„Wunden“ heißt eine Ausstellung, die zurzeit in der Kunsthalle Hilsbach gezeigt wird. Eine Künstlerin und vier Künstler aus Berlin präsentieren bis Ende des Monats Malerei, Installationen und Objekte.
Kunstschaffende nutzen ihre Arbeit nicht selten dazu, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, Denkanstöße zu bieten, sich einzumischen. Das tun die fünf hier Ausstellenden auf unterschiedliche Weise. Im Begleittext zur Werkschau heißt es: „Die Ausstellung ,Wunden‘ möchte die Spaltung, die sich durch unsere Gesellschaft zieht, sichtbar machen, als Grundvoraussetzung ihrer Heilung. Wir sind eine Menschengemeinschaft. Sich gegenseitig zu bekämpfen, zerstört unsere gemeinsame Lebensgrundlage.“
Es ist ganz im Sinne von Kunst, sich im öffentlichen Raum bemerkbar zu machen, auch wenn sie meist im Stillen entsteht. Dass sich Kunstschaffende während der doch sehr intimen Schöpfungsphase oft tiefgreifenden, philosophischen Gedanken hingeben, bleibt nicht aus. Besonders traf dies wohl auf die Corona-Zeit zu, die auch Grund für die Bildung dieses Kunstkollektivs war.
Jana Schröder als einzige Frau, die in Hilsbach ihre Arbeiten zeigt, liebt die großformatige Malerei. Meist sind es Frauen, die im Mittelpunkt stehen. Madonnenfiguren, die in ihrer ausdrucksstarken Schlichtheit wesentliche Gefühle ansprechen. „Gefangen“ heißt eines ihrer Bilder, das eine Frau in einer Art braunem Kokon zeigt, die wie eine Schmetterlingslarve auf ihre befreiende Metamorphose wartet. Eine andere hingegen, Eva, schlüpft gerade aus einem engen Korsett: Ihre Menschwerdung hat begonnen.
Ganz andere Wege beschreitet Thomas Weidner. Es ist ein ganz profanes kleines Alltagsding, das für ihn während der Corona-Krise wuchtige Bedeutung erlangt hat: die Maske. Sie ist zugleich Symbol der Individualität und der Anonymität. Anfangs noch selbstgebastelt in bunten Farben, später ersetzt durch sterile FFP2-Masken waren sie nicht selten achtlos weggeworfen auf der Straße zu finden. Ein bunter Haufen am Rand ist für Weidner das Bild für den Versuch, die Individualität in einer Zeit der Gleichschaltung zu bewahren, wie der Text zu der Boden-Installation „Individuen“ zeigt.
Was passiert, wenn man die Gesichter von Individuen übereinanderlegt, zeigt Matthias Fitz auf ein eindrucksvolle Weise. Für sein Porträt „Das Lächeln der Macht“ hat er 80 berühmte Persönlichkeiten übereinander gescannt – darunter Kamala Harris, Putin, Trump, Papst Franziskus, Ursula von der Leyen. Verblüffend dabei: Je mehr Gesichter er übereinandergestaffelt hat, desto klarer die Konturen und desto milder der Ausdruck.
Wie klein der unbehauste Mensch angesichts einer ausladenden Natur ist, zeigt Berthold Bocks großformatiges Gemälde „Exil“. Die Ruhe, die das Bild ausstrahlt, ist trügerisch, blickt man auf die kleine Gruppe Menschen am rechten unteren Bildrand, die sich um ein Lagerfeuer gruppiert haben. Einsam und verloren sieht das Häuflein aus, gestrandete Flüchtlinge vor großartiger Bergkulisse im Sonnenuntergang.
Als Fünfter im Bunde präsentiert Hausherr Kuno Ebert Malerei und Skulptur. Seine farbintensiven, abstrahierten Bilder transportieren nur vordergründig eine gewisse Unbeschwertheit. Ihre Titel heißen „Wunden“ und „Demonstration des Zufalls“. Die menschlichen Darstellungen wirken wie auseinandergesprengte Teilstücke, die erst wieder zusammengesetzt werden müssen.
Die Ausstellung in Hilsbach liefert interessante Denkanstöße. Darüber hinaus sind es auch einfach großartige Werke, die hier gezeigt werden.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Hilsbach kann am Sonntag, 20. April, und am Samstag, 26. April, jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung besucht werden.