Feuchtwangens Bürgermeister kritisiert Abholz-Aktion entlang alter Bahnstrecke | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.03.2026 09:00

Feuchtwangens Bürgermeister kritisiert Abholz-Aktion entlang alter Bahnstrecke

Am Kaltenbronner Weg, entlang der ehemaligen Bahnstrecke, wurden sämtliche Bäume und Hecken gerodet. Für Anrainer Bernd Heiß ist das nicht weniger als ein Frevel an der Natur. (Foto: Florian Pöhlmann)
Am Kaltenbronner Weg, entlang der ehemaligen Bahnstrecke, wurden sämtliche Bäume und Hecken gerodet. Für Anrainer Bernd Heiß ist das nicht weniger als ein Frevel an der Natur. (Foto: Florian Pöhlmann)
Am Kaltenbronner Weg, entlang der ehemaligen Bahnstrecke, wurden sämtliche Bäume und Hecken gerodet. Für Anrainer Bernd Heiß ist das nicht weniger als ein Frevel an der Natur. (Foto: Florian Pöhlmann)

Die Bahnstrecke ist seit Jahren stillgelegt, dennoch wurde das Areal am Kaltenbronner Weg radikal ausgeholzt. Diese Maßnahme stößt auf deutliche Kritik in der Bevölkerung, auch Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh moniert einen unnötigen „Kahlschlag”.

Bernd Heiß radelt seit mehr als 20 Jahren jeden Werktag von Schopfloch zu seinem an der Dinkelsbühler Straße in Feuchtwangen gelegenen Geschäft. Die letzten paar hundert Meter der Strecke führen ihn vorbei an den alten Schienen der einstmals hier verkehrenden Bahn entlang des Kaltenbronner Weges. Was er dort aber seit ein paar Wochen sieht, entsetzt ihn jedes Mal aufs Neue.

Fläche gehört nicht der Stadt

Entlang der ehemaligen Bahntrasse der Strecke zwischen Dombühl und Nördlingen wurde die Vegetation hier nahezu komplett abgeholzt. Büsche sind auf Stock gekürzt, Dutzende Stümpfe von an sich vitalen Eschen und Fichten zeugen davon, dass hier vor nichts Halt gemacht wurde. Der Weg, den nur Radler und landwirtschaftliche Fahrzeuge benutzen dürfen, wirkt wie einmal frisch rasiert. „Umweltzerstörer”, echauffiert sich Bernd Heiß und beklagt „eine Mondlandschaft, in der man keinen Vogel sieht oder singen hört”.

Bürgermeister Patrick Ruh mag da gar nicht groß widersprechen, selbst wenn die Stadt die ganze Aktion mit einer Anfrage bei der Deutschen Bahn erst ins Rollen gebracht hat. Denn auch wenn die Bahntrasse seit Jahren nicht mehr befahren wird, befindet sich die dazugehörige Fläche weiter im Besitz der Bahn. Weil dort einige Bäume abgestorben waren, wie Ruh auf Nachfrage der FLZ erklärt, hatte die Stadt im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht bei der Bahn angeklopft.

Dabei hatte die Stadt die abgestorbenen Bäume im Blick, wie Ruh betont und in dem Zusammenhang von einer an sich „geringfügigen Problematik” spricht. Die Befahrbarkeit des Weges sollte eben gewährleistet sein, lässt der Bürgermeister durchblicken.

Auch Ruh war überrascht, als er die Auswirkungen des Vegetationsmanagements der Deutschen Bahn in Augenschein nahm. „Dieser Kahlschlag geht deutlich über die Verkehrssicherungspflicht hinaus. Es hätte doch genügt, die toten Bäume zu entfernen”, beklagt auch der Bürgermeister und schlussfolgert: „Eine ganze Reihe von Bäumen hätte stehenbleiben können.”

Der Verwaltung sind die Hände gebunden

„Sollte da irgendwann einmal wieder die Bahn fahren – das hätte doch keinen Zug gestört”, mutmaßt Bernd Heiß und spielt auf eine im Raum stehende Aktivierung der Bahnverbindung an. Die wird politisch von allen Beteiligten befürwortet, die Umsetzung ist derzeit freilich offen. Dennoch wurden mit dem „Kahlschlag” zumindest auf dem Teilstück bereits Fakten geschaffen, moniert Heiß und fordert: „Anscheinend ist der Bahn die Umwelt und Natur vollkommen egal. Hier wurde ohne Rücksicht auf Verluste alles niedergemacht. Da gehört sich eine große Strafe.”

Juristisch anfechtbar ist das Vorgehen der Bahn allerdings nicht. Auf Anfrage der FLZ begründete die DB InfraGO die erfolgte Maßnahme mit der Notwendigkeit der Verkehrssicherung. „Grundsätzlich ist die Deutsche Bahn gesetzlich dazu verpflichtet, die Eisenbahninfrastruktur in einem betriebssicheren Zustand zu halten und gegebenenfalls auch auf angrenzenden Straßen und Wegen die Verkehrssicherheit zu gewährleisten”, erklärt eine Sprecherin der Bahn: „Dazu gehört auch die Vegetationskontrolle.”

„Im Einklang mit allen Vorgaben”

Die Arbeiten hätten demnach auf Basis geltender Regelwerke, Vorgaben und Richtlinien stattgefunden. Deren Einhaltung würde vom Eisenbahnbundesamt kontrolliert und überwacht. Im aktuellen Fall sei es um die Sicherstellung des vorgeschriebenen Lichtraumprofils sowie um das Freihalten von funktionalen Entwässerungsgräben gegangen.

Zudem sei die Abholz-Aktion notwendig gewesen, um das Umstürzen morscher Bäume zu verhindern. Weiter erklärt die Sprecherin: „Der Umfang der Arbeiten wurde vor Ort mit einem Vertreter der Stadt Feuchtwangen abgestimmt. Die Arbeiten wurden im Einklang mit allen naturschutzrechtlichen Vorgaben durchgeführt.”


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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