Bürgermeister auf großer Fahrt: Oh du ereignisreicher Landkreis-Westen | FLZ.de | Stage

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Bürgermeister auf großer Fahrt: Oh du ereignisreicher Landkreis-Westen

Der Ortskern von Auernhofen mit Fachwerk und Kirche ist ein Traum. Nicht umsonst wurde das Dorf bereits mit einer Silbermedaille prämiert. (Foto: Johannes Zimmermann)
Der Ortskern von Auernhofen mit Fachwerk und Kirche ist ein Traum. Nicht umsonst wurde das Dorf bereits mit einer Silbermedaille prämiert. (Foto: Johannes Zimmermann)
Der Ortskern von Auernhofen mit Fachwerk und Kirche ist ein Traum. Nicht umsonst wurde das Dorf bereits mit einer Silbermedaille prämiert. (Foto: Johannes Zimmermann)

Der Landkreiswesten fühlt sich politisch oftmals ein bisschen vernachlässigt. Was der Uffenheimer Raum allerdings so alles zu bieten hat, davon machten sich die Bürgermeister bei ihrem Ausflug ein Bild. Ob millionenschweres Großprojekt, Sterneküche oder die Schönheit von Ortskernen: Es gab viel Applaus.

Als sich der Uffenheimer Bürgermeister Wolfgang Lampe im Bus das Mikrofon schnappt, um seine Stadt vorzustellen, präsentiert er detailverliebt die Besonderheiten: die Kreisverkehre, die nach Partnerstädten benannt sind, den Würzburger Torturm, Gewerbegebiete. Halt gemacht wird dann aber an einem millionenschweren Großprojekt: am gerade frisch sanierten Hallenbad an der Bomhardschule.

Lampe beschönigt nichts, erzählt von den Scherereien mit einem Architekten, der dann geschasst wurde („Bisher kamen von ihm keine Forderungen, ich würde ihm raten, dass das auch so bleibt“) und von den daraus resultierenden Verzögerungen, die dazu führten, dass die Generalsanierung voll in die Corona-Teuerungszeiten gefallen ist. Ein Edelstahlbecken zu Zeiten des Ukraine-Kriegs zu kaufen, ist da fast wie Diamantenhandel: sehr teuer.

„Gehört das so, dass das tropft?“

Auch wenn an diesem Tag an den Außenanlagen noch einiges zu tun ist, präsentiert sich das Innenleben einladend. Das Wasser plätschert, der Dietersheimer Vize-Bürgermeister Wolfgang Bachmann sorgt für einen humorvollen Schreckmoment: „Gehört das so, dass das tropft.“ Nur ein kleiner Gag, nicht mehr. Bei Kosten von 9,8 Millionen Euro wird die Hallenbad-Sanierung landen.

Immerhin auch sechs Millionen Euro schwer ist der städtische Bauhof-Neubau am Geckenheimer Steig, die nächste Station für die Gemeindeoberhäupter. Bevor in den imposanten Hallen, in denen noch eifrig gebaut wird, Kaffee und Kuchen kredenzt werden, führt Bauhofleiter Thomas Siebert die Gäste und steht Rede und Antwort.

Staunen ob des imposanten Bauhofs

Bisher verteilen sich die Lagerstätten des Bauhofs auf mehrere Standorte. Sobald der Neubau finalisiert ist, wird dort alles gelagert. Ein Standort, kurze Wege, so lautet die Zauberformel. Ob der Ausmaße staunten die Bürgermeister nicht schlecht. „Das ist ja ein Kreisbauhof“, hallt es durch den Bau. Aber Lampe betont: „Das wird hier alles voll, Sie werden staunen.“ Maschinen, Materialien und ein riesiges Lager. Der alte Standort, erinnert der Bürgermeister, war nicht mehr vertretbar. Braunes Wasser aus der Leitung. Asbestdecken. Und Engedei.

Von der Hauptstadt-Perle des Westens geht es in den westlichsten Westen. Westlicher geht Bayern kaum mehr, „noch 1,2 Kilometer und wir sind in Baden Württemberg“, betont der Simmershöfer Bürgermeister Florian Hirsch bei der Begrüßung im Ortsteil Auernhofen. Vom „Ausland“ ist beim Langwort „Baden-Württemberg“ unter den Bürgermeistern die Rede. Das sorgt für Grinser.

„Die Eingangstür aus Baden-Württemberg“

Aber nein, die Gemeinde Simmershofen ist nicht dieses gallische Dorf am Rande, „wir sind die Eingangstür aus Baden-Württemberg“, betont Hirsch stolz. Bis 2030 soll jedes Haus auf seinem Gebiet Glasfaser bis ins Haus haben, Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen wird man auch dann mutmaßlich noch vergebens suchen. „Die lassen wir nicht zu“, so Hirsch. Schließlich ist das große Standbein in Simmershofen bis heute die Landwirtschaft. Alleine in Auernhofen – bei 130 Einwohnern – sind noch über ein Dutzend Landwirte aktiv. Nach Leerstand sucht man vergeblich. Das Dorf ist sogar silberprämiert bei „Unser Dorf hat Zukunft“. Und ein echtes Kuriosum hat Hirsch auch noch: Zwei Winzer sind im Ort aktiv, obwohl in der Gemeinde nicht ein einziger Weinberg zu finden ist.

Geheiratet wird hier ebenfalls häufig – bis zu 90 Mal im Jahr. Dafür gibt es zwei Hauptgrunde: das wunderbare Schloss von Walkershofen, frisch hergerichtet, und den Winzerhof Stahl in Auernhofen, der mit einem Michelin-Stern dekoriert ist. Dort geht dann die Bürgermeister-Tour zu Ende. Mit einem Live-Cooking-Pasta-und-Grill-Event. Oh du ereignisreicher Landkreiswesten.

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