
Dass eine Art Museum entstehen soll, hätte das Brothaus tatsächlich einmal angedacht. Allerdings seien die Auflagen, die Fundstücke ausstellen zu dürfen, so hoch, dass man das sein lasse. Historisch habe es freilich eine sehr große Bedeutung, sagt Fischer, aber die Kosten dafür stünden in keinem Verhältnis. Es seien Tonscherben und Mauerfragmente, „als Archäologe kannst du das alles nachvollziehen“, dem Laien werde es kaum etwas bringen, fügte Schmitt an.
Der Stadtrat hat einigen Abweichungen vom Bebauungsplan bereits zugestimmt, die laut Matthias Schwarz (Freie Bürger) nicht weiter ins Gewicht fallen. Der Bauantrag liegt aktuell beim Landratsamt. In der Sitzung des Stadtrats merkte Zweiter Bürgermeister Stefan Schuster (CSU) an, dass man sich für die Einmündung des Radwegs an der Rothenburger Straße in die Brothauszufahrt etwas überlegen müsse.
Derzeit herrsche dort quasi nur der Kunden- und Mitarbeiterverkehr. Wenn künftig der Lieferverkehr, zumindest teilweise über die Einfahrt geregelt werde, erhöhe sich die Unfallgefahr für Radfahrer, so Schuster. Er schlug vor, Autofahrern dort den Vorrang zuzusprechen und Radfahrer mit entsprechender Beschilderung darauf hinzuweisen. Das sei ein guter Vorschlag, der aufgenommen und geprüft werde, stimmte Bürgermeister Schwarz zu.