Damit junge Leute gar nicht erst auf die schiefe Bahn geraten, setzen das Berufliche Schulzentrum Ansbach-Triesdorf (BSZ) und das Amtsgericht Ansbach auf ein Projekt zur Vorbeugung.
Aber nicht nur eine kriminelle Karriere der Jugendlichen wollen die Initiatoren des Projekts verhindern. Auch die Jugendarbeit gegen Judenfeindlichkeit und Radikalismus wird gefördert. Demokratische Grundwerte sollen anschaulich vermittelt und antisemitische sowie verfassungsfeindliche Grundhaltungen verhindert werden, erläuterten Schulleiter Dietmar Gaffron und die Pädagogin und Traumatherapeutin Claudia Geißler-Kraft.
Im Jugendhilfeausschuss des Ansbacher Kreistags stellten sie das Projekt vor. Der Landkreis trägt den Sachaufwand des BSZ Ansbach-Triesdorf. „An unserer Schule sind in diesem Schuljahr 42 Nationen vertreten”, sagte Gaffron. Im Bereich der Berufsvorbereitung werden am Standort Ansbach 14 Klassen unterrichtet. Claudia Geißler-Kraft, die auch ehrenamtliche Schöffin ist und lange in der Psychiatrie gearbeitet hat, berichtete, sie habe sich im Rahmen dieser Tätigkeiten oft gefragt, wo im Leben „die Weiche falsch gestellt worden ist”.
In den Deutschklassen an der Berufsschule, den Berufsintegrationsvorklassen und Berufsintegrationsklassen für jugendliche Migrantinnen und Migranten sollen die deutsche Sprache und die Grundlagen unserer gesellschaftlichen Ordnung vermittelt werden. Außerdem werden die Schülerinnen und Schüler bei der beruflichen Orientierung unterstützt. Diese Förderung soll dann in ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis münden. Berufsschulpflichtige Jugendliche, die aktuell keine Ausbildung absolvieren, werden in Berufsvorbereitungsjahren unterrichtet.
Wichtige Ziele der Lehrkräfte in diesen Klassen sind die Kriminalprävention, die Integration in die deutsche Gesellschaft und die Vermittlung von demokratischen Grundwerten des Rechtsstaats. Dazu gehöre die Aufklärung der Jugendlichen über Antisemitismus, eine Strömung, die in den vergangenen Monaten wieder zugenommen habe. Der Bezirk Mittelfranken fördert das Projekt im Rahmen der demokratischen Jugendarbeit gegen jede Form von Radikalismus und Fundamentalismus.
Die konkrete Arbeit setzt sich aus sieben Bausteinen zusammen. Es gibt Unterrichtsgänge zu Gerichtsverhandlungen, zur Polizeiinspektion Ansbach und zur Ansbacher Synagoge, Exkursionen zu den Kriminalmuseen in Rothenburg und Fürth und eine Lehrfahrt zum bayerischen Landtag in München.
In Rothenburg werden in Begleitung von Pfarrer Dr. Oliver Gussmann auch das jüdische Museum (Mikwe) und die St.-Jakob-Kirche besucht. Gussmann engagiert sich für das gegenseitige Verständnis von Christen und Juden. Die im Rothenburger Kriminalmuseum dargestellte Folter oder auch die Todesstrafe kämen manchen jungen Leuten aus ihren Heimatländern bekannt vor, berichteten die Lehrkräfte.
Nicht immer werden alle Bausteine allen Schülerinnen und Schülern angeboten. Außerdem legt die Schule Wert auf eine intensive Vor- und Nachbereitung. Nach Gerichtsverhandlungen habe sich gezeigt, so Geißler-Kraft, dass die Jugendlichen häufig strenger geurteilt hätten als die Richterinnen und Richter.
Das Projekt sei richtig und wichtig, meinte Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Vom Kindergarten an sollten Mädchen und Jungen gestärkt werden, damit sie selbstbestimmt mit Themen umgehen können.
Die bisherigen Erfahrungen nach eineinhalb Jahren seien positiv, meinte Claudia Geißler-Kraft. Die Jugendlichen seien motiviert. Ihnen werde ein „strenger Rahmen” gesetzt und Lernerfolge würden manchmal erst zeitversetzt sichtbar. Man sei mit Abgeordnetem Artur Auernhammer in Kontakt, um das Projekt eventuell mit einem Besuch im Bundestag zu ergänzen.
Eine Ausweitung auf andere Bereiche der beruflichen Bildung ist nach den Worten von Dietmar Gaffron in dieser umfassenden Form nicht möglich, weil die Ausbildung dort „sehr streng getaktet” sei, während die Berufsvorbereitungsklassen die entsprechenden Freiräume böten. Von Seiten der Ausschussmitglieder gab es ausschließlich positives Feedback zu dem Projekt.