Welche Themen wollen die Direktkandidaten im Wahlkreis Ansbach im Bundestag voranbringen? Wo weichen sie von der Parteilinie ab? Mit Fragen löcherte Moderator Mathias Neigenfind bei einer Podiumsdiskussion sechs Kandidaten im Autohaus Oppel im Ansbacher Stadtteil Elpersdorf.
So viele Direktkandidaten auf einem Podium wird es in diesem kurzen Wahlkampf in Stadt und Landkreis Ansbach vermutlich nicht mehr geben. Sieben Bewerber hatte der Bund der Selbstständigen (BDS) eingeladen. AfD-Kandidat Stefan Wigler hat abgesagt. Er hatte keine Zeit.
Neben Vertretern der Parteien sind vor allem Unternehmer zu der Veranstaltung gekommen. Sie erlebten eine zweistündige aufgeweckte Diskussion, die Unterschiede ebenso aufzeigte wie Gemeinsamkeiten.
Weniger Studenten, mehr ausgebildete Handwerker seien laut Abgeordnetem Artur Auernhammer (CSU) in der Gesellschaft erforderlich. „Wir brauchen wieder mehr Macher, weniger Theoretiker“, sagte der Weißenburger. Vor allem die Selbstständigkeit im Handwerk müsse gestärkt werden. Immer weniger junge Menschen wollen einen Betrieb übernehmen. Das hat zur Folge, dass viele Betriebe schließen müssen, da sie keine Nachfolge finden. Ein Problem, das den Landwirtschaftsmeister sehr umtreibt.
Studieren sei oftmals attraktiver, „um abgesichert zu sein“, bekannte auch SPD-Kandidat Daniel Mirlach. Aus Sicht des Ansbachers wäre es sinnvoll, über eine finanzielle Unterstützung der Betriebe durch den Staat nachzudenken. Dann könnte die Ausbildungsvergütung höher ausfallen, warf der 27-Jährige als Idee in die Runde.
Mehr Menschen wieder in Richtung der betrieblichen Ausbildung zu bringen, möchte auch Markus Mooser von den Freien Wählern. Das gelte auch für Asylbewerber, die in Deutschland leben. „Wir müssen die Leute ausbilden.“ Dem schloss sich auch Markus Wolff von Volt an.
Generell ist das Bildungssystem in Deutschland ausbaufähig, fügte Franziska Kremer (FDP) hinzu. „Da müssen wir definitiv investieren“, sagte sie mit Blick auf so manch marodes Schulgebäude.
Für Sebastian Amler sind Einwanderer eine große Chance gegen den herrschenden Mangel an Fachpersonal. „Das geht Hand in Hand“, sagte er. Damit Deutschland hier attraktiver werde, müsse die Vielfalt im Land wieder hergestellt werden, sagte der 27-Jährige. Denn: „Der Rechtsextremismus ist abschreckend.“
Mit seinen individuellen Fragen an die sechs Kandidaten lockte Mathias Neigenfind dem ein oder anderen eine überraschend ehrliche Antwort heraus. Wie man mit Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten erfolgreich sein kann, wollte er beispielsweise vom SPD-Kandidaten wissen. Verteidigungsminister Boris Pistorius wäre ihm lieber gewesen, gab Mirlach indirekt zu. Dennoch stehe er hinter der Entscheidung seiner Partei und ist überzeugt davon, dass diese mit Scholz an der Spitze nicht schlecht aufgestellt sei.
Die Kritik, dass die FDP mit ihren Versprechen der vergangenen Jahre nicht vorangekommen ist, stritt Franziska Kremer nicht ab. Sie selbst ist erst seit etwa vier Jahren Mitglied. Während Bundestagsabgeordnete der FDP mehrfach forderten, die Ukraine mit Taurus-Marschflugkörpern zu beliefern, hat Kremer starke Bedenken. Bei dem Gedanken, „dass deutsche Waffen in Moskau detonieren könnten“ kriege sie „Himmelangst“.
In Sachen Sicherheit und Verteidigung gab es einiges an Übereinstimmung. Beispielsweise forderten Amler, Kremer und Auernhammer, dass sich Deutschland mehr gegen Cyberkriminalität schützen müsse und die Bundeswehr sowie die Polizei besser ausgestattet werden müssten.
Es gehe auch um Respekt für diejenigen, die mit ihrer Arbeit für Sicherheit sorgen, befand Auernhammer. Wie das die Politik umsetzen könne, wollte Neigenfind wissen. „Respekt muss man vorleben“, befand Amler. Ein Beispiel seien die Debatten im Bundestag. Seit die AfD dort eingezogen ist, liefen diese erheblich niveauloser ab, zeigte er sich mit Auernhammer einig.
Ein ganz konkretes „Zeichen des Respekts“ schlug SPD-Bewerber Mirlach vor: „Man könnte dem Wunsch der Polizei entsprechen und das Böllerverbot an Silvester umsetzen.“
Bei der Klimakrise gingen die Meinungen auseinander. Kremer will zumindest vorübergehend wieder auf Atomkraft setzen. Bis heute gibt es in Deutschland kein Atomendlager, gab Auernhammer zu bedenken.
Der Ausbau erneuerbarer Energien – auch der Windkraft – könne hingegen gerade für den ländlichen Raum ein Gewinn sein, so der Landwirt. Auf eine Wirtschaft ohne fossile Brennstoffe hofft der Volt-Kandidat mit Blick in die Zukunft. Windenergie, PV-Anlagen und die Verwendung von Wasserstoff müssten seiner Ansicht forciert werden. Mooser und Auernhammer sprachen sich trotz aller Begeisterung für erneuerbare Energien dafür aus, auch künftig Verbrenner-Autos zu bauen.
In der Diskussion machte sich die Erfahrung von Amtsinhaber Auernhammer bemerkbar. Er agierte souverän und zeigte sich zu Scherzen aufgelegt. Auch Grünen-Herausforderer Amler zeigte, dass er schon öfter vor Publikum gesprochen hat. Er war sicher und schlagfertig in seinen Antworten. SPD-Bewerber Mirlach brauchte ein wenig, um in der Debatte anzukommen – er war direkt vom Spätdienst als Pfleger im Krankenhaus zu dem Termin geeilt. FDP-Kandidatin Kremer und FW-Mann Mooser war die Nervosität anfangs anzumerken, doch mit der Zeit legte sie sich. Volt-Kandidat Wolff tat sich hingegen sehr schwer.
Nach der zweistündigen Debatte bestand die Möglichkeit zum direkten Gespräch mit den Kandidaten an kleinen Infoständen. Einen solchen durfte auch die ÖDP mit ihrem Kandidaten Kevin Settler aufstellen. Er war nicht aufs Podium eingeladen, weil seine Nominierung erst nach dem von der BDS gesetzten Stichtag war.