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Veröffentlicht am 20.09.2023 07:30

Mangel an Fachkräften: AWO-Pflegedienst in Ansbach macht zu

Der Bezirksverband Ober- und Mittelfranken der Arbeiterwohlfahrt (AWO) schließt zum 30. September den ambulanten Pflegedienst. Dies bestätigt er auf Anfrage der FLZ. Die Entscheidung, den ambulanten Dienst „zu schließen, ist uns nach langer Prüfung nicht leicht gefallen“, teilt Juliane Knapp, Referentin des Vorstands, mit.

Der Bezirksverband übernahm vor noch nicht langer Zeit die hauptamtlichen sozialen Dienste des AWO-Kreisverbands Ansbach Stadt, darunter den ambulanten Dienst. Ende November hatte die FLZ berichtet, dass diese nun unter der Ägide des Bezirksverbands stehen.

„Letztendlich hat der Mangel an Fach- und Leitungskräften den Ausschlag gegeben“, legt Juliane Knapp dar. Obwohl man sich mehrgleisig und monatelang bemüht habe, sei es nicht gelungen, die gesetzlich geforderte Leitung einzustellen.

Den Vertrag mit etwa 50 Kunden gekündigt

Auch die notwendigen Fachkräfte einzustellen, sei nicht nachhaltig gelungen. „Nach Rücksprache mit dem Kostenträger musste dann der ambulante Dienst aufgegeben werden, da die monatelange Unterstützung durch die Fachberatung Altenhilfe in der Geschäftsstelle in Nürnberg dieses Defizit leider nicht vollständig aufheben konnte.“

Mit dieser Entscheidung habe man etwa 50 Kunden den Pflegevertrag kündigen müssen. Dabei handle es sich um unterschiedliche Versorgungen und Zeitintervalle. „Durch unsere Kontaktaufnahme zu anderen ambulanten Diensten vor Ort konnten wir den Kunden entsprechende Ansprechpartner nennen, die bereit sind, die Versorgung weiterzuführen“, erklärt die Referentin.

Den acht Mitarbeitern „haben wir ein Angebot zur Weiterbeschäftigung in anderen unserer Einrichtungen gemacht, mit dem Ziel, Kündigungen somit absolut zu vermeiden“. Man gehe jedoch davon aus, dass die meisten Mitarbeiter in Ansbach bei anderen Trägern eine qualifizierte Anstellung bekommen werden. Eine abschließende Aussage lasse sich dazu noch nicht machen.

„Die verbleibenden hauptamtlichen Einrichtungen in Ansbach werden die Schuldnerberatung und das Koordinationsbüro im Service-Wohnen Quattro Ville in der Jüdtstraße 1 sein sowie die Wohngruppe für psychisch erkrankte Menschen“ in der Neustadt. Die frei gewordenen Büroräume des ambulanten Dienstes in der Jüdtstraße 1 werde der Bezirksverband dem Kreisverband Ansbach Stadt als festen Sitz anbieten.

Nach der Aufgabe der Räume der ehemaligen Geschäftsstelle des Kreisverbands auf dem Martin-Luther-Platz 46 sei dies eine gute Gelegenheit, wieder einen zentralen Anlaufpunkt nutzen zu können, findet die Referentin des Vorstands.

Dass der Bezirksverband den Pflegedienst „schließen muss, trifft uns sehr, nicht zuletzt weil wir viele Senioren und Seniorinnen in den Reihen unserer Mitglieder haben“, stellt der Kreisverband fest. „Manche haben den Dienst bereits genutzt, manche sind Mitglied geworden, um ihre Unterstützung, auch für den Erhalt dieses Angebots, zu signalisieren und eventuell den Dienst selbst einmal in Anspruch zu nehmen.“

Die Schwierigkeiten, geeignete Fach- und Leitungskräfte zu finden, um dem Engagement der Pflegekräfte für ihre Patienten auch die nötigen Rahmenbedingungen zu geben, habe der Kreisverband ebenfalls beobachten können.

Die Menschen „sind mit Herzblut dabei“

Der Pflegedienst sei nicht der erste Pflegedienst in der Region, der sich aus diesen Gründen auflösen müsse. „Die Pflegekräfte sind mit Herzblut dabei und kennen ihre Patienten oft schon seit Jahren“, führt Nadine Vogel vom Vorstandsteam im Kreisverband aus, „sie hätten gerne weiterversorgt.“

Auch wenn der Bezirksverband Arbeitsplätze in anderen AWO-Einrichtungen anbieten könne, „finden die Fachkräfte vielleicht doch in Ansbach eine Stelle, und ihre Arbeitskraft bleibt den Patienten in Ansbach erhalten“, hofft ihr Vorstandskollege Felix Gmöhling.

Und auch wenn die Büroräume in der Jüdtstraße dem Kreisverband zur Verfügung stehen, fehlt nach wie vor ein Raum, der sich zur Begegnung und für ehrenamtliche Angebote eignet, wie der Kreisverband betont. Er hofft auf „mittelfristige Lösungen“ dafür – und weiterhin auf Mitglieder und Unterstützer.

Aus dem Anwesen in der Jüdtstraße zieht sich der AWO-Bezirksverband teilweise zurück. (Foto: Irmeli Pohl)
Aus dem Anwesen in der Jüdtstraße zieht sich der AWO-Bezirksverband teilweise zurück. (Foto: Irmeli Pohl)
Aus dem Anwesen in der Jüdtstraße zieht sich der AWO-Bezirksverband teilweise zurück. (Foto: Irmeli Pohl)
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