Am 18. April vor 80 Jahren ging der Zweite Weltkrieg für Ansbach zu Ende. Am Nachmittag rückte die US-Armee in die Stadt ein und am Abend war das gesamte Stadtgebiet in den Händen der Amerikaner.
Aus dieser unmittelbaren Endzeit des Zweiten Weltkrieges liegen so gut wie keine amtlichen Dokumente vor, aber in den vergangenen Jahren haben viele Zeitzeugen ihre Erinnerungen mitgeteilt, sodass sich aus diesen Mosaiksteinen ein Bild der Geschehnisse zusammensetzen lässt.
Einer der Hauptakteure dieser Tage, der Bürgermeister Albert Böhm, Stellvertreter von Oberbürgermeister Richard Hänel, hat seine Erinnerungen schon 1952 niedergeschrieben. Ziel war, sich in dem Prozess gegen ihn eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen.
Böhm wurde nach dem Einmarsch verhaftet und war zwei Jahre in Internierungslagern. Weil er als Schwerversehrter eingestuft war, wurde er entlassen. Nach mehreren Verhandlungen vor der Spruchkammer wurde er als „Belasteter“ eingestuft und verlor seine Rentenansprüche.
Böhm bekam auch Berufsverbot, sodass er sich, wie er selbst sagte, als „Bettelgreis“ fühlte. Am 13. August 1951 wurde das Urteil nochmals bestätigt und er versuchte immer wieder, eine Abmilderung zu erlangen, was ihm nicht gelang. Böhm starb am 24. November 1957 im Alter von 77 Jahren.
Seine tiefe Verwurzelung im nationalsozialistischen Gedankengut wird schon mit der Überschrift seiner Erinnerungen aus dem Jahre 1952 deutlich: „Die letzten Tage der Freiheit und die ersten Tage der Knechtschaft. Eine Stadt an der Wende.“ Der gebürtige Österreicher Böhm war schon im Frühjahr 1924 der NSDAP-Ortsgruppe in Völkermarkt in Kärnten beigetreten. Am Samstag, 14. April 1945, schreibt Albert Böhm, wurde er in das Büro von Oberbürgermeister Richard Hänel gerufen; dieser übergab ihm die Amtsgeschäfte im Stadthaus. Hänel, der auch Kreisleiter der NSDAP in Eichstätt war, wollte sich dorthin begeben.
„Ich ging – im Vorzimmer war Fräulein Schwarz, sonst niemand – langsam mit der ungeheuren Last der Verantwortung für die Stadt stieg ich die alte historische Wendeltreppe des Stadthauses hinab in mein Büro. Von Gumbertus schlug es 11 Uhr wie dumpf und mahnend.“ Am folgenden Sonntag berichtet er von starkem Kanonendonner und davon, dass sich der Regierungspräsident von Kalben mit anderen Beamten abgesetzt hatte. Am Nachmittag waren starke Detonationen aus dem Osten zu hören: „In Katterbach wurde gesprengt.“
Am Montag, 16. April 1945 wurde die Feuerwehr in der Rezathalle kaserniert und am Nachmittag wurden die Konservenlager der Wehrmacht in der Orangerie und der Karlshalle an die Bevölkerung ausgegeben. Der Direktor der Stadtwerke Götz beklagte, dass alle Rezatbrücken zwischen Ansbach und Lichtenau gesprengt werden sollen. Er befürchtete, dass die Hauptwasserleitung nach Ansbach, die neben der Straße verläuft, dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird. Sicher, um sich in ein gutes Licht zu rücken, beschreibt Böhm, wie er sich beim Stadtkommandanten „Major Meier“ dafür eingesetzt haben will, die Sprengungen zu verhindern.
Am Dienstag, 17. April, so Böhm in seinen Erinnerungen, sei der Strom in Ansbach ausgefallen und in einem letzten Geheimschreiben der Regierung, das bei ihm ankommt, wird die Verteidigung Ansbachs „bis zur letzten Patrone“ angeordnet. Er berichtet von zwei Häftlingen, die aus dem Gefängnis in Lichtenau geflohen waren, und im Rathaus neue Kleidung forderten. „Ich gebe schriftliche Anweisung an die Herberge, die Männer zu beherbergen und zu verpflegen. Ich dachte dabei, die Auflösung der Ordnung hat begonnen“.
Am Mittwoch, 18. April 1945, seien immer wieder Leute zu ihm gekommen, die nach der Verteidigung der Stadt fragten. „Ich sage, ich bin nicht dafür.“ Der Stadtkommandant sei dann gegen 11 Uhr in das Büro des Bürgermeisters gekommen, um ihn deswegen zur Rede zu stellen. „Der Major nahm den Revolver aus dem Futteral und legte ihn auf den Mitteltisch, wo er Platz nahm. Ich blieb stehen.“ Angeblich hat Böhm seine Aussage der kampflosen Übergabe bestätigt, worauf der Stadtkommandant ihm ein Standgerichtsverfahren angedroht habe.
Böhm beschreibt, dass die Kreisleitung im heutigen Landgerichtsgebäude leer war und die Innenstadt von der Rügländer Straße aus beschossen wurde. Von der Feuchtwanger Straße her waren Explosionen zu hören und von dort rückten amerikanische Panzer in die Innenstadt vor. Die beiden Rezatbrücken wurden gesprengt und „die Trümmer der Schlossbrücke fielen bis zum Hotel Stern“.
Böhm ging dann gegen 17 Uhr zurück ins Rathaus, wo er die Leiche des erhängten Robert Limpert in der Durchfahrt liegend vorfand. Er ging in seine Wohnung an der Promenade und sah dann „einige Khaki-Gestalten mit Stahlhelm“ einem Wagen laut gestikulierend entsteigen. „Das waren die ersten Amis.“
In der Dämmerung begab sich Böhm ins Rathaus und brachte die Sekretärin des Oberbürgermeisters, Fräulein Kirschbaum, nach Hause. „Wir gingen über den Schlossplatz und über den Steg hinter dem Theater bis in die Eyber Straße. Dort standen Panzer an Panzer. Ein Soldat mit Stahlhelm hielt das Gewehr vor. Mit den wenigen mir geläufigen englischen Worten versuchten wir ihm begreiflich zu machen, dass das Fräulein auf der anderen Seite der Straße wohne. Endlich sagte er O.K. Ich ging noch ein Stückchen mit und sah, dass die ganze Eyber Straße mit Panzern und anderen Fahrzeugen besetzt war.“
Am nächsten Vormittag seien einige amerikanische Offiziere gekommen, denen er offiziell die Stadt übergab. Die Amerikaner beließen ihn im Amt und erst am 22. April wurde er entlassen. Am 2. Mai bekamen Böhm und wohl die meisten Ansbacher die Nachricht, dass sich Adolf Hitler schon am 30. April das Leben genommen hatte.
Mit dem 5. Mai 1945 enden die Aufzeichnungen von Albert Böhm, er schreibt: „Meine Frau bringt die Nachricht, dass die Wohnung von Usenbenz von Ami-Soldaten geplündert wurde. Viele Einrichtungsgegenstände werden mit Lastauto abtransportiert“.