Mit der Übergabe des achten Kunstwerkes, das im Rahmen der Reihe „Art Residency Wildbad“ für den Skulpturenpark des Wildbades entstanden ist, endet das ambitionierte Kunstprojekt vorzeitig. Die Künstlerin Zuzanna Czebatul übergab am Donnerstagabend ihre Arbeit mit dem Titel „Tide“ der Öffentlichkeit.
Wie das Fundstück eines antiken Mosaikbodens wirkt die Arbeit der Künstlerin Zuzanna Czebatul in der großen Wiese zwischen Tauber und Wildbad. Ein vermeintliches Fragment, dass an römische Badekultur denken lässt, aber auch die Geschichte des Wildbades als ehemaliges Heilbad zu spiegeln beabsichtigt.
Diese Brücke möchte die Künstlerin schlagen, das Vergangene als wertvollen Hinweis auf die damalige Kulturleistung sehen, aber auch darauf hinweisen, dass Dinge vergehen, sich wandeln, neu genutzt oder bewertet werden können, besonders auch aufgrund politischer oder gesellschaftlicher Einflüsse.
Ruinen hätten sich in der Wahrnehmung und Deutung über Jahrhunderte gewandelt, so Czebatul. Wesentlich sei dabei „weniger, was wir entdecken, sondern wie wir es zu deuten versuchen.“ Ihr Werk, das den Titel „Tide“ – zu Deutsch Strömung – trägt, weise auf die Verbindung von Architektur, Kultur und der Vergänglichkeit menschlicher Errungenschaften, aber auch auf die Chancen möglicher Veränderungen hin.
Eine Umbruchzeit erlebe derzeit auch das Wildbad, so die Künstlerin. Auch dieser Gedanke habe sie geleitet. Das Wildbad befinde sich, so Leiter Dr. Wolfgang Schuhmacher, derzeit in einem intensiven Umbruchprozess, von dem er sich erhoffe, dass er für diesen Ort, das Haus sowie die Menschen, die dort arbeiten oder als Gäste herkämen, sowie auch für die Region in guter Weise ausgehe. Näher wollte sich der Leiter des Hauses zu dem laufenden Prozess nicht äußern.
Zu ihrer Arbeit inspiriert hatten die Künstlerin antike Mosaike etwa römischer Bäder, in denen sich Architektur, künstlerische Gestaltung und das Angebot eines sozialen Treffpunktes, aber auch der Gedanke der Körperreinigung zu einer Einheit zusammengefunden hätten. Die antike Bodengestaltung sei aber mehr als nur reine Dekoration, sondern erfülle gleichzeitig auch die Funktion einer Art Wegeleitung durch die Badeabteilungen.
Daneben zeigt „Tide“ auch ein mythologisch anmutendes Seewesen. Die Bodenskulptur als Fragment eines fiktiven, antiken Mosaiks greift das auf, lässt die Oberfläche marmoriert erscheinen. Speziell gestaltete sich auch die Herstellung der wie Fliesen wirkenden Einzelplatten. Als Materialien hatte die Künstlerin Zement, Sand, Pigmente und Metall verwendet, eine eigene Rezeptur für ihre Mischung entwickelt, wobei jedes Einzelteil während der künstlerischen Präsenzzeit im Wildbad als Unikat in Form gegossen wurde.
Im Anschluss an die Übergabe begaben sich die Künstlerin, die Vertreter des Wildbades sowie alle Gäste in die ehemalige Schwimmhalle, die der Künstlerin auch als Atelier gedient hatte.
Dort referierte Dr. Florian Leitmeir über die antike Badekultur und setzte Czebatuls Kunstwerk so in einen historischen Kontext. Schuhmacher bezog sich ebenfalls auf die historische Bedeutung von Funden, die für ihn vergangene Zeiten lebendig machten. Sie enthielten wichtige Informationen über Geschichte, kulturelle und technische Fertigkeiten sowie auch die Lebensart von Menschen früherer Jahrtausende. Reflexion über das Vergangene als Impuls, über Gestaltungsmöglichkeiten nachzudenken. „Kunst soll“, so Schuhmacher, „anregend und manchmal auch aufregend sein.“
Anlass für Gespräche, bei denen auch die Künstlerin zur Verfügung stand, bot das Kunstwerk schon gleich am Tag der Übergabe. Für einen sehr stimmigen musikalischen Rahmen sorgte die Harfenistin Rosemarie Seitz.