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Veröffentlicht am 29.08.2022 00:00

Ein Papstkelch kam einst zu Ansbachs Katholiken

Der Kelch „ist ein sehr wertvolles Stück, das wir nach wie vor an den Hochfesten verwenden“, sagt Domkapitular Dr. Norbert Jung. (Foto: Oliver Herbst)
Der Kelch „ist ein sehr wertvolles Stück, das wir nach wie vor an den Hochfesten verwenden“, sagt Domkapitular Dr. Norbert Jung. (Foto: Oliver Herbst)
Der Kelch „ist ein sehr wertvolles Stück, das wir nach wie vor an den Hochfesten verwenden“, sagt Domkapitular Dr. Norbert Jung. (Foto: Oliver Herbst)

Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach nehmen in der Bayerischen Landesausstellung 2022 viel Raum ein. Sie nennt sich ja auch „Typisch Franken?“ und läuft in Ansbach. Eine besondere Rolle spielt ein Messkelch mit einer spannenden Geschichte. Die katholische Kirchenstiftung St. Ludwig stellte ihn bereit.

Es geht um den Ansbacher Papstkelch. 1776 ließ Papst Pius VI. den prachtvoll verzierten, vergoldeten silbernen Messkelch für die Ansbacher Katholiken anfertigen. So stellt es der Erlanger Historiker Professor Dr. Georg Seiderer im Ausstellungskatalog dar.

Markgraf Georg der Fromme führte im Fürstentum schon 1528 die Reformation ein. In dem evangelisch geprägten Gebiet hatten es Menschen katholischen Glaubens lange schwer. Professor Seiderer schreibt im Katalog mit Blick auf Ansbach: „Ein privater Gottesdienst war den etwa 500 Katholiken der Residenzstadt von Markgraf Alexander erst am 12. Juni 1775 auf Widerruf gestattet worden.“

Ihr Bethaus wurde die heutige Karlshalle. Der Kelch nun „hängt eng mit der Gründungsgeschichte unserer Gemeinde zusammen“, stellt Domkapitular Dr. Norbert Jung fest. Der Geistliche ist Pfarradministrator in St. Ludwig und leitender Pfarrer im katholischen Seelsorgebereich Ansbach Stadt und Land.

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Pius VI. unterstützte die Gemeinden

Der fast zweieinhalb Jahrhunderte alte Papstkelch „ist ein sehr wertvolles Stück, das wir nach wie vor an den Hochfesten verwenden“, zum Beispiel zu Weihnachten, macht der Domkapitular deutlich. Pius VI. habe mitbekommen, dass in Ansbach und Bayreuth eine katholische Gemeinde entstanden sei. „Das hat der Papst eben unterstützt.“

Dass der Markgraf dieses Privileg gegen seine Behörden durchsetzte, „dürfte wohl auch dem Einfluss der französischen Schauspielerin Hippolyte Clairon zuzuschreiben sein“, führt Professor Seiderer im Ausstellungskatalog aus.

1770 lernten sich Claire Hippolyte Clairon und Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth in Paris kennen. Es entwickelte sich eine große Liebe. Die französische Schauspielerin wurde zur Geliebten des Markgrafen.

„Nicht mehr so stockevangelisch“

„Es war jedenfalls nicht selbstverständlich, dass der Markgraf die katholische Kultausübung – zwar im Privaten, aber immerhin – erlaubt hat“, stellt Dr. Jung fest. Man könne sagen, er sei tolerant gewesen, aber man könne gleichermaßen sagen: „Er war nicht mehr so stockevangelisch wie der eine oder andere Vorgänger“, merkt der Kirchenhistoriker augenzwinkernd an.

Die Landesausstellung gefällt Dr. Jung – „weil sie sich wie alle Landesausstellungen an die breite Bevölkerung richtet“. Sie liefere „Appetithäppchen“ oder kleine Aufhänger zu dem breiten Ausstellungsthema „Typisch Franken?“. Je nach Prägung und Herkunft halte jeder etwas anderes für typisch.

Das Verhältnis der großen Konfessionen in Ansbach heute findet er sehr gut. „Das geht schon einmal damit los, dass ich nach wie vor in einer evangelischen Dienstwohnung wohne“ – mit der traditionsreichen Adresse Gumbertusplatz 1.

Die Bayerische Landesausstellung in Ansbach ist bis zum 6. November täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Die Spielorte sind die Orangerie und die Kirche St. Gumbertus.

Dieser Artikel wurde in einer eigenen Version erstmals am 29. August 2022 in der Druckausgabe der Fränkischen Landeszeitung veröffentlicht.

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