Pattsituation bei den Stimmen: Die Liste der CSU hat 6149 Stimmen bekommen, die der SPD/UW 5908. Jede Fraktion bekommt damit sechs Sitze. Bürgermeister Stefan Bußinger trat für die SPD/UW an und wurde im Chefsessel bestätigt – auch er hat Stimmrecht. Das Verhältnis ist jetzt also gekippt in der eigentlichen CSU-Hochburg Mitteleschenbach.
Bisher hatten die Christsozialen mit sieben Stimmen mehr Gewicht als die SPD/UW-Fraktion. Diese hatten in den vergangenen sechs Jahren fünf Gemeinderäte plus die Stimme des Bürgermeisters. Ab Mai übertrumpft die SPD/UW-Fraktion die CSU.
Daniela Wittmann (CSU) bedauert, dass ihre Partei nur noch sechs Sitze ergattern konnte. Woran es lag, ist schwer zu sagen, meint sie. Fest steht für sie allerdings, dass es eine Persönlichkeitswahl war und wohl weniger von den Parteien abhing.
Enttäuschend sei, dass zwei bisherige Ratsmitglieder, Beate Engelhardt und Maximilian Lederer, nur auf den Nachrücker-Plätzen gelandet sind. Es sei allgemein zu beobachten, dass genau die Menschen, die sich im Ort stark engagieren, „abgestraft“ wurden. „Darüber muss man nachdenken”, so Wittmann.
„Das ist schon verwunderlich”, sagt auch Stefan Bußinger mit Blick auf das Ergebnis von Engelhardt und Lederer. Für ihn steht aber ebenfalls fest, dass die meisten Wählenden wohl ihre Kreuze auf beide Listen verteilt haben dürften. Nicht nach Parteien, sondern nach Personen entschieden also.
Trotzdem habe er „nicht unbedingt damit gerechnet”, dass die SPD/UW-Fraktion eine Mehrheit bekomme. „Wir haben es natürlich gehofft”, gibt er zu. Bußinger vermutet, dass mehrere Dinge zu dem Ergebnis geführt haben. Einerseits glaubt er, dass die hitzige Debatte um den Bürgermeisterjob im Haupt- oder Ehrenamt vom vergangenen Herbst noch mitschwingt. Die SPD/UW teilten die Meinung vieler Bürgerinnen und Bürger, dass es ein Ehrenamt bleiben sollte. Die CSU, die den Hauptamt-Vorstoß brachte, ruderte letztlich auch zurück.
Außerdem schätzt Bußinger, dass die Unabhängigen Wähler, die einen Großteil der gemeinsamen Liste ausmachen, wohl viele Leute anziehen. Auf das „Parteigedöns” hätten wohl viele keine Lust mehr.
Mitteleschenbach galt bisher immer als starke CSU-Kommune. Doch auch bei der Landratswahl stellten sich 42,5 Prozent der Mitteleschenbacher Bürgerinnen und Bürger dieses Mal hinter den Freien-Wähler-Kandidaten Marco Meier aus Ornbau. „Das ist ein gewaltiger Ruck”, ordnet Bußinger ein. Vielleicht findet hier also gerade ein Umschwung statt.
Der Wahlkampf wird „eine Furche“ hinterlassen, steht für Daniela Wittmann fest. Der ein oder andere im Dorf hätte wohl vergessen, dass es nach dem 8. März weitergeht. Die Fronten waren verhärtet, besonders in den Wochen vor der Wahl habe sich die Stimmung verändert. Wittmann hofft trotzdem, dass man sich nun wieder zusammenraufe im Ort. „Wenn es um die Sache geht, halten eigentlich alle zusammen.”
Bußinger schließt sich dem an. Der neue Gemeinderat sollte als positives Beispiel für den Ort vorangehen und Mitteleschenbach gemeinsam nach vorn bringen. In den ersten Wochen mit dem neuen Rat könnte es noch ein wenig Anspannung geben, meint der Rathauschef. Aber: „Ich hoffe und ich denke, dass sich das einpendelt.”
Ein Blick auf die Sitzungen in den vergangenen Jahren zeigt: Besonders häufig dürfte es bei den Entscheidungen wahrscheinlich nicht auf die Stimmenmehrheit ankommen. Nach der Debatte stimmt der Mitteleschenbacher Rat häufig geschlossen ab – manchmal gegen einzelne Stimmen.