Der SK Dinkelsbühl ist am Wochenende Gastgeber eines Schach-Festivals. An die 400 Frauen und Männer spielen in der Schranne unter anderem den Deutschen Meister im Schnellschach aus. Tobias Klingler tritt für den Gastgeber an. Er ist der, der sich traut.
Herr Klingler, Sie stehen an Position fünf im Kreisligateam des SK Dinkelsbühl. Wie kommt es, dass Sie bei der Deutschen Meisterschaft mitspielen?
Als Ausrichter stehen uns zwei Startplätze zu. Einen haben wir weitergegeben an Markus Albert vom Nachbarverein SC Ansbach, ein richtig guter Spieler, der andere ging an mich – auch, weil andere, höher eingestufte Spieler nicht wollten.
Warum wollten die nicht mitspielen?
Na ja, es besteht schon die Gefahr, dass man untergeht.
32 der 33 Teilnehmer haben mehr DWZ-Punkte als Sie, viele sehr viel mehr. Es wimmelt von Großmeistern, Internationalen Meistern und FIDE-Meistern im Feld. Insgesamt geht es um 8000 Euro Preisgeld. Sie als Kreisligaspieler sind da ein echter Exot.
Ich bin grundsätzlich schon ein Angriffsspieler
Das kann man so sagen. Mein Ziel ist, den einen oder anderen Punkt zu holen, gewinnen werde ich das Turnier eher nicht, aus einem zusätzlichen Weihnachtsgeld wird deshalb wohl auch nichts werden.
Dabei haben Sie ja bei Turnieren immer mal wieder gegen höher eingestufte Spieler gewonnen. 2015 brachten Sie bei den Bayerischen Blitz-Einzelmeisterschaften der U20 der ungeschlagenen Vize-Europameisterin Imnadze Nato, einer Internationalen Meisterin (IM), eine Niederlage bei, indem sie einen Fünf-Bauern-Angriff am Königsflügel inszenierten. Ihr Paradezug?
Ich bin grundsätzlich schon ein Angriffsspieler und beim Blitzschach kann man so was mal machen, das war Angriff brutal, da habe ich sie überrumpelt. Bei normaler Bedenkzeit hätte sie die Stellung wahrscheinlich noch ausgleichen können. Es ist ein bisschen wie bei Pokalspielen im Fußball. Der Außenseiter kann immer mal ein Spiel gewinnen, aber halt nicht konstant. Wenn ich bei der DM jetzt wieder einen IM schlagen sollte, kommt ja gleich der nächste.
Ist die verkürzte Bedenkzeit im Blitz- und Schnellschach ein Vorteil für den schwächeren Spieler oder ein Nachteil?
Für mich spielt die Zeit nicht so die entscheidende Rolle. Aus meiner Sicht gibt es wenige entscheidende Phasen, auf die jede Partie zuläuft. Für die muss man sich dann Zeit nehmen. Wenn die dann schon knapp ist im Vergleich mit dem Gegner, übt die Uhr aber schon Druck aus.
Ich werde noch im Internet trainieren
Daniel Fridmann vom SV Mühlheim-Nord ist an Nummer eins gesetzt. Welche Eröffnung bevorzugt er?
Keine Ahnung.
Ich dachte, beim Schach bereitet man sich genau vor und analysiert die letzten Partien der möglichen Gegner genau.
Profispieler mit ihrem Stab an Mitarbeitern tun so was, ich nicht. Ich werde wohl noch ein bisschen im Internet trainieren und ein paar Varianten anschauen, dafür habe ich mir einen Tag frei genommen.
Und werden Sie einen Plan ausarbeiten?
Nein. Ich spiele nicht nach System sondern versuche, flexibel zu reagieren. Das ist meine Stärke, aber vielleicht auch meine Schwäche. Das wird sich zeigen.
Beim Schach geht es ohne Schiedsrichter
Sie sind auch als Fußball-Schiedsrichter aktiv. Als Ausgleich zum Sitzsport Schach?
Nein, denn als Schiedsrichter stehe ich ja auch nur rum – kleiner Scherz. Ich habe mit sechs das Schachspielen angefangen und nebenbei Fußball in der Dinkelsbühler JFG gespielt. Weil ich mich über Schiedsrichterentscheidungen geärgert habe, bin ich dann selbst einer geworden. Wenn man meine beiden Steckenpferde vergleicht fällt auf, dass es beim Fußball ja nie ohne Schiedsrichter geht und beim Schach eigentlich immer ohne. Ich kann mich auch bei großen Turnieren nicht daran erinnern, dass da jemals ein Schiedsrichter eingreifen musste. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Schach bis zur zweiten Liga eine brotlose Kunst ist, während es beim Fußball ja schon in den Amateurligen um richtig viel Geld gehen kann.
Tobias Klingler (26) aus Dinkelsbühl, ist von Beruf Ingenieur, Schachspieler beim SK Dinkelsbühl und Fußballschiedsrichter (GSV Waldtann). Mit den Dinkelsbühlern hat er mehrfach die Schach-Kreisliga gewonnen, auf einen Aufstieg in die Bezirksliga wurde jedoch verzichtet, da die Breite im Kader fehlt. Schach wird von vielen Jungen intensiv auf Internetplattformen gespielt. „Vielleicht gelingt es ja, den Boom aus dem Internet in die Vereine zu holen“, hofft Klingler.