Landestheater Dinkelsbühl: Was Feldmaus Frederick alles aus dem Koffer holt | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 22.10.2025 17:00

Landestheater Dinkelsbühl: Was Feldmaus Frederick alles aus dem Koffer holt

Friederick sammelt gerade Buchstaben für seine Geschichten – eine Szene mit Luise Pahlke und Yannik Dirksen aus „Frederick”. (Foto: Richard Schönherr)
Friederick sammelt gerade Buchstaben für seine Geschichten – eine Szene mit Luise Pahlke und Yannik Dirksen aus „Frederick”. (Foto: Richard Schönherr)
Friederick sammelt gerade Buchstaben für seine Geschichten – eine Szene mit Luise Pahlke und Yannik Dirksen aus „Frederick”. (Foto: Richard Schönherr)

So ein alter Koffer kann schon ein ganz schönes Trumm sein. Der, um den es hier geht, ist seiner Größe nach ein halber Schrank oder eine kleine Kommode. Kleiner ginge nicht, denn im Koffer steckt ein Theater samt Geschichten. Zwei lustige Personen haben darum mächtig zu rumpeln, um ihn vors Publikum zu zerren. Klappt aber.

„Theater aus dem Koffer” heißt das mobile Format, das Intendantin Jasmin Meindl für Kleinkinder etablieren will – und wohl schon etabliert hat, so gut wie es nachgefragt wird. Das Landestheater fährt damit zu den Kleinsten, in Kindergärten zum Beispiel, bietet aber auch Vorstellungen bei sich auf der Probebühne im Carl-Fortunat-Haus.

Kurzweilige Produktion für Kleinkinder

Das erste Kleinkinder-Stück dreht sich um Leo Lionnis berühmte Bilderbuch-Feldmaus, um Frederick – und um Geschichten, die sich der Mäuserich einfallen lässt. Das Landestheater spielt das Stück von Astrid Großgasteiger nicht einfach nach. Juliane Abt hat für Dinkelsbühl eine eigene Fassung geschrieben. Aus dem Solo ist ein Duo geworden. Eigentlich ein Trio, denn der Koffer gehört ja dazu. Das eröffnet neue Möglichkeiten. Juliane Abt nutzt sie als Regisseurin.

Der Koffer: Aufgeklappt ist er innen bunt wie ein Regenbogen, so farbenfroh wie die Geschichten, mit denen Frederick seinen Mitmäusen die Winterlangeweile vertreibt. Im Koffer stecken allerlei Utensilien, sogar eine Zaubereidechse. Die ist nötig, um Willy, die Aufziehmaus, in eine echte zu verwandeln, sodass der arme Alexander endlich einen lebendigen Freund bekommt. Ein rotes Röckchen für die Mäusemutter und eine gelbe Fliege für Matthias, der lieber Maler statt Arzt werden will, findet sich im Koffer außerdem.

Mäuseclowns mit grauen Nasenspitzen

Ein guter Einfall vor allem: Juliane Abt bringt nicht bloß zwei Mäuse-Menschen auf die Bühne, sondern ein Clownspaar. Die Mäuseclowns haben freilich keine roten Kugelnasen, sondern graue Nasenspitzen. Sie sind nicht von der krachlustigen Art, sondern poetischere Gesellen. Da kann es schon einmal passieren, dass Shakespeare im Text aufblitzt. Das passt wie bestellt zur „Erbschaft”, dem ersten Stück der neuen Intendanz. In dem schimmert auch Shakespeare durch.

Das könnte Sie auch interessieren
„Der Räuber Hotzenplotz” in Dinkelsbühl: Eine Kasperlgeschichte mit HuiLandestheater Dinkelsbühl startet mit „Räuber Hotzenplotz” in die SommersaisonHöhere Preise beim Landestheater Dinkelsbühl: Mehrkosten durch neues TicketsystemKrimi-Parabel mit Tempo und Witz: „Die Wanze” am Theater AnsbachVor der Premiere: der Insektenkrimi „Die Wanze” im Theater AnsbachWas das Landestheater Dinkelsbühl in der Wintersaison 26/27 vorhatMitten im Leben: Dinkelsbühler Landestheater präsentiert Winterspielzeit 2026/27Das Dinkelsbühler Landestheater startet mit Zuversicht in die SommerfestspielePremiere am Theater Kopfüber in Ansbach: Die Abenteuer des Barons von MünchhausenArbeit im Hintergrund gewürdigt: Bühnentechniker des Landestheaters ausgezeichnetPremiere in Ansbach: Das Theater Kopfüber zeigt Abenteuer des Baron MünchhausenAnsbacher Puppenspiele: Eine Reise in die Welt der GeräuscheLandestheater Dinkelsbühl: Eine Reise durch die Welt der GedichteWilburgstetten: Theatergruppe Klappe begeistert mit „Das Gespenst von Canterville”Scharfzüngige Fastenzeit: In Schillingsfürst wird wieder ordentlich derbleckt

Luise Pahlke und Yannik Dirksen spielen ihr Mäuse-Duo mit kindgerechtem Humor und Körperkomik. Luise Pahlke strotzt als Frederick vor positiver Energie, zeigt aber zum Beispiel auch Alexanders traurige Momente. Yannik Dirksen kitzelt aus der Aufziehmaus Willy einigen Witz heraus. Dem Maler Matthias gibt er sanftes Durchsetzungsvermögen, um sich gegen die Mutter zu behaupten. Das alles und mehr bringen die beiden in rund 40 Minuten auf die Bühne. Die Jüngsten im Publikum folgen ihnen mit offenem Mund, die Älteren mit einem Lächeln.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
north