Einmal im Jahr, mindestens, zieht es den Kantor der Dresdner Frauenkirche in seine Heimat zurück, nach Mittelfranken. Matthias Grünert kommt nicht einfach so; er hat einen Stapel Orgelnoten dabei und einen vollen Konzertkalender. Seine Mission: Er will für die Orgel begeistern. Das funktioniert. Der Fankreis wächst jedes Mal.
Innerhalb von drei Tagen gab Matthias Grünert nun elf Konzerte an elf Instrumenten. Seine Orgelfahrt „Heimspiel in Franken“ begann vergangenen Freitag in Zirndorf und endete am Sonntag in Lehrberg. Das Fazit fiel überaus positiv aus. Mit dem Besuch ist Christiane Linke „sehr zufrieden“. Sie und Claudia Bari assistieren dem Musiker bei seinen Orgelfahrten.
Den Sonntag hatte das Orgelfahrt-Team für fünf Konzerte in Ansbach und Umgebung vorgesehen. Ein Höhepunkt war das Konzert an der Wiegleb-Orgel der Ansbacher Gumbertuskirche. Rund 200 Menschen besuchten es, schätzt Christiane Linke. Was viel für Orgelkonzerte ist.
Matthias Grünert spielt immer wieder gern auf dem barocken Prachtinstrument von St. Gumbertus, vor allem Werke von Johann Sebastian Bach. Nicht nur die viel gespielte, viel gewünschte d-Moll-Toccata machte darauf Effekt. Ihre Stärken zeigte die Wiegleb-Orgel auch bei einer intimen Choralbearbeitung. Ins Schwärmen kommt Matthias Grünert, wie stimmig Bach auf diesem Instrument mit seinen feinen Klangfarben klingt: „Man denkt: Ja, genau. Das atmet und das ist lebendig.“
Die Wiegleb-Orgel und der Blick in den lichtdurchfluteten Kirchensaal waren es auch, die den Kantor der Dresdner Frauenkirche vor vier Jahren zu seinem YouTube-Kanal „Orgelfahrt“ inspirierten. Das erste Video entstand in St. Gumbertus. Immer sonntags kommt seitdem ein neues hinzu. Jetzt beim „Heimspiel“ sind wieder welche entstanden, unter anderem eines in Lehrberg, wo seit bald 120 Jahren eine Strebel-Orgel ihren Dienst tut.
Weil sich im Lauf der Zeit der Geschmack gewandelt hatte und Barock als Klangideal galt, wurde das Instrument durch Umbauten entstellt. Vor vier Jahren erhielt es dann aber nicht nur seinen spätromantischen Klang zurück, sondern wurde trickreich und mit Stilempfinden von Orgelbau Vleugels erweitert. „Das ist wirklich gut gemacht“, findet Matthias Grünert. „Es funktioniert. Ich war sehr überzeugt davon.“
Doch erst einmal stand er ungläubig in der Kirche: Wie sollen die vielen Register und Pfeifen in das kleine Gehäuse passen? Erst auf der Orgelempore sieht man die Lösung: Es gibt ein neugebautes Werk hinter dem historischen. 17 Register kamen zu den elf ursprünglichen dazu.
Matthias Grünert nutzte deren Möglichkeiten geschickt. Er hatte unter anderem Sonaten von Mendelssohn und Rheinberger mitgebracht, die eine reiche Farbpalette verlangen – Literatur, die auf den üblichen Dorforgeln sonst nicht zu spielen wäre. Hier war es möglich.
Die 120 Jahre alte, ebenfalls barockisierte Strebel-Orgel in Bürglein wurde hingegen bei der Sanierung vor zwei Jahren nicht in den Originalzustand versetzt. Matthias Grünert bedauert das sehr. Er spielte daher ein Bach-Programm.
Pflichttermine bei seinen „Heimspielen in Franken“ sind zwei Konzerte in Neuendettelsau. Der 51-jährige Musiker ist hier aufgewachsen. Sein Vater, Kirchenmusikdirektor Hermann Grünert, war von 1975 bis 2003 Kantor und Organist bei der Diakonie Neuendettelsau. Die Steinmeyer-Orgel von St. Laurentius kennt Matthias Grünert daher seit seiner Jugend.
Später lernte er die Paul-Ott-Orgel von St. Nikolai schätzen: „Es ist ein sehr gutes Instrument. Es wird auch noch jahrzehntelang in dieser Qualität stehen bleiben.“ Was gut zu wissen ist, denn Matthias Grünert will weiterhin zum „Heimspiel“ nach Franken kommen.