Zwei Bienenvölker haben ein neues Zuhause. Sie leben jetzt auf dem Dach der Staatlichen Berufsschule Ansbach am Beckenweiher. Gespendet hat sie der Hobbyimker Jouan Dakouri aus Wassertrüdingen.
Insgesamt fünf Bienenstöcke standen bis vor Kurzem noch im Garten von Familie Dakouri. Seit 25 Jahren lebt das syrische Ehepaar mit zwei Kindern schon in Deutschland. Mit der Begeisterung für Bienen steckte Sohn Marc vor rund drei Jahren seine Familie an, erinnert sich Jouan Dakouri. „Er war in der Schule in der Imker AG.“
Vater und Sohn meldeten sich im Imkerverein Wassertrüdingen an und nahmen an einem Imkerkurs der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf teil. Dann geschah, womit nicht zu rechnen war: Marc Dakouri landete zweimal im Krankenhaus, nachdem Bienen ihn gestochen hatten. „Wir haben festgestellt, dass er Allergiker ist“, bedauert sein Vater.
Fest stand: Der junge Mann darf sich den Insekten auf keinen Fall mehr nähern – nicht einmal in Schutzkleidung. Jouan Dakouri und seine Frau Dima stemmten die Pflege der Bienen fortan komplett selbst. Weil sie aber beide berufstätig sind, entschieden sie sich schließlich, drei Völker abzugeben.
Eines verkaufte die Familie, die beiden anderen schenkte sie der Ansbacher Berufsschule. Den Kontakt vermittelte Julia Priebe. Sie ist die ehemalige Lehrerin von Jouan Dakouri. Vor vier Jahren hatte dieser die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel absolviert, weil er wegen einer Herzerkrankung seine frühere Arbeit aufgeben musste. Beim Herbstmarkt im Brücken-Center, wo der Hobbyimker sich mit einem Stand präsentierte, trafen sich die beiden zufällig wieder.
An der Berufsschule gibt es seit rund einem Jahr Bienen. „Wir haben versucht, das Thema für die Schüler interessanter zu machen und eine Bienen AG gegründet“, erzählt Lehrer Johannes Rummel. Betreut wird das Projekt von den Umwelt-Boys, wie sich Rummel und sein Kollege Patrick Kern nennen, sowie dem Schulimker Helmut Potsch. Er besitzt zu Hause selbst acht Völker und bringt langjährige Erfahrung mit.
Das Interesse an der Bienen AG ist riesig – über 70 Schülerinnen und Schüler aus allen Fachbereichen sind dabei. Da der Unterricht an der Berufsschule gestaffelt stattfindet, trifft sich natürlich nie die gesamte Gruppe. Die Schüler lernen, was alles zu den Aufgaben eines Imkers gehört, zum Beispiel das Zufüttern im Winter oder die Behandlungen gegen die parasitäre Varroa-Milbe. Auch wer ein wenig mehr Respekt vor den Insekten hat, kann bei der AG mitmachen. „Die Arbeiten werden gefilmt, „sodass die, die sich nicht raus trauen, die Möglichkeit haben, die Videos anzuschauen“, berichtet Rummel. Auch eine Soundübertragung per Mikrofon nach innen ist möglich, wenn jemand lieber hinter der sicheren Glasscheibe bleibt.
Vergangenes Jahr schleuderten die Nachwuchs-Imker ihren ersten Honig – von dem Ertrag bekam jeder ein Glas mit nach Hause. Auch Schulleiter Jürgen Schmitt durfte probieren. Er stellt dem Produkt ein gutes Zeugnis aus: „Sehr lecker.“
Dank der Bienen AG ist die Berufsschule vor Kurzem als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet worden, freut sich Johannes Rummel. „Das macht mich sehr stolz.“ Zu seinem Leidwesen stellte das Team allerdings vor ein paar Wochen fest, dass zwei von drei Völkern verschwunden sind. „Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen“, bemerkt Imker Potsch. Möglich sei zum Beispiel, dass die Königinnen im Spätherbst im Zweikampf mit Wespen oder Hornissen unterlegen sind. „Dann stirbt peu à peu das ganze Volk, weil kein Nachwuchs mehr erschaffen wird.“ Auch eine zu hohe Belastung durch die Varroa-Milbe könnte die Bienen aus dem Stock vertrieben haben. Das Angebot von Jouan Dakouri kam daher wie gerufen.
Frieren müssen die Bienen übrigens auch im Winter nicht. Die Temperatur im Stock beträgt etwa 35 Grad, wie Helmut Potsch erklärt. Für die sommerliche Wärme sorgt das Bienenvolk selbst. Die Insekten bilden eine Traube und versuchen im Kern, die „Bruttemperatur aufrecht zu erhalten“, so Potsch. „Die machen es sich warm.“