Zum alljährlichen Kulturauftakt war für Samstag in die Scheinfelder Wolfgang-Graf-Halle eingeladen worden. Dieses Mal war es allerdings der feierliche Start in ein besonderes Jubiläumsjahr: Denn 2026 feiert Scheinfeld 1250 Jahre Stadtgeschichte.
An den Wänden der Halle konnte man Stadtpläne aus vergangenen Jahrzehnten und den Plan vom Festzug zur 1200-Jahr-Feier von 1978 bestaunen (die Abweichung in den Fest-Jahren liegt daran, dass noch unklar ist, in welchem Jahr Scheinfeld tatsächlich erstmals urkundlich erwähnt wurde). Letztgenannter stammte aus der Feder von Hubert Fuchs. Die Pause nutzten viele, um sich die Plakate an den Wänden, die sich mit der Scheinfelder Geschichte beschäftigten, anzuschauen.
Das Programm beinhaltete musikalische Darbietungen der Stadtkapelle und des Europa-Musikzugs. Den Anfang machte Letztgenannter, der sein beeindruckendes Repertoire zeigte, das verschiedene alte Traditionsstücke aus der Marschmusik umfasste. Die Stadtkapelle Scheinfeld rundete das Programm mit vier Liedern ab, die Katharina Oeder und ihr Vater Wolfgang Huprich den Zuhörerinnen und Zuhörern jeweils vorab kurz vorstellten. Sie kündigten zudem bereits das Jubiläumskonzert an, das für den 25. April terminiert wurde und ebenfalls in der Wolfgang-Graf-Halle stattfinden wird.
Für die Bewirtung sorgte die Spielvereinigung Thierberg. Der Erlös der verkauften Speisen und Getränke komme dem Verein zugute, etwa für das aktuelle Projekt, das den Bau eines Vereinsheims mit Toiletten und Duschen umfasst, betonten Andreas Knahn und Christian Stahl. Sie nutzten die Gelegenheit, ihren Verein vorzustellen, und warben bereits für den von ihnen geplanten Abend mit Michl Müller am 2. Mai. Sportlich ging es anschließend weiter. Ein Turner sowie Turnerinnen des TSV 1860 Scheinfeld zeigten ihr Können. Siebtklässler, Neuntklässler und Erwachsene wirbelten in einer aufeinander abgestimmten Choreografie über die Bühne.
Bürgermeister Claus Seifert präsentierte die Stadtgeschichte mit spannenden historischen Eckdaten und etlichen Bildern. Dafür hatte er sich aus dem Fundus der sächsischen Partnerstadt Beierfeld eigens ein Amtmann-Kostüm ausgeliehen. Seifert begann die Reise durch die Historie, indem er auf die Anfänge Scheinfelds einging.
In einer Urkunde, die zwischen 776 und 796 entstanden sein muss, wurde erstmals „Scegifeldum“ (das heutige Scheinfeld) erwähnt. Als Burg auf einem schwarzen Berg erschien Schloss Schwarzenberg erstmalig 1258 auf einer Urkunde, erfuhr das Publikum. Anhand einer aus dem Bayernatlas von 1860 stammenden Karte war zu erkennen, dass sich Scheinfeld zu jener Zeit innerhalb einer Ringmauer befand. Weitere interessante Fakten folgten.
Auf einem Foto war zudem ein früheres Wappen zu sehen. Als Scheinfeld noch Kreisstadt war, zierte ein Einhorn dieses. Es sei das schönste Wappen, das er je gesehen habe, stellte Seifert fest und witzelte: „Wenn manche Grönland kaufen wollen, können wir vielleicht wenigstens unser Wappen zurückkaufen.“
Der Heimat- und Kulturverein, vertreten durch Hans Meyer und Hans-Jochen Teufel, stellte einen Auszug seiner Scheinfelder Geschichten vor. Rund 70 kleine Beiträge, die für die Geschichtsschreibung nicht wichtig seien und daher in Vergessenheit geraten würden, hätten die Kulturschaffenden mittlerweile sammeln können, sagte die Vorsitzende Tanja Jordan. Wer sich für das „Gered und a weng a Gschmarri“ interessiere, sei zur Veranstaltung am 15. März im alten Rathaus eingeladen.
Als besonderer Programmpunkt wurde ein Film des Festumzugs zur 1200-Jahr-Feier gezeigt. Jörg Hobaum, ein zu der Zeit in Scheinfeld ansässiger Kabelfabrikbesitzer, hatte das Ereignis für die Nachwelt festgehalten. Der diesjährige Kulturauftakt wurde zum Jubiläumsauftakt mit vielen historischen Fakten, passenden Musikstücken und einem Ausblick in die Zukunft.