Lorenz Billner trat vor 75 Jahren in den Imkerverein Neustadt/Aisch 1881 ein. Ein Volk hat der rüstige Senior heute noch, um den Jahresverlauf zu beobachten.
Als der gelernte Schreiner Lorenz Billner 16 Jahre alt war, hatte er vom Imker Konrad Gegner zwei Bienenkästen zur Reparatur bekommen. Der Geruch von Bienenwachs gefiel dem jungen Mann und sein Interesse an der Imkerei war geweckt, was dem Bienenkastenbesitzer nicht verborgen blieb. Prompt bekam er einen Ableger geschenkt.
Das ist schon eine Weile her – genauer gesagt: im Juni 1949. Ende Januar 2025 wird Lorenz Billner für seine 75-jährige Mitgliedschaft beim Neustädter Imkerverein geehrt. Warum? „Damals war es so, dass man automatisch zu einem Imkerverein musste“, so der rüstige Senior.
Bei einem einzigen Bienenvolk sollte es nicht bleiben. Bis vor wenigen Jahren hatte Lorenz Billner noch 25. Und ein Volk besteht aus 50.000 bis 60.000 Bienen. Ist er oft gestochen worden? „Na, freilich“, sagt er.
Trotzdem ist das Imkern mit Handschuhen und Schutzanzug nichts für ihn. Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe fordern die Bienen vom Imker ein. Eventuelle Nervosität überträgt sich, so der mittlerweile 91-Jährige.
Stundenlang kann Lorenz Billner von den Bienen erzählen. „Wenn ein Volk stark ist, muss es einen zweiten Raum bekommen – den Honigraum“, erzählt er. Seinen ganzen Jahresrhythmus bestimmen seine geflügelten Lieblinge. Nach dem ersten „Reinigungsflug“ im Frühjahr „muss ein gesundes Volk den Blütenstaub, sprich Pollen, bringen“, betont er.
Während des Jahres gibt es zuerst die Frühjahrstracht – den Honig von Obstbaumblüten und Raps, dann ist im Sommer mehr von den Wiesen dabei und im Herbst gibt es den Waldhonig – von einer Laus erzeugt.
Hauptsache, ich sehe, dass ein Volk nach der Winterruhe stark wird.
In jungen Jahren hatte er ein besonderes Erlebnis, als einige Busse zur Landesimkeranstalt – damals Erlangen – fuhren. Lorenz Billner hatte noch kein eigenes Fahrzeug. Damals habe er wichtige Tipps erhalten, unter anderem den, die Bienenstöcke in der Nähe von Föhren (die Baumart „gemeine Kiefer“) aufzustellen, weil diese „honigt“.
Gesagt, getan, Lorenz Billner konnte prompt einen Zentner (500 Kilogramm) Honig von drei bis vier Völkern schleudern.
Gar keinen Bezug hat er zum Institut für Bienenkunde und Imkerei an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, das Forschungseinrichtung und Kompetenzzentrum zugleich ist. „Das mag ich nicht. Weinbau und Honig passen nicht so zusammen“, findet er. Immerhin – einmal war er dort. Unbeeindruckt.
Bis 1962 hat er noch in Obersachsen, Gemeinde Diespeck, gewohnt. Dann hatte die Familie in Neustadt gebaut. Am Rande des Neustädter Stadtparks lebt Lorenz Billner heute noch.
Aus Altersgründen hat der 91-Jährige seinen Bestand nun wieder auf ein Volk reduziert. Ihren Jahresverlauf zu beobachten, das lässt er sich nicht nehmen. „Hauptsache, ich sehe, dass das Volk nach der Winterruhe stark wird“, sagt er. Das Imkern gehört für ihn zum Leben wie das Beobachten der Vögel. Seine Fischweiher gibt er auch langsam in andere Hände.
Anders als bei den Karpfen lasse sich bei den Bienen so manche Arbeit nicht aufschieben. Der erfahrene Imker weiß einfach ganz genau, wann die Bienen was brauchen. Ein starkes Bienenvolk großzuziehen, das hat bei ihm Priorität und ein solch starkes Volk erkenne man daran, dass es Jungbienen hervorbringe und sich dann teile.
Klimakapriolen scheinen den Senior nicht zu verunsichern. Dann müsse man den Insekten halt eine Trinkmöglichkeit bieten, beziehungsweise seine Kästen in der Nähe von Wasser aufstellen. Die Nähe von Wald bevorzugt er – weniger die Nähe zur intensiven Landwirtschaft, „wegen der Spritzerei“. Und die Bienen, wenn sie erst einmal „eingeflogen“ sind, finden immer wieder zu ihren Kästen, wenn deren Standort auch wechselt. „Es war immer eine gute Zeit“, sagt er. Wie ein anderer Sport ausübt, betreibt Lorenz Billner eben die Imkerei.
Am 24. Januar steht beim Imkerverein Neustadt/Aisch 1881 seine Ehrung an. Ruhig blickt er dem Ereignis entgegen. Er dürfte der älteste Imker im Landkreis sein – Kreisimkerchef Dietmar Lisson kennt keinen, der ihn übertrumpft.