Seit Jahren schon treibt sie im Landkreis ihr Unwesen und ist – zum Glück – nicht totzukriegen: die „BlechMafia“. Diesmal hatte die Sechs-Personen-Gang die Emskirchener Sankt-Kilian-Kirche für einen Auftritt ergaunert.
Musikensembles müssen ihre Nische finden. Etwas, das sie besonders macht. Und das möglichst auch zu ihnen passt. Eine Mafia sei ein „krimineller Geheimbund“ sagt das Lexikon. Doch manchmal ist die Sprachwissenschaft auch zu etwas gut, und die weiß, dass das Wort in Italien ursprünglich für einen schönen, stolzen Menschen stand.
Wie auch immer – Matthias Eckart und Regina Scherer (Trompete), Charly Hopp (Horn), Stephen Jenkins (Posaune), Susumu Kakizoe (Tuba) und Wolfgang Schniske (Schlagzeug) treten jedenfalls wie die Gauner aus den amerikanischen Komödien der 1950er auf, schwarz-weiß, mal mit Hut, mal ohne. Und sie machen Faxen, suchen zu unterhalten und aufzulockern. Das Programm wird nicht gedruckt verteilt, sondern moderiert – das fokussiert nicht nur die Aufmerksamkeit des Publikums, sondern steigert die gute Laune ein weiteres Mal. Denn die Hauptsache ist natürlich die Musik.
Im ersten Teil zeigen die sechs, dass sie ernsthafte Musiker sind, wenngleich die Späße von Beginn an präsent sind. Sie beginnen in der Renaissance mit einem Werk Heinrich VIII., das der berüchtigte, aber gebildete englische König für seine erste Gemahlin Katharina von Aragon komponiert hatte. John Dowlands „Come again“, Synonym für die schmelzendste Lautenmusik überhaupt, behielt bei den Blechbläsern seinen melancholisch-verträumten Klang.
Interessant wird es mit einer Fuge aus „Das musikalische Opfer“ von Johann Sebastian Bach zusammen mit einer humorvollen Schilderung aus Bachs Leben. Wenn Noten, die schon auf dem Klavier eine gewisse Fingerfertigkeit erfordern, auf einem eher gemächlichen Instrument wie der Tuba gespielt werden und die höher gestimmten Goldröhren das Motiv aufnehmen und variieren, müssen die Spieler schon gut sein. Sie spielen aber nicht nur die Noten, sondern interpretieren sie, geben ein bisschen BlechMafia-Sound hinzu, so dass das Barockwerklein einen Hauch Moderne bekommt.
Wirklich moderner wird es nach der Pause, zeitgenössisch im alten Stil, New Orleans und seine verrauchten Kneipen lassen nun grüßen und man glaubt fast die Tänzer zu sehen. Groove ist alles. Die Titel sind phantasievoll: Fish and Chips, Bratwurst-Blues, Funk to go, drei Sätze aus der Take-away-Suite von Posaunist Stephen Jenkins – da läuft nicht nur dem Franken zusätzlich zum Hörgenuss auch noch das Wasser im Munde zusammen.
Matthias Eckart und Stephen Jenkins komponieren und arrangieren selbst und schreiben sich die Noten auf Leib und ins Instrument, eine Mischung aus Ernsthaftigkeit mit Groove, die immer den seriösen Musiker dahinter durchschimmern lassen. Aber man weiß ja, dass die Mafia eine ernste Sache ist. Dröhnender Applaus in der vollbesetzten Kirche belohnt das Sextett.