Nach Messerangriff in Neuendettelsau: 39-Jähriger steht in Ansbach vor Gericht | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 24.02.2026 12:06

Nach Messerangriff in Neuendettelsau: 39-Jähriger steht in Ansbach vor Gericht

Ein 39-Jähriger hat im Juni 2025 einen 30-Jährigen in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) angegriffen. Nun muss er sich wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Ansbach verantworten. In der Antragsschrift fordert die Staatsanwaltschaft Ansbach die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Das soll damals passiert sein: Der 39-jährige Cem T. (alle Namen geändert) hat am 25. Juni um 8.30 Uhr angefangen, aus seinem Fenster der Asylunterkunft in der Heilsbronner Straße in Neuendettelsau zu rufen. Das wiederum hörte Lukas P., der gerade auf der anderen Straßenseite dabei war, seinen Firmenwagen zu beladen. „Halt den Mund”, soll er Cem T. deshalb zugerufen haben.

Angegriffener bewaffnete sich mit Schaufel

Kurze Zeit darauf verließ der Beschuldigte die Unterkunft und lief, mit einem Küchenmesser in der Hand bewaffnet, auf Lukas P. zu. Dieser konnte ausweichen und weglaufen. Später versteckte er sich zwischen Bäumen eines Nachbargrundstücks, bis die Polizei eintraf. Verletzte gab es bei dem Vorfall also keine.

Der Angegriffene hatte sich damals außerdem zur Verteidigung mit einer Schaufel bewaffnet, die er in seinem Pritschenwagen liegen hatte. Zum Einsatz kam sie nicht.

Der Beschuldigte ist laut Antragsschrift an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt und befindet sich seitdem im Ansbacher Bezirksklinikum in Behandlung. Zur Tatzeit soll er sich in einer Akutphase seiner Krankheit befunden haben. Vor der Tat hatte der Beschuldigte laut eigenen Angaben außerdem einen Joint geraucht, das beweist auch das chemisch-toxikologische Gutachten.

Gerannt, gelaufen oder gegangen?

Gleich zu Beginn der Verhandlung beantragt Verteidiger Bernd Hönicka aufgrund der psychischen Erkrankung seines Mandanten, die Öffentlichkeit vom Prozess auszuschließen. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Matthias Held lehnt den Antrag jedoch wegen des erhöhten öffentlichen Interesses ab.

Ist Cem T. mit dem Messer gerannt, gelaufen oder gegangen? Diese Frage stellt Matthias Held fast jedem Zeugen und jeder Zeugin. Darunter sind zum Beispiel eine Nachbarin, die den Vorfall aus dem Fenster beobachtet hat, und ihr Mann. „Schnelles Gehen” oder „schnelle Schritte” seien es gewesen, heißt es von Zeugenseite recht unisono. Und auch, dass die Situation eher als Bedrohung wahrgenommen wurde.

Der Beschuldigte selbst sagt, er wollte den heute 31-Jährigen damals nur verwarnen. „Ich hatte nicht vor, jemand zu verletzen oder zu töten”, wiederholt er immer wieder. Ein paar Tage vor der Tat war er bereits in anderer Sache der Nürnberger Polizei aufgefallen. Dort gab es eine Auseinandersetzung. Ein Drogendealer, wie Cem T. selbst sagt, war mit einer kaputten Glasflasche auf ihn zugelaufen.

Ein paar Tage später, am 25. Juni, hörte er von draußen Lukas P. reden und dachte, dass jener Drogendealer da sei. „Ich wollte ihm Angst machen, damit er nicht mehr vor meiner Tür steht.” Eine optische Ähnlichkeit zwischen Lukas P. und dem Mann in Nürnberg gebe es aber nicht.

In der Heilsbronner Straße in Neuendettelsau kam es am Mittwochmorgen zu einem Messerangriff, bei dem es aber keine Verletzten gab. (Foto: Antonia Müller)
In der Heilsbronner Straße in Neuendettelsau kam es am Mittwochmorgen zu einem Messerangriff, bei dem es aber keine Verletzten gab. (Foto: Antonia Müller)

Bürgermeister: Kitakinder in Neuendettelsau waren nicht bedroht

Nach der Messerattacke im Ortszentrum äußert sich Christoph Schmoll. Der Angreifer war mutmaßlich ein psychisch kranker Einzeltäter.

„Gut geht es mir damit nicht”

Lukas P., der als Nebenkläger auftritt, ist bei dem Vorfall ohne Verletzungen davongekommen. Mental hat ihn die Tat aber nicht kalt gelassen: „Gut geht es mir nicht damit.” Er schlafe außerdem schlecht. Als Cem T. mit dem Messer auf ihn zukam, habe er gedacht, „dass es vorbei ist”. Unmittelbar nach dem Vorfall habe der sonst so selbstbewusste Mann ängstlich gewirkt, gezittert, wie es mehrere Zeugen beschreiben.

War Cem T. bei der Tat in einem Ausnahmezustand? Das psychiatrische Gutachten steht noch aus. Allerdings erklärt die Ehefrau des Beschuldigten vor Gericht als Zeugin, dass er sich etwa eine Woche vor der Tat anders verhalten habe. Er sei abwesend gewesen, oft nicht ansprechbar, habe auf einmal viel in seiner Muttersprache gesprochen. Auch erzählt sie, dass er einen Arbeitsunfall hatte, bei dem er sich eine Beule zuzog. Das beweisen auch Bilder, die im Gerichtssaal gezeigt werden. Danach habe er, so sagt sie, unter einer Art Verfolgungswahn gelitten.

Nach den Zeugenaussagen vom Montag soll es nun darum gehen, ob es sich um eine Bedrohung oder versuchten Totschlag gehandelt hat. Um weitere Details zu klären, nimmt der psychiatrische Gutachter eine Bewertung vor. Auf dieser Grundlage werden dann gegebenenfalls weitere Zeugen geladen, so zum Beispiel Beteiligte des Vorfalls in Nürnberg. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

In unmittelbarer Nähe dieser Kreuzung zwischen der Heilsbronner und Haager Straße in Neuendettelsau ist es am 25. Juni 2025 zu einem Vorfall gekommen, der nun am Landgericht Ansbach verhandelt wird. (Archivbild: Antonia Müller)
In unmittelbarer Nähe dieser Kreuzung zwischen der Heilsbronner und Haager Straße in Neuendettelsau ist es am 25. Juni 2025 zu einem Vorfall gekommen, der nun am Landgericht Ansbach verhandelt wird. (Archivbild: Antonia Müller)
In unmittelbarer Nähe dieser Kreuzung zwischen der Heilsbronner und Haager Straße in Neuendettelsau ist es am 25. Juni 2025 zu einem Vorfall gekommen, der nun am Landgericht Ansbach verhandelt wird. (Archivbild: Antonia Müller)

Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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