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Veröffentlicht am 26.05.2025 17:38

Zu wenig Brennpunkte: Ansbacher Polizei sieht keinen Grund für Videokameras

Rückläufige Fallzahlen, hohe Aufklärungsquote: Insgesamt sehr positiv fällt das Ergebnis der Kriminalitäts-Statistik aus, die jetzt im Ansbacher Stadtrat präsentiert wurde. Ein Grund zum Ausruhen ist dies aber nicht. Die Entwicklungen in manchen Bereichen beobachtet die Polizei mit Sorge.

Der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizei, Hermann Struhler, und der Ansbacher Polizeichef Dieter Hegwein berichteten von 2734 registrierten Straftaten in 2024. Das entspricht einem Rückgang von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den vergangenen zehn Jahren ist dies das zweitniedrigste Fallaufkommen, wie Struhler betonte.

Hoher Anteil bei jugendlichen Tätern

Damit einher geht auch eine Senkung der Häufigkeitszahl. Dabei handelt es sich einen auf 100.000 Einwohner hochgerechneten Index, der die Kriminalitätsbelastung einer Kommune misst. Grund zum Jubeln ist dies aber nicht. Mit einem Wert von 6381 rangiert Ansbach unter den mittelfränkischen Städten auf dem zweiten Platz hinter Nürnberg.

Exorbitant hoch und weit über dem Durchschnitt in Mittelfranken und Bayern liegt die Aufklärungsquote von 75,9 Prozent, zeigte sich Hegwein erfreut und lobte damit die Arbeit der Polizei, der Kripo und der Verkehrspolizei. Nach seinen Worten hat der Erfolg auch mit der bestehenden Sozialkontrolle zu tun. Als Beispiel für diese Kontrolle nannte er etwa die Bereitschaft der Menschen, als Zeugen auszusagen.

Mit etwas Sorge schauen Hegwein und Struhler auf den Bereich der Jugendkriminalität. Zwar verzeichnete man hier im vergangenen Jahr Rückgänge. Dennoch machen Kinder unter 14 Jahren, Jugendliche (14 bis 18 Jahre) und Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) immer noch 24 Prozent der 2024 ermittelten Tatverdächtigen aus. „Das ist ein hoher Anteil“, machte der Polizeichef deutlich. Helfen in diesem Bereich könnten Präventionsprogramme. Hierbei arbeiten und Ordnungshüter und Schulen bereits eng zusammen.

Gestiegen ist derweil die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen von 596 auf 617. In der Gruppe der darin enthaltenen Zuwanderer ist dagegen ein Rückgang von 230 auf 198 zu sehen, wie Struhler ausführte.

Rückgänge gab es laut der Statistik bei Rohheitsdelikten wie Körperverletzungen (von 732 auf 571), im Bereich der Straßenkriminalität (von 463 auf 363) und Rauschgiftdelikten (von 198 auf 158). Letzteres hänge auch mit der Teillegalisierung von Cannabis zusammen, so Struhler.

Anstiege wurden dagegen bei den Wohnungseinbrüchen (von 6 auf 14), Sexualdelikten (von 69 auf 81) und Cybercrime (von 44 auf 46) deutlich. Dieser Bereich mach den Ordnungshütern ebenfalls Sorgen. Hier werden teilweise sechsstellige Summen gezahlt, wodurch sich „viele Menschen die Lebensgrundlage zerstören“.

Hegwein kam auch auf das Thema Videoüberwachung zu sprechen, weil CSU und AfD Anträge gestellt hatten. Aus Sicht eines Ermittlers würde er diese Überwachung begrüßen. Allerdings sind dieser im öffentlichen Raum enge Grenzen gesetzt. Um dies zu rechtfertigen, braucht es einen Kriminalitätsbrennpunkt mit entsprechenden Fallzahlen.

Diese wurden nach den Worten von Hegwein in den vergangenen fünf Jahren nicht erreicht. Auch die 23 Fälle, die 2023 rund um den Schlossplatz registriert wurden, hätten nicht ausgereicht. Elke Beyer (CSU) bat dennoch darum, den Antrag im Hinterkopf behalten, sollten die Fallzahlen an irgendeiner Stelle im Stadtgebiet nach oben schnellen.

„Geringe Chance, Opfer zu werden“

Walter Danielis (AfD) fragte nach den Ursachen für die hohe Kriminalitätsbelastung: „Am hohen Beamtenanteil dürfte es ja nicht liegen.“ Tatsächlich fragen sich das die Sicherheitskräfte auch. Dieses Problem besteht Hegwein zufolge seit Jahrzehnten. Eine wirkliche Erklärung haben die Fachleute nicht, allenfalls Ansätze. Hegwein nannte unter anderem das Bezirksklinikum und dessen Umfeld sowie die verschiedenen Feste als Beispiele. „Ansbach ist auch ein gewisser Ballungsraum“, ergänzte Struhler.

Letztlich zogen Hegwein und Struhler eine sehr zufriedene Bilanz für das Jahr 2024. „In Ansbach kann man sicher leben“, hielt der stellvertretende Kripo-Chef fest. „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, ist relativ gering.“

Einen Rückgang um 22 Prozent gab es im Bereich der Rohheitsdelikte. Beim Großteil der 571 Taten handelte es sich um Körperverletzungen. (Symbolfoto: Anna Beigel)
Einen Rückgang um 22 Prozent gab es im Bereich der Rohheitsdelikte. Beim Großteil der 571 Taten handelte es sich um Körperverletzungen. (Symbolfoto: Anna Beigel)
Einen Rückgang um 22 Prozent gab es im Bereich der Rohheitsdelikte. Beim Großteil der 571 Taten handelte es sich um Körperverletzungen. (Symbolfoto: Anna Beigel)

Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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