In einem neuen Anlauf will der Merkendorfer Stadtrat das Brauereiprojekt nun angehen. Im Haushaltsentwurf und in der Finanzplanung für die kommenden Jahre sind die entsprechenden Summen verankert. Nächste Woche soll eine eigene Stadtratssitzung zum Thema stattfinden.
Dann will sich auch erstmals der potenzielle Pächter des Gasthofes vorstellen. Noch wissen nur wenige Eingeweihte, um wen es sich handelt. Bürgermeister Stefan Bach lächelt nur sehr vielversprechend, wenn man ihn auf die Personalie anspricht. Es sei jemand mit viel Erfahrung, ist alles, was der Bürgermeister bereit ist, zu sagen. Interessierte bekommen mehr Informationen in der öffentlichen Stadtratssitzung am Dienstag, 18. Februar, um 19 Uhr im Steingruberhaus.
Das Brauereiprojekt beschäftigt Stadtrat und Verwaltung seit Jahren. Aus dem einstigen Brauereigebäude mitten in der Altstadt, an das die Stadt über eine Spende kam, soll ein moderner Gasthof mit Fremdenzimmern, einem Saal und einer Gaststube werden. Zudem sollen in dem imposanten Bau weitere Büros für die Stadtverwaltung und ein Aufzug geschaffen werden, damit das Rathaus barrierefrei erschlossen wird.
Bei der Vorstellung der ersten Pläne im Jahr 2018 standen Kosten von acht Millionen Euro im Raum. Fünf Jahre später waren es nahezu doppelt so viel und der Stadtrat zog im Frühjahr die Reißleine. Die Planer des Büros Hochreiter-Lechner in Gunzenhausen sollten mit dem Rotstift über ihre bisherigen Zeichnungen und Berechnungen gehen. Die ursprünglich geplante Schaubrauerei wurde gestrichen und die Zahl der 17 Gästezimmer reduziert. Mit den abgespeckten Pläne werden sich die Stadträte wohl ebenfalls in der Sondersitzung beschäftigen.
Im Haushalt hat Kämmerer Heiko Wittig nun Gesamtausgaben von 13,8 Millionen Euro vorgesehen. Er rechnet mit einer Förderung in Höhe von 6,5 Millionen Euro und einer Umsatzsteuerrückvergütung von 2,35 Millionen Euro. Bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 4,95 Millionen Euro.
Als der Stadtrat das Projekt im April 2023 erstmal vorübergehend stoppte, hatte Wittig große Sorge, dass sich Merkendorf mit dem Projekt finanziell übernehmen würde. Diese Befürchtung hat er nun nicht mehr. Zum einen sehe es mit der Umsatzsteuerrückvergütung nun deutlich freundlicher aus, zum anderen entwickelten sich auch die Gewerbesteuereinnahmen sehr erfreulich. „Das ist nicht auf Kante genäht“, stellte auch Jochen Schmidt (Bürgerforum) zufrieden fest.
Im laufenden Jahr sei noch kein Kredit zum Ausgleich des Haushalts erforderlich, berichtete der Kämmerer, dann werde die Stadt aber für das Brauereiprojekt schrittweise erst ihre Darlehen aus den angesparten Bausparern mit einer Gesamtsumme von rund zwei Millionen Euro in Anspruch nehmen – zu extrem niedrigen Zinsen zwischen 0,99 und 1,5 Prozent.
Zusätzlich braucht Merkendorf aber in den kommenden Jahren 5,9 Millionen Euro Bankdarlehen, die auch die Zwischenfinanzierung beinhalten, weil es dauern wird, bis die Zuschüsse fließen. 2027 werde dann der Punkt erreicht, an dem die Rücklagen kleiner sind als die Schulden. Aktuell hat Merkendorf – mit den Bausparverträgen – noch sechs Millionen Euro gespart.
Kämmerer Wittig ist in diesem Jahr schon sehr weit, was den Haushalt angeht. Das grobe Gerüst steht. „So früh waren wir noch nie dran“, stellte der Bürgermeister fest. Die Stadträte nahmen den ersten Entwurf sehr positiv auf. Eine Abstimmung erfolgte noch nicht.
Wittig berichtete, dass die Personalkosten im laufenden Jahr auf etwa 1,3 Millionen Euro steigen werden. Die endgültige Höhe hängt vom Ergebnis der Tarifverhandlungen ab. Größter Einnahmeposten für die Stadt ist die Beteiligung an der Einkommensteuer. Der Kämmerer geht für das laufende Jahr von knapp 2,2 Millionen Euro aus und erwartet weitere Steigerungen.
Bei den Gewerbesteuereinnahmen war er in der Vergangenheit sehr vorsichtig. Lange standen immer nur 1,5 Millionen Euro im Etat, vergangenes Jahr waren es erstmals 1,85 Millionen. Doch es waren vermutlich rund 300.000 Euro mehr, sodass der Kämmerer nun für 2025 mutiger geworden ist und zwei Millionen Euro veranschlagt. Positiv sieht es auch bei den Schlüsselzuweisungen aus, die trotz verbesserter Steuerkraft auf 480.000 Euro steigen. Dem gegenüber stehen Mehrausgaben für die Kreisumlage, was ebenfalls mit der besseren Steuerkraft, aber auch mit der erwarteten Erhöhung der Umlage zu tun hat.
Für den Kindergartenneubau ist in diesem Jahr der größte Brocken kalkuliert. 3,0 Millionen Euro stehen im Entwurf, nächstes Jahr folgt dann die letzte Rate mit 236.000 Euro. Die Zuschüsse werden sich am Ende auf 1,6 Millionen Euro belaufen, der Eigenanteil der Stadt macht rund 3,5 Millionen Euro aus.
Im Schnelldurchlauf ging der Kämmerer mit den Stadträten durch den Haushaltsentwurf und machte sie auf verschiedene Posten aufmerksam. Die Feuerwehr, die wohl in ein paar Jahren ein neues Löschfahrzeug braucht, nachdem das bisherige fast 30 Jahre auf dem Buckel hat. Die Fassadensanierung am Rathaus, die notwendig wird, weil schon erste Putzelemente herabgebrochen sind. Eine nötige Straßensanierung zwischen Willendorf und Kleinbreitenbronn. Der Radweg zwischen Großbreitenbronn und Leidendorf. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Beratungen werden fortgesetzt.