Ansbach: Bachs Weihnachtsoratorium – beim Windsbacher Knabenchor auf Höchstniveau | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.12.2025 18:21

Ansbach: Bachs Weihnachtsoratorium – beim Windsbacher Knabenchor auf Höchstniveau

Es gehört zu den meistgespielten Barockwerken zur Adventszeit: Bachs Weihnachtsoratorium. In hochkarätiger Besetzung ist es am Mittwochabend in der Gumbertuskirche aufgeführt worden.

Der Windsbacher Knabenchor, das La Folia Barockorchester und vier Vokalsolisten gaben unter der Leitung von Ludwig Böhme dem bekannten Werk Volumen, Farbe und Intensität auf höchsten Niveau.

Gesamtkonzept wurde deutlich

Auf dem Programm standen, wie meistens, die ersten drei Kantaten und die sechste Kantate. Nicht für eine geschlossene Aufführung, sondern als Einzelparts für die sechs Sonntage von Weihnachten an bis Epiphanias konzipiert, wohnt dem Oratorium dennoch ein musikalisches Gesamtkonzept inne. Dies machte Ludwig Böhme mit seiner Interpretation deutlich.

Mit dem Chor, dem Orchester, den Solisten unter Böhmes souveräner Leitung baut sich ein harmonisches musikalisches Gebilde auf, das in seiner Stimmigkeit alle Aspekte des komplexen Oratoriums auslotet. Trotz aller individuellen Brillanz der einzelnen Bestandteile, die in dem großen Ensemble erkennbar ist, steht stets das Zusammenwirken aller im Vordergrund.

Da ist das La Folia Barockorchester, das sich mit seinen nachgebauten historischen Instrumenten dem weicheren Klang der Bach-Zeit annähert und es gleichzeitig vermag, die entsprechende Vielfarbigkeit der barocken Musik zu entfalten. Sanfte, leise Töne, verspielte Melodien kontrastieren mit wuchtig aufwallenden Passagen, wie sie in Bachs Werk angelegt sind, und unterstützen trotzdem die gesanglichen Partien.

Benedikt Kristjánsson fiel in diesem Jahr die Rolle des Evangelisten zu, der die Geschichte von der Ankündigung und Geburt Jesu in der ersten Kantate bis zum Heilsversprechens im sechsten Teil erzählt. Der vielfach ausgezeichnete Tenor und Bachspezialist weiß diese anspruchsvolle, wichtige Partie mit viel Ausdruck zu füllen.

Die auf Konzerte und Oratorien spezialisierte Mezzosopranistin Marie Henriette Reinhold, die hier in der Altpartie zu hören war, gab in ihrer Interpretationen den Arien oszillierende Tiefe. Tobias Berndt korrespondiert als Bass in hervorragender Weise zur weiblichen Stimme. Mit ihrem reinen, klaren Ausdruck setzt die vielseitige Sopranistin Elisabeth Breuer markante Akzente.

Eine Größe für sich

Der Windsbacher Knabenchor ist eine Größe für sich, hier in der Funktion, das musikalische Gebäude bei allen Verästelungen der Komposition zusammenzuhalten. Eindrucksvoll die Homogenität dieses zahlenstarken Chors. Äußerste Präzision, Textverständlichkeit und eine nuancenreiche Klangfülle machen die besondere Wirkung der Windsbacher aus. Auf beeindruckende Weise fügt sich dieser große Chor in das Gesamtwerk ein, trägt, ohne zu dominieren.

Wie ausdrucksstark die Windsbacher sein können, zeigt sich auch bei der obligatorischen Zugabe. Noch einmal ganz weihnachtlich wird es, als sie „Stille Nacht, heilige Nacht“ intonieren. Das grelle, ungemütliche Licht der Gumbertuskirche endlich herunter gedimmt, bis am Ende nur noch die Wunderkerzen der Sängerknaben ihre Funken versprühen, ist dies ein Moment weihnachtlicher Wahrhaftigkeit. Ein krönender Abschluss eines wahrhaft erhabenen Konzertes.

Brachten Bachs komponierte Weihnachtsfreude brillant zum Klingen: der Windsbacher Knabenchor und das La Folia Barockorchester unter der Leitung von Ludwig Böhme. (Foto: Martina Kramer)
Brachten Bachs komponierte Weihnachtsfreude brillant zum Klingen: der Windsbacher Knabenchor und das La Folia Barockorchester unter der Leitung von Ludwig Böhme. (Foto: Martina Kramer)
Brachten Bachs komponierte Weihnachtsfreude brillant zum Klingen: der Windsbacher Knabenchor und das La Folia Barockorchester unter der Leitung von Ludwig Böhme. (Foto: Martina Kramer)

Von MARTINA KRAMER
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