Nicht in jedem Jahr lassen die Wetterbedingungen das besondere Ereignis in Dinkelsbühl zu: Am Dienstag, dem Dreikönigstag, feierte die katholische Pfarrei St. Georg mit einer Prozession von der Dreikönigskapelle zum Münster das Fest „Erscheinung des Herrn”. Im feierlichen Zug mitgeführt wurde das Reliquiar.
In der Monstranz sollen sich der Legende nach Knochensplitter aus den Gebeinen der Heiligen drei Könige befinden. Die Gebeine selbst werden seit dem 12. Jahrhundert in einem Reliquienschrein über dem Hochaltar des Kölner Doms aufbewahrt. Die Dreikönigskapelle in Dinkelsbühl erinnert an die Ankunft der sterblichen Überreste der Weisen aus dem Morgenland in der Stadt. Erzbischof Rainald von Dassel ließ diese nämlich im Jahr 1162 von Mailand nach Köln bringen. In Dinkelsbühl soll die Truppe laut der Überlieferung damals auf ihrer Reise ihr Nachtlager aufgeschlagen haben.
Von den frostigen Temperaturen und leichtem Schneefall ließen sich die zahlreichen Gläubigen, die an der Prozession am Dreikönigstag teilnahmen, nicht abschrecken, heißt es in einer Pressemitteilung der Pfarrei. Im Zug marschierten auch die Sternsingergruppen mit, die die Tage zuvor in der Stadt unterwegs waren, um Spenden für Kinder in Not zu sammeln.
Im anschließenden Gottesdienst, der in St. Georg stattfand, trug Diakon Franz Schindler die Geschichte der Sterndeuter aus dem Matthäusevangelium vor, die dem Stern von Bethlehem folgten, den neugeborenen Messias fanden, ihm huldigten und Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben darbrachten. Stadtpfarrer Joachim Pollithy legte in seiner Predigt die Botschaft des Evangelisten aus, wonach alle Menschen wichtig seien, egal aus welcher Bevölkerungsschicht sie kämen.
So wie die Sternsinger in Dinkelsbühl beim Anklopfen an die Türen nicht hinterfragt hätten, ob die Menschen im Haus katholisch, evangelisch, jüdisch, muslimisch oder vielleicht ohne Konfession seien, seien damals nicht nur gläubige Jüdinnen und Juden zu Jesus gekommen, sondern auch die Weisen aus dem Morgenland, die möglicherweise keinen Glauben gehabt hätten. Die Hirten wiederum gehörten zu den unteren Bevölkerungsschichten und waren nicht besonders geachtet.
Die Sternsingergruppen hätten Geld für Menschen gesammelt, die sie nicht kennen – für Kinder in Bangladesch, damit diese zur Schule gehen können und nicht mehr arbeiten müssen, so Pollithy. Die Sternsinger hätten damit ihre Stimme erhoben für Menschen, die ausgegrenzt und ungerecht behandelt würden. Zugleich seien sie zu den Menschen gegangen und hätten wie die Heiligen drei Könige ihre Gaben gebracht – durch Worte und Gesang. Die frohe Botschaft von Weihnachten sei eine Botschaft an alle Menschen.
Stadtpfarrer Pollithy würdigte den Einsatz aller, die zum Gelingen der Sternsingeraktion 2026 beigetragen haben. Der Geistliche verkündete am Dreikönigstag ein vorläufiges Sammelergebnis in Höhe von über 14.000 Euro. Dabei waren an diesem Tag noch vereinzelte Straßen in Dinkelsbühl nachzuholen, ebenso die Sammlung in Schopfloch, die ebenfalls am Dreikönigstag stattfand.