Es ist die immer wieder gleiche Leier, findet Sandra Kilian. Die Leiterin des Jugendamtes vermisst Kompromissbereitschaft in der Streitfrage um den Standort des geplanten Treffpunkts für Heranwachsende. Auch bei der jüngsten Informationsveranstaltung vor Ort wurde die Kritik nicht leiser.
Widerspruch gebe es nicht, wenn es um die grundsätzliche Notwendigkeit geht, etwas für die Jugend zu machen, sagt Kilian, die selbst in Ansbach aufgewachsen ist. „Nur will man das eben nicht vor der eigenen Haustür haben“, deutet sie die Zwickmühle an, der sich derartige sozialgesellschaftliche Projekte immer wieder ausgesetzt sehen.
Seit Kilians Kindheitstagen hat sich die Situation im Herzen Ansbachs für Teenager einschließlich der Möglichkeiten, ihre Freizeit mit Gleichaltrigen zu gestalten, nicht grundlegend verbessert. Die Angebote sind höchst überschaubar, weiß auch Kilian, weshalb die Suche nach einem Standort für den Jugendtreff in den zurückliegenden Monaten ausgeweitet worden war.
Mit dem Areal unweit der ehemaligen Voggenmühle schien ein geeigneter Platz gefunden – ehe sich Widerstand formierte. Vor allem die Vertretung der Bewohner des Seniorenzentrums „Hospital“ machen auf sich aufmerksam. In einem Brief an Oberbürgermeister Thomas Deffner formulierten Peter Heinzel und Roland Helm als Vorstand des Heimbeirates ihre Bedenken und unterstellten Amtsleiterin Kilian Naivität.
Grundsätzlich müsse etwas für die Jugendlichen getan werden, heißt es in dem Papier, „doch wir fragen uns allen Ernstes, wie man objektiv und sinnvoll auf den Gedanken kommen kann, dass dieser Jugendtreff im nahen Bürgerpark eine für den angestrebten Zweck geeignete Örtlichkeit sein soll“. Vor allem der von einem Jugendtreff zu erwartende Geräuschpegel schreckt den Heimbeirat sowie einige Anwohner ab.
Die gegensätzlichen Meinungen waren demnach ausgetauscht, die Informationsveranstaltung sollte dazu dienen, Missverständnisse auszuräumen und offensichtlich vorhandene Vorurteile abzubauen. Dafür wurden das Projekt und das Konzept des Jugendtreffs nochmals vorgestellt. Befrieden konnte das die teilweise empörten Gemüter allerdings nicht, wie Kilian fand: „Die Stimmung war sehr aufgebracht.“
Dabei gingen die Hintergründe beinahe unter. Ziel des Vorhabens ist es, „den Jugendlichen einen Treffpunkt zu geben, den sie selbst mitgestaltet haben und für den sich die Jugendlichen dann auch verantwortlich fühlen“, führte Anne Ziegler vom Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters aus.
Auch an der Umsetzung im kommenden Jahr sollen sich die Teenager beteiligen. Gebaut werden sollen die vier Bänke und ein Tisch im Beruflichen Fortbildungszentrum (BFZ) unter Anleitung, aber mit den Kindern. „Zudem sollen gemeinsam mit dem BFZ, den städtischen Streetworkern und der aufsuchenden Sozialarbeit der Stadt verschiedene Projekte realisiert werden“, erklärt Anne Ziegler. Angedacht sind Outdoor-Fitnessgeräte, Basketball-Körbe sowie eine Überdachung: „So soll den Jugendlichen ein gewisser Rahmen gegeben werden.“
Die Sorgen, Wünsche und Einwände der Anwohner will die Stadt laut Ziegler ernst nehmen. Ihren Worten zufolge wünschen sich die Bewohner der Seniorenresidenz eine Möglichkeit, den Platz auch zu nutzen und ihn barrierefrei erreichen zu können. Die angedachte Solarleuchte, die den Treff auch in den Abendstunden attraktiv gemacht hätte, wird auf Vorschlag von Oberbürgermeister Deffner nicht installiert – gerade auch, um den befürchteten Lärmpegel in Grenzen zu halten.
Vor der Eröffnung des Treffpunkts ist ein Austausch zwischen den Jugendlichen, den Anwohnern und der Stadt sowie des BFZ vorgesehen. Sechs Monate nach der Inbetriebnahme ist dann ein erster Erfahrungsaustausch zwischen Beteiligten und Anwohnern geplant.