Bürgerbus in Dinkelsbühl: Über 150.000 Kilometer ehrenamtlicher Service | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 03.03.2026 19:59

Bürgerbus in Dinkelsbühl: Über 150.000 Kilometer ehrenamtlicher Service

2020 wurde die Hebebühne, die in den ersten Dinkelsbühler Bürgerbus eingebaut wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt. Mittlerweile ist sie eingelagert. (Archivbild: Simone Hedler)
2020 wurde die Hebebühne, die in den ersten Dinkelsbühler Bürgerbus eingebaut wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt. Mittlerweile ist sie eingelagert. (Archivbild: Simone Hedler)
2020 wurde die Hebebühne, die in den ersten Dinkelsbühler Bürgerbus eingebaut wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt. Mittlerweile ist sie eingelagert. (Archivbild: Simone Hedler)

Einen Bericht zum Bürgerbus hatte die Fraktion der Wählergruppe Land mit einem Antrag eingefordert, um dem Dinkelsbühler Stadtrat einen „umfassenden Überblick” zu verschaffen, wie es in der Begründung heißt. Klaus Wüstner, der das Angebot der Stadt leitet, war in der Sitzung anwesend und informierte über das Angebot.

Der Bürgerbus ist ein kostenloses Angebot für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und ihrer Ortsteile, das werktags von 8 bis 17 Uhr sowie am Samstag von 8.30 bis 12.30 Uhr in Anspruch genommen werden kann, führte Wüstner aus. Damit solle die Mobilität von Menschen verbessert werden. Gerade ältere Leute nutzten den Bus, wenn sie beispielsweise zum Arzt oder Amtsgeschäfte erledigen müssten, um zu Seniorentreffs oder anderen Veranstaltungen zu gelangen oder einfach Haltestellen des überörtlichen ÖPNV erreichen möchten, erklärte Wüstner.

Seit November 2019, als der Bürgerbus seinen Dienst aufgenommen hat, sind die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer fast 155.000 Kilometer gefahren – „also 3,854 Mal um den Äquator”, verglich Wüstner diese Strecke. Im Schnitt gebe es für die 26 Aktiven rund 5500 Aufträge im Jahr. Die Stadtverwaltung lässt sich das Bürgerbus-Angebot laut im Kommunalparlament vorgetragenem Bericht 33.000 Euro im Jahr kosten.

Digitales Planungsprogramm

Seit 2026 gibt es für die Fahrerinnen und Fahrer ein digitales Fahrauftragsprogramm, mit dem auf einem Tablet die Fahrten koordiniert werden. Entwickelt und programmiert worden sei dieses von einem der Fahrer und dessen Schwiegersohn, erläuterte der Bürgerbus-Koordinator. Damit sei es für die Ehrenamtlichen erkennbar, „wen sie wann abholen und wohin sie den Fahrgast bringen sollen”, meinte Wüstner.

Gestartet ist das Angebot vor über sechs Jahren mit einem Leihfahrzeug. 2020 kam der erste „richtige Bürgerbus”, ein rotes Gefährt. Das allerdings wurde schon bald wieder ausgemustert. Dessen Dieselmotor habe keine Kurzstrecken vertragen, erläuterte Wüstner. „Der Diesel ist immer ausgefallen”, ergänzte Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer, weshalb die Entscheidung getroffen worden sei, auf einen Elektroantrieb umzusteigen. Der ehemalige rote Bürgerbus steht seit der Übernahme des neuen weißen Elektromobils Vereinen kostenlos zur Verfügung.

In der Sitzung ging es auch um die Beförderung von Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind. Im ersten Bürgerbus gab es dafür eine technische Einrichtung, die im neuen Fahrzeug allerdings nicht wieder eingebaut wurde. Begründet wurde dies von der Verwaltung unter anderem damit, dass der Akku des Elektrofahrzeugs zu hoch sei, um die Vorrichtung einzubauen.

Im E-Bus fehlt die Einrichtung für Rollstühle

OB Hammer und Klaus Wüstner führten aus, dass es seitens der Fahrerschaft die Information gegeben habe, dass der Bedarf in Form von Anfragen gar nicht gegeben sei. Außerdem, so hätten die Ehrenamtlichen informiert, brauche die Technik zu viel Zeit. Deshalb sei es der Wunsch gewesen, die Vorrichtung in den E-Bus nicht mehr einzubauen, auch um so mehr Platz für Einkäufe oder Rollatoren zu haben.

Andreas Schirrle (DGG), Behindertenbeauftragter der Stadt, regte an, sich Gedanken zu machen, wie Rollstuhlfaherinnen und -fahrer doch im Bürgerbus mitfahren könnten. Und er wollte wissen: „Was passiert mit der Vorrichtung?”

Weil eine Kooperation in Sachen Bürgerbus mit der Gemeinde Schopfloch im Raum stehe, wäre eine Rollstuhltransporthilfe für den Bürgerbus dann eine Möglichkeit, so der Rathauschef weiter. Wüstner brachte eine finanzielle Entschädigung für Menschen im Rollstuhl ins Gespräch, die den Bürgerbus nicht nutzen könnten und sich ein spezielles Taxi rufen müssten.

Der Akku geht im Winter „in die Knie”

Der WGL-Fraktionssprecher Georg Piott hakte bei der Akku-Leitung des Busses nach. Dieser gehe im Winter „in die Knie”. Nach welcher Entscheidung die Stadt das E-Fahrzeug ausgewählt habe, wollte er wissen. Und: Nachdem der Bus mittags ein bis zwei Stunden an einer Schnellladestation Strom tanken müsse, wollte Piott wissen, ob in der Zeit nicht der rote Bus wieder zum Einsatz kommen könnte.

So funktioniert der Bürgerbus:
Bis spätestens 17 Uhr am Vortag folgende Telefonnummer wählen:
09851/902400
Vor- und Nachname, Telefonnummer, Fahrziel, Abholungsort und gewünschte Uhrzeit nennen.
Fahrten sind ausschließlich innerhalb von Dinkelsbühl und zu allen Ortsteilen im Stadtbereich Dinkelsbühl möglich, außer an Sonn- und Feiertagen. Die Fahrten sind kostenlos.

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