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Veröffentlicht am 16.11.2024 08:00

An Ansbacher Schule: Menschenkette in den Farben der Flaggen

Es riecht nach Farbe im Klassenzimmer, und die Kinder sind mit Feuereifer dabei, sich anzumalen. Nicht sich selbst natürlich, sondern Silhouetten aus Aluminium, die nach Foto-Vorlagen von ihnen zugeschnitten wurden. Die Alu-Körper werden in den Farben der Flaggen verschiedener Länder gestaltet – im Rahmen eines Kunstprojekts an der Ansbacher Pestalozzi-Schule.

Die Metallfiguren in den Farben der Herkunftsländer der Schülerinnen und Schüler sollen nach der Fertigstellung zu einer symbolischen Menschenkette auf dem Schulgelände verbunden werden. Dazu kommen Wandgemälde im Schulhaus: ebenfalls Silhouetten der Kinder und Jugendlichen in den Flaggenfarben. Am Ende soll sich die Menschenkette durchs Schulhaus und übers ganze Schulareal erstrecken – als Zeichen für die Verbindung der verschiedenen Nationalitäten untereinander.

Unterschiedliche Nationalitäten

In der Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule, dem sonderpädagogischen Förderzentrum von Diakoneo in Ansbach, lernen junge Menschen ganz unterschiedlicher Nationalität gemeinsam. Ihre Familien stammen aus Russland und der Ukraine, aus Polen, Syrien, der Türkei, aus dem Iran und dem Irak, aus Amerika und Ungarn, aus Deutschland natürlich und aus weiteren Ländern. Wegen dieser enormen Vielfalt sei die Idee entstanden, sich künstlerisch mit den diversen Kulturkreisen zu beschäftigen, erzählt die Schulleiterin Christine Karch. „Der Workshop läuft unglaublich gut, die Schüler unterstützen sich gegenseitig und übernehmen Verantwortung füreinander. Das ist ein bisschen wie in einer großen Familie.“

Zudem haben die Kinder und Jugendlichen „totalen Spaß bei dem Projekt und arbeiten sehr konzentriert“, freut sich Karch. Dabei werde immer nach individuellen Lösungen gesucht, wenn ein Schüler aufgrund seines spezifischen Förderbedarfs – zum Beispiel bei Autismus – besondere Strategien fürs Erledigen der Aufgaben benötige.

Achtung und Wertschätzung

Für die Aktion hat sich die Pestalozzi-Schule die Würzburger Künstlerin Patricia Tessitore ins Boot geholt, die Schulleiterin Karch von ihrem früheren Arbeitsplatz in Unterfranken kennt. „Unser Ziel ist es, das Thema Verbundenheit und die verschiedenen kulturellen Hintergründe visuell umzusetzen“, erläutert die Malerin. „So sind wir auf die Menschenkette mit Silhouetten gekommen. Es geht auch um Selbstwertgefühl, Achtung und Wertschätzung und darum, einander die Kulturen näherzubringen.“

Teils gestalten die Erst- bis Neuntklässler ihre Silhouetten schlicht mit Farbflächen, teils malen sie mit freier Hand oder mit Hilfe von Schablonen Flaggen-Symbole wie etwa Sterne dazu. Ein Junge hat zum Beispiel ins Weiß zwischen dem Rot und Grün der kurdischen Flagge eine gelbe Sonne mit 21 Strahlen platziert, sozusagen im Solarplexus der Figur.

Interkulturelles Verständnis

Die „kreative Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und Herkunft soll ein starkes Zeichen für Vielfalt und interkulturelles Verständnis setzen“, heißt es ergänzend in einer Pressemitteilung von Diakoneo. Die Kunstaktion sei Teil des „Viele Welten“-Projekts von Diakoneo, das „die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Flucht- und Migrationshintergrund zum Ziel hat“ und vom Verein Sternstunden unterstützt wird.

„Wenn wir die Verbundenheit der verschiedenen Nationen in der Schule fördern“, schließt Christine Karch, „dann kann es auch in der Gesellschaft gemeinsam funktionieren.“

Die Künstlerin Patricia Tessitore hilft den Kindern bei der Gestaltung der Silhouetten. Die Farben sollen ganz exakt aufgetragen werden. (Foto: Lara Hausleitner)
Die Künstlerin Patricia Tessitore hilft den Kindern bei der Gestaltung der Silhouetten. Die Farben sollen ganz exakt aufgetragen werden. (Foto: Lara Hausleitner)
Die Künstlerin Patricia Tessitore hilft den Kindern bei der Gestaltung der Silhouetten. Die Farben sollen ganz exakt aufgetragen werden. (Foto: Lara Hausleitner)

Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

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Nellie Bly
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