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Veröffentlicht am 21.05.2024 08:32

Herber Schlag: Schillingsfürst verliert seinen katholischen Pfarrer

Die Erläuterungen von Domkapitular Dr. Norbert Jung (Vierter von links) sorgten im Pfarrgemeinderat für Enttäuschung. Wirksam werden sollen sie 2027, wenn Pfarrer Hans-Peter Kunert (rechts neben Jung) in Ruhestand geht. (Foto: Margit Schwandt)
Die Erläuterungen von Domkapitular Dr. Norbert Jung (Vierter von links) sorgten im Pfarrgemeinderat für Enttäuschung. Wirksam werden sollen sie 2027, wenn Pfarrer Hans-Peter Kunert (rechts neben Jung) in Ruhestand geht. (Foto: Margit Schwandt)
Die Erläuterungen von Domkapitular Dr. Norbert Jung (Vierter von links) sorgten im Pfarrgemeinderat für Enttäuschung. Wirksam werden sollen sie 2027, wenn Pfarrer Hans-Peter Kunert (rechts neben Jung) in Ruhestand geht. (Foto: Margit Schwandt)

Im katholischen Seelsorgebereich Ansbach Stadt und Land wird es spätestens 2027 tiefgreifende Veränderungen geben. Details erläuterte Domkapitular Dr. Norbert Jung in seiner Funktion als Leitender Pfarrer in der jüngsten Pfarrgemeinderatssitzung in Schillingsfürst. Betroffen ist vor allem der dortige Pfarrsitz.

Für den Seelsorgebereich, dem alle der Erzdiözese Bamberg zugeordneten katholischen Gemeinden im Landkreis Ansbach und damit auch Schillingsfürst angehören, sind derzeit vier katholische Pfarrer tätig, dazu zwei Ruhestandspriester und ein Kaplan. Zudem sind zwei Stellen von pastoralen Mitarbeitern besetzt.

Beide Personalbereiche seien von den Einsparungsvorgaben der Erzdiözese betroffen, so Dr. Jung. Für den Seelsorgebereich Ansbach Stadt und Land bedeute dies, dass es dort künftig nur noch drei Pfarrstellen geben solle. Die Kürzung auf Ansbach, Rothenburg und Schillingsfürst gleichmäßig zu verteilen, sei in der Praxis aber nicht umsetzbar.

Ein Drittel der Aufgaben im Westen

Auf den Westflügel des Seelsorgebereichs mit Rothenburg und Schillingsfürst entfalle etwa ein Drittel der Aufgaben, während an den Großraum Ansbach mit Sondernohe und Virnsberg etwa zwei Drittel gebunden seien. Man habe im Seelsorgebereichsrat darüber abgestimmt und sich mehrheitlich darauf verständigt, dass zwei Pfarrstellen in Ansbach und eine in Rothenburg sein sollten.

In Schillingsfürst könne, wenn Pfarrer Hans-Peter Kunert 2027 planmäßig in den Ruhestand gehe, hingegen danach kein Priester mehr „stationiert“ sein, so Jung. Der dortige Pfarrgemeinderat habe gegen diese Festlegung gestimmt.

Wer künftig für Schillingsfürst zuständig ist

Das sei verständlich, aber leider nicht zu ändern. Geregelt werde die geistliche Betreuung ab 2027 für den Westbereich so, dass Pastoralreferentin Carmen Chivu Ansprechpartnerin in Schillingsfürst sein solle, während Pfarrer Harald Sassik, der bisher für Rothenburg und Gebsattel zuständig ist, als Seelsorger wirke.

Sassik habe „mehr Luft“ als die Kollegen in Ansbach, so Jung. Zudem sei ein Verwaltungsleiter eingesetzt worden, der den Priestern die organisatorischen und verwaltungstechnischen Aufgaben abnehme, sodass sich die Priester voll der Seelsorge widmen könnten. Allerdings würden nicht mehr so viele Messfeiern wie bisher möglich sein. Es werde verstärkt Wort-Gottes-Feiern geben, die auch von entsprechend geschulten Ehrenamtlichen übernommen werden könnten.

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende, Maja Löschel, meinte, die Gemeinde wolle dies nicht so ohne Weiteres hinnehmen. Auch die Laien würden irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Der leitende Pfarrer Dr. Jung versprach, dass es in Schillingsfürst am Sonntag immer eine Heilige Messe geben werde, das halte er für gesetzt.

Ein Sterben der Gemeinde möglich

Pfarrgemeinderätin Teresa Abelein forderte, dass der zuständige Pfarrer an zwei Tagen in Schillingsfürst vor Ort präsent sein müsse, damit ein Ansprechpartner da sei. Und: In Schillingsfürst, Leutershausen und Dombühl gebe es bereits etliche Wort-Gottes-Feiern. Für sie klinge die Neustrukturierung so, dass das Land das geringere Angebot wohl besser verschmerzen könne als die Stadt Ansbach, in der sich offensichtlich nichts Wesentliches ändere.

Wortgottesdienst-Leiter Josef Geppert aus Dombühl ergänzte, wenn der „Christianisationspunkt“ wegfalle, könne das zum Sterben der Gemeinde führen. Er sieht zudem im Wegfall der Eucharistiefeiern ein großes Problem. Dr. Jung versprach, zumindest werktags Heilige Messen auch in den kleinen Gemeinden anzubieten, der „Flaschenhals“ sei stets der Sonntag. Der jüngste der Pfarrgemeinderäte, Philipp Herud, betonte, die Kirche leiste einen wesentlichen Beitrag zur Gesellschaft, zu Begegnung, zum Austausch, man dürfe nicht wie in einem Unternehmen alles in Zahlen sehen. Rein rechnerisch, so Jung, sei es einfacher, in Rothenburg eine Sonntagsmesse zu streichen, als in Ansbach mit seiner großen Zahl an Katholiken. Er verwies darauf, dass in den Gemeinden zunehmend Mesner und Organisten fehlten.

„Vorzeigekirche“ mit vielen Ehrenamtlichen

Hier konterte die Pfarrgemeinderatsvorsitzende, dass es allein in Schillingsfürst vier Mesner und viele weitere Ehrenamtliche gebe. Die Gemeinde sei „eine Vorzeigekirche“.

Dr. Jung lobte das ehrenamtliche Engagement, vor allem auch der jungen Christen vor Ort. Sie seien äußert aktiv, die junge Struktur in Schillingsfürst sei sehr erfreulich. Bei der Entscheidung, Schillingsfürst nicht wieder zu besetzen, habe auch eine Rolle gespielt, dass im Seelsorgebereich Ansbach Stadt und Land ausschließlich „kanonische Pfarrer“ tätig seien. Diese könnten nur versetzt werden, wenn sie dieser Versetzung selbst zustimmten. Doch keiner der im Seelsorgebereich tätigen Priester möchte seine Gemeinde verlassen, erklärte der Domkapitular.

Hierzu heiße es im kanonischen Recht: „Der Pfarrer ist der eigene Hirte der ihm übertragenen Pfarrei; er nimmt die Seelsorge für die ihm anvertraute Gemeinschaft unter der Autorität des Diözesanbischofs wahr.“ Kanonische Pfarrer unterstünden also unmittelbar dem Erzbischof, nicht dem Leitenden Pfarrer.

Sie könnten deshalb auch selbst bestimmen, ob und wann sie die ihnen anvertraute Pfarrei verlassen möchten. Sollte sich ein kanonischer Pfarrer versetzen lassen wollen, würde er als Pfarrvikar eingestuft und damit beliebig versetzbar sein.


Von Margit Schwandt
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