Für Heiko Moßhammer ist der Klimawandel offenkundig. Der für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zuständige Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt Ansbach ging bei einer Veranstaltung in Markt Bibart darauf ein, wie man den Wasserhaushalt zukunftsfähig gestalten kann. Die Region habe einige gute Ansätze, fand Moßhammer.
Der Wasserwirtschaftsexperte sah zwar bei der für eine Milderung des Klimawandels eigentlich nötigen Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes nur wenig, was der Landkreis für sich tun könne. Aber dass sich die Städte und Gemeinden auf die Auswirkungen einstellen, sei zumindest in einem gewissen Maße möglich, ging aus Moßhammers Vortrag im katholischen Pfarrsaal von Markt Bibart hervor. Weil es im Landkreis kein wirklich großes Fließgewässer gibt, sei das Landschaftswassermanagement die einzige Chance. „Wir müssen es schaffen, das Wasser vom Winter in den Sommer mitzunehmen”, forderte der Wasserwirtschaftler.
Markt Bibart, so hatte Bürgermeister Klaus Nölp zuvor angemerkt, widme sich durchaus diesem Thema. Die Marktgemeinde habe ein Wasserschutzkonzept und ein Gewässerentwicklungskonzept. Dabei gehe es um eher kleine Maßnahmen, um das Wasser möglichst in der Fläche zu halten. „Es kann sich keine Gemeinde wegducken”, fand Nölp. Und weil auch kleine Maßnahmen Geld kosten, plädierte Markt Bibarts Bürgermeister dafür, das zu nutzen, was im Fachjargon als Realkompensation bezeichnet wird.
Grob beschrieben bedeutet dies, dass für den ökologischen Ausgleich, der auch für Windradprojekte eingefordert wird, die Bauherren nicht das übliche Ersatzgeld in den bayernweiten Ausgleichstopf einzahlen. Stattdessen wird dieses Geld direkt in ökologische Maßnahmen vor Ort investiert.
Wie man auf den Wasserhaushalt Einfluss nehmen kann oder könnte, erläuterte Moßhammer den rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörern, die zu einem guten Teil aus dem Kitzinger und Würzburger Raum angereist waren, berichtete Claudia Primbs. Sie gehört zum mitveranstaltenden „Netzwerk Wasser”, wie sie erläuterte, einem Zusammenschluss aus Bürgerinnen und Bürger, die sich für dieses Thema interessieren.
Moßhammer sprach von einem „landschaftsgetriebenen Klimawandel”. Man habe etwa durch Fluss- und Bachbegradigungen die Landschaft zu einem „Auslaufmodell” gemacht. Sollte heißen: Das Wasser läuft schnell ab. Dabei ist die hiesige Region „eine der trockensten in Bayern”. Hier müsse es Ziel sein, das Wasser in der Fläche zu halten und die eher dürftige Grundwasserbildung zu stärken. „Wir müssen zurückkommen zu einer natürlichen Entwicklung”, sagte Moßhammer, und „die Landschaft so rau wie möglich machen”.
Das versucht man beispielsweise seit 2022 mit kleinen Stahlwehren in den grünen Gräben, also Gräben, die nur gelegentlich Wasser führen. Mit den Wehren hält man das wenige Wasser länger vor Ort. Das wirke sich auf die Bodenfeuchtigkeit aus, wie die Messungen zeigen, und zwar auch noch fünf bis zehn Meter von den Gräben entfernt. Die Technische Universität München begleite das Projekt seit gut einem Jahr wissenschaftlich. Wenn die bislang nur punktuell errichteten Wehre kaskadenartig angelegt würden, „ließe sich eine große Menge Wasser zurückhalten”, gab sich Moßhammer zuversichtlich.
Weitere Rückhaltemöglichkeiten sah er in ehemaligen Güllegruben beziehungsweise in aufgelassenen Teichkläranlagen. Zwei Konzepte, die der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ebenfalls verfolgt. Fünf Kommunen im Landkreis nehmen zudem am „boden:ständig”- Programm teil, bei dem es neben der Wasserrückhaltung vor allem um die Minderung der Bodenerosion geht. Der südöstliche Bereich des Landkreises wird zudem im bayerischen Projekt „Schwammregion” unterstützt, und der gesamte Landkreis will sich als „klimaresilient” aufstellen.
Bei den Projekten und Programmen erachtete es der Behördenvertreter als wichtig, auch die Landwirtschaft und die Winzer einzubinden. „Es geht nur gemeinschaftlich”, sagte Moßhammer und setzte dabei offenbar auf ein gestiegenes Problembewusstsein. Als „Positivbeispiel schlechthin” lobte Maßhammer die neue Regenrückhaltung der Markt Bibarter Firma Egger, die künftig das aufgefangene Wasser für ihre Produktion verwenden will, was große Mengen an Trinkwasser spare.
„Die Extreme machen sich immer mehr bemerkbar in den letzten Jahren”, rief Moßhammer in Erinnerung. Und: „Es ist in den Köpfen, dass man mit den Extremen auch Schäden hat hinnehmen müssen.” Dabei verwies der Wasserwirtschaftler etwa auf die 2021 durch ein Hochwasser zerstörte Altmannshäuser Nepomuk-Brücke und die vielen vollgelaufenen Keller. Parallel dazu habe man auch mit Dürre zu kämpfen. Moßhammer warnte: „Es wird beides häufiger auf uns zukommen.”
Vor Moßhammers abendlichen Vortrag gab es eine rund zweistündige Führung durch die Flur. Rudi Kolerus, Begründer des Talauenprojekts im südlichen Steigerwald, zeigte an verschiedenen Stellen, was – teils schon vor Jahren, teils aktuell – an den Wasserläufen unternommen wurde, um sie ökologisch aufzuwerten.