Karriereziel Verbeamtung: Was die Arbeit beim Staat ausmacht | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.03.2025 00:07

Karriereziel Verbeamtung: Was die Arbeit beim Staat ausmacht

Die Karriere bei der Landespolizei ist nur eine von zahlreichen möglichen Beamtenlaufbahnen. (Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn)
Die Karriere bei der Landespolizei ist nur eine von zahlreichen möglichen Beamtenlaufbahnen. (Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn)
Die Karriere bei der Landespolizei ist nur eine von zahlreichen möglichen Beamtenlaufbahnen. (Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn)

Eine Position im öffentlichen Dienst wird häufig als etwas langweilig, aber krisensicher, abgestempelt. Klar ist: Es gibt Unterschiede zwischen der Laufbahn als Beamter oder Beamte und der Karriere in der freien Wirtschaft. Aber woher weiß man, ob der öffentliche Dienst zu einem passt? 

Rund 3,9 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland als Beamte, so Andre Stephan-Park, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Sie sind zum Beispiel in kleinen Verwaltungen, aber auch in Bundesbehörden tätig. Im Gegensatz zu Angestellten in der freien Wirtschaft gehen Beamte kein privatrechtliches Arbeitsverhältnis, sondern ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis ein. Daher gibt es keinen Arbeitsvertrag, sondern eine Ernennung.

Spezielle Rechte - spezielle Pflichten

„Die Verbeamtung ist ein lebenslanges Dienst- und Treueverhältnis mit speziellen Rechten und Pflichten“, sagt Waldemar Dombrowski, Fachvorstand Beamtenpolitik im dbb Beamtenbund. Dazu gehört zum Beispiel ein starkes Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung und große Loyalität zum Arbeitgeber. Das heißt, auch im privaten Umfeld muss man sich angemessen verhalten, selbst wenn man bereits eine Pension erhält. 

Der größte Vorteil im öffentlichen Dienst ist für viele die Jobsicherheit. Nach einer erfolgreichen Probezeit erfolgt in der Regel die Verbeamtung auf Lebenszeit, die größtmögliche Unabhängigkeit der Beamtinnen und Beamten sicherstellen soll. Die Bezahlung erfolgt nach Tarif, auch das sehen viele Beamtinnen und Beamte als Plus.

Die Vielfalt der Beamtenlaufbahnen

Ein häufiger genannter Nachteil des öffentlichen Dienstes sind auf der anderen die eher starren Hierarchien und die Bürokratie. Klischees über das Beamtentum und langsam mahlende Mühlen - etwa in der Verwaltung - halten sich hartnäckig. „Das Beamtenverhältnis klingt klischeehaft langweilig, es ist aber in der Tat vielfältig und bunt“, sagt Dombrowski. 

Rund 80 Beamtenlaufbahnen sind laut Andre Stephan-Park in Deutschland machbar. Sie reichen vom einfachen Dienst für den man sich mit einem Hauptschulabschluss qualifiziert, über den mittleren Dienst mit abgeschlossener Berufsausbildung oder höherem Schulabschluss bis zum gehobenen oder höheren Dienst, für den Bachelor- oder Masterabschlüsse sowie Berufspraxis nötig sein können. 

„Sich hochzuarbeiten ist möglich, aber es ist durch die klar getrennten Laufbahnen deutlich stärker reglementiert als in anderen Berufen“, sagt Stephan-Park. Eine Beamtenlaufbahn sei dennoch kein Selbstläufer bis zur Pension, Leistung und Qualität werden kontinuierlich überprüft. 

Affinität zu Gesetzen und Verordnungen gefragt

Laut Stephan-Park ist eine gewisse Affinität zu Gesetzen, Verordnungen und Verwaltungsanweisungen wichtig, wenn man sich für eine Beamtenlaufbahn interessiert. Man sei Dienstleister für Bürgerinnen und Bürger, ein Repräsentant des Staates. Wer die Freiheit sucht, den Arbeitgeber oder Wohnort häufig zu wechseln, für den ist die Beamtenlaufbahn weniger geeignet.

Wichtig zu wissen: Verbeamtete Personen erhalten keinen Lohn, sondern eine Besoldung und zahlen keine Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Dadurch ergibt sich ein höheres Nettogehalt als bei Angestellten in vergleichbarer Position. Andererseits muss man sich privat kranken- und pflegeversichern, die Beiträge sind risikoorientiert. Sie steigen mit zunehmendem Lebensalter.

Wer aussteigt, hat also keine Rentenversicherungsbeiträge gezahlt. Es gibt zwar den Experten zufolge Nachversicherungsverfahren, doch meist ergeben sich geringere Ansprüche.

Regierungen kommen und gehen, die Verwaltung bleibt

Tätig sind Beamte im technischen oder nicht technischen Verwaltungsdienst, im kulturwissenschaftlichen Dienst, in einem Bundesministerium, im Auswärtigen Amt oder Regierungspräsidium, bei der Landes- und Bundespolizei. Sie können vom Bund, den Ländern, Städten, Gemeinden, Gemeindeverbänden, Körperschaften sowie Anstalten des öffentlichen Rechts angestellt werden. 

Voraussetzung für eine Beamtenlaufbahn ist in der Regel die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines EU-Mitgliedsstaates und ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis. Je nach Tätigkeiten gibt es Altershöchstgrenzen. Zu Beginn erfolgt eine Gesundheitsprüfung, die in bestimmten Berufen auch wiederholt werden muss.

Beamte dürfen koalieren, aber nicht streiken. „Der Staat muss in seinen Grundaufgaben funktionsfähig bleiben“, so Dombrowski. Beamte garantieren Stabilität, sie können nicht einfach entlassen werden. „Regierungen kommen und gehen, die Verwaltung bleibt. Sie sorgt für Kontinuität und Neutralität bei der Aufgabenerledigung.“

© dpa-infocom, dpa:250325-930-414385/1


Von dpa
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