Ein paar Sätze nur und Peter Feuchtwanger ist wieder präsent im Feuchtwanger Sängermuseum. Seine Zugewandtheit, sein Humor, seine Weisheit, seine Philosophie des Klavierspiels – im Saal ist all das an diesem Mittwochvormittag zu spüren, fast wie zu seinen Lebzeiten.
Vor zehn Jahren ist der legendäre, von vielen verehrte Künstler – Pianist, Komponist, Pädagoge und Lebenslehrer in einem – verstorben. Und noch immer versammeln sich Schülerinnen und Schüler nach Ostern, um sich seine Kunst des Klavierspiels zu vergegenwärtigen. Wer erlebt hat, wie Peter Feuchtwanger im Sängermuseum unterrichtet hat – ruhig, gelassen, freundlich und ermunternd –, wird viel Vertrautes wiederentdecken. Neues aber auch. Wer ihn nicht kennenlernen konnte, wird eine starke Ahnung mit nach Hause nehmen von dem, was Feuchtwangers Klaviermeisterkursen ausgemacht hat, und einige Anregungen noch dazu.
Vielleicht das Schönste an diesem Vormittag ist, beobachten zu können, wie Einsichten und Wissen vermittelt werden: nicht dogmatisch im Monolog, sondern offen für den Dialog. Als zum Beispiel Paul Cibis über Feuchtwangers Erfahrungen, Erkenntnisse und Empfehlungen spricht, wie denn effektiv zu üben sei, ist dies kein Ex-cathedra-Vortrag eines Meisterschülers. Andere im Saal fragen nach, ergänzen mit eigenen Erfahrungen und Unterrichtserlebnissen bei Peter Feuchtwanger. So rundet sich das Bild.
Wenn Paul Cibis sich dann an den Flügel setzt, still lächelt, sich konzentriert und in fließenden Bewegungen eine Passage einer Chopin-Etüde spielt, erinnert sogar visuell manches an den großen Lehrer: nicht als Imitation, sondern als Haltung, als verinnerlichte Einsicht.
Zu Peter Feuchtwangers Gaben gehörte es auch, die antrainierte Angst vor Fehlern, vor falschen Tönen zu nehmen, zumindest zu verkleinern, seine Schülerinnen und Schüler zu einer spielerischen Freiheit zu ermutigen. Gleichzeitig lehrte er sie einen natürlichen Bewegungsablauf der Schultern, Arme, Hände und Finger beim Spiel. Paul Cibis spricht davon und auch von den Bezügen zu fernöstlicher Philosophie.
Meike Van Haute führt beide Themen im Anschluss in ihrem Vortrag über „Bewusstsein und Vorstellungskraft” weiter und bringt Marie Jaëll (1846 bis 1945), die hierzulande kaum bekannt ist, in Erinnerung. Die Vorstellungen der elsässischen Pianistin, Komponistin und Pädagogin über die Kunst des Klavierspiels scheinen viel mit denen von Peter Feuchtwanger gemein zu haben. Eigenartig auch, wie sich Peter Feuchtwangers Klavierphilosophie in der Kunst seines Lebensgefährten widerspiegelt, in der des Malers und Zeichners Michael Garady. Er verstarb 2025 im Alter von 91 Jahren. In einem Filmausschnitt, den Agnes Joshi-Meili in ihren Vortrag über Garady einblenden lässt, spricht er zum Publikum über Clara Haskil. Die Klavierkunst der großartigen Pianistin war ein Bezugspunkt für Peter Feuchtwanger.
Auf eine Freiheit anderer Art lenkt Anne Roth das Symposium. Sie setzt sich mit der barocken Praxis auseinander, wiederkehrende Teile einer Komposition zu variieren. Anne Roth demonstriert dies bei Suiten-Sätzen von Johann Sebastian Bach einfallsreich und mitreißend – und stellt zugleich ihre Ergebnisse zur Diskussion: keine Dogmen, sondern ein fördernder Austausch. Das gilt auch hier.
Am Donnerstag, 9. April, findet das traditionelle Abschlusskonzert des Feuchtwanger Klaviersymposiums in der Stadthalle Kasten statt. Es beginnt um 19 Uhr.