Zum internationalen Männertag ist die Ausstellung „Was männlich ist. Entscheidest du. Jeden Tag.“ in die Justizvollzugsanstalt Ansbach gekommen. Hier sollten sich Gefangene Gedanken darüber machen, was es heißt, ein Mann zu sein.
Die Stadt Ansbach und deren Stelle für Gleichstellung organisierte in den vergangenen Jahren immer wieder Events am Männertag. 2024 wurde der Autor Boris von Heesen nach Ansbach eingeladen, der Bücher über Männlichkeit geschrieben hatte.
Dieses Jahr fiel der Blick auf die Ausstellung der Stadt Nürnberg von 2022: „Die Ausstellung hat sich hierfür perfekt angeboten, weshalb wir sie jetzt auch von den Nürnberger Kollegen ausgeliehen haben“, berichtete die Ansbacher Gleichstellungsbeauftragte Lisa-Marie Buntebarth. Auch der eigentliche Vater der Ausstellung, der Nürnberger Männerbeauftragte Matthias Becker, kam nach Ansbach.
Bevor es für die Ausstellung in die JVA ging, machte sie einen Zwischenstopp im Berufsschulzentrum-Ansbach. Dort gab es für die Schüler und Schülerinnen einen Workshop, den die Stadt angeboten hat.
Als sich Lisa-Marie Buntebarth und ihr Kollege Markus Schlötterer, der sich in Ansbach bei der Stadt mit Wohnungsnothilfe und Obdachlosenhilfe beschäftigt, Gedanken über einen weiteren Ausstellungsort machten, dachten sie an die JVA: „Wir wollten natürlich die Ausstellung an einem Ort anbieten, wo man auch Männer antrifft. Da war die Männer-JVA vor Ort natürlich der perfekte Ansprechpartner.“ Bei Anstaltsleiter Thomas Vogt und dem Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes, Andreas Knörr, stieß man nicht nur auf offene Ohren – sondern auch ausnahmsweise auf offene Türen.
Elf Gefangene der Ansbacher JVA meldeten sich, um die Ausstellung anzuschauen und später an einem geschlossenem Gesprächskreis teilzunehmen. Zunächst hießen Becker, Buntebarth und Schlötterer die Gefangenen willkommen. „Männer weinen heimlich“, zitierte Vogt Herbert Grönemeyer zu Beginn: Die Fragen, was es bedeute, Mann zu sein, aber auch Mensch zu sein und welche Rolle Gewalt im problematischen Männerbild spiele, wurden mehrfach angesprochen.
Matthias Becker kam immer wieder auf Statistiken zu sprechen, in 75 Prozent der Fälle seien bei häuslicher Gewalt Männer der Täter – das würde heißen, dass täglich 500 Frauen an häuslicher Gewalt leiden. Die Ausstellung besteht vor allem aus Aufstellern mit Zitaten von Männern über Männlichkeit. Als die Inhaftierten sich die Ausstellung anschauten und sich darüber austauschten, geschah das unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Für die Gefangenen ist es mit dem einmaligen Betrachten und der anschließenden Reflektion darüber nicht getan. Ein Gottesdienst wird das Thema nochmal aufgreifen. Die Pfarrer Dieter Hinz und Norbert Küfeldt, die in der Seelsorge der JVA arbeiten, werden ein offenes Ohr für die Gefangenen haben. Ziel ist es, Männern klarzumachen, dass Mann-Sein nichts Festes sei, und jeder Mann sich sein Männerbild selbst bilden könne.