Weihnachten auf einem Kreuzfahrtschiff: Der Segringer Pfarrer Dr. Markus Roth hat es erlebt. 20 Tage war er auf der MS Europa von Miami nach Lissabon unterwegs. Dabei hat er als Bordseelsorger Gespräche mit den Passagieren geführt und Gottesdienste gefeiert. Jetzt ist er wieder zurück.
Markus Roth, der im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland auf der MS Europa unterwegs war, lernte auf der Reise vor allem Menschen aus der finanziellen Oberschicht kennen. Wie er im Gespräch mit der FLZ berichtet, hätten diese aber ähnliche Probleme wie andere auch: Angst vor Krankheit, Trauer um Angehörige oder den Verlust des Partners. Einige hätten sich ihm geöffnet. Dann seien tiefer gehende Gespräche möglich gewesen.
Der Segringer Pfarrer war nicht das erste Mal als Seelsorger auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Privat würde Markus Roth eine solche Reise nicht unternehmen wollen. Was schon allein an den Kosten liegt. Bis zu 100.000 Euro hätten manche Reisenden alles in allem für den Trip bezahlt. Die MS Europa ist ein Schiff im oberen Preissegment. 211 Gäste waren an Bord, darunter 37 Alleinreisende.
Die Reederei Hapag-Lloyd legt Wert darauf, dass auf Schiffen wie der MS Europa stets ein Geistlicher an Bord ist. Für Markus Roth bedeutete dies: halb Dienst, halb Urlaub. Von seinen Aufgaben in Segringen war er für den Zeitraum der Reise befreit.
Neben dem Feiern von Gottesdiensten auf dem Schiff übernahm er auch bei einigen Ausflügen an Land die Reiseleitung. Hier konnte er immer wieder schöne Eindrücke sammeln. Doch auch bedrückende Bilder blieben ihm im Kopf. So habe er etwa auf den Kapverdischen Inseln große Armut und viele traurige Gesichter gesehen. Kinder würden aggressiv betteln. Von dem, wie sich das Leben auf den fernen Inseln tatsächlich abspielt, würden die Gäste des Kreuzfahrtschiffes wenig mitbekommen. Markus Roth bedauert dies.
An Bord führte er Gespräche mit den Reisenden. Die meisten sind über 70 Jahre alt. Manche waren zum 20. Mal auf dem Schiff. Immer wieder hörte der Pfarrer den Satz: „Damals, als mein Mann noch lebte...“
Für Markus Roth stellte sich das Kreuzfahrtschiff größtenteils als ein Ort des Atheismus dar. Manche hätten, wenn er sich als Pfarrer vorgestellt hat, gesagt: „Bei mir haben Sie kein Glück.“ Im besten Fall entwickelt sich dann doch ein Gespräch über Persönliches.
Oft war die MS Europa bei ihrer Fahrt über den Atlantik in rauer See unterwegs. Es waren also Weihnachtstage mit schwankendem Boden, die Markus Roth Ende 2024 erlebt hat. Immerhin: An der Rezeption wurde ein Weihnachtsbaum aufgestellt. Dazu gab es ein Event mit einem Champagner verschenkenden Weihnachtsmann. Eine Krippe war nicht mit an Bord.
Auch der Weihnachtsgottesdienst verlief nicht so, wie es sich der Segringer vorgestellt hat. Die Christmette kollidierte zeitlich mit dem Abendessen im Bord-Restaurant. Nur wenige kamen, um sich den weihnachtlichen Segen spenden zu lassen. Was Markus Roth sehr positiv in Erinnerung bleibt, ist der Zusammenhalt unter den Künstlern an Bord. Mit dabei war auch der international bekannte Opernsänger Michael Schade. Der Tenor erklärt sich bereit, im Weihnachtsgottesdienst zu singen, die Schauspielerin Julia Stemberger übernahm die Lesung.