Die Bad Windsheimer Bäume haben wieder jemanden, der sich um sie kümmert: Markus Angermeyer ist als neuer Baumpfleger in der Stadtgärtnerei tätig. Für den 45-Jährigen strahlen die Pflanzen eine große Faszination aus. Er sagt: „Ich mag Bäume, die sind cool.”
Bereits als Kind war Angermeyer viel in der Natur unterwegs. Seine Großeltern hatten einen eigenen Wald, in dem er viel und oft unterwegs gewesen ist. Deswegen war früh klar, dass auch sein Beruf irgendetwas mit Natur zu tun haben sollte. Er entschied sich schließlich für eine Ausbildung zum Forstwirt. Nachdem er einige Jahre in dem Beruf gearbeitet und auch sein Fachabitur abgelegt hatte, reizte ihn ein Studium. Doch nach kurzer Zeit des Ausprobierens war klar, dass Vorlesungen und Seminare nichts für ihn sind. „Ich wollte wieder raus.”
Rund fünf Jahre lang war er dann bei einer privaten Firma für Baumpflege und Forstwirtschaft angestellt. Doch das forderte immer wieder längere Abwesenheiten von seinem Zuhause in Oberdachstetten und der Familie. Vor allem während der Zeit von April bis Oktober war Angermeyer damals viel in Hessen unterwegs. Als er dann eine Stellenanzeige der Schloss- und Gartenverwaltung in Ansbach entdeckte, in der ein Baumpfleger und Baumkontrolleur gesucht wurde, bewarb er sich und wurde genommen.
Dort war er 14 Jahre lang angestellt, hat sich während dieser Zeit stetig weiter gebildet und freut sich nun, im Bad Windsheimer Stadtgärtner-Team mitwirken zu können. Verantwortlich ist Angermeyer gemeinsam mit einem Kollegen für rund 13.000 Bäume. Der Kollege hat den Neuen bereits eingearbeitet. „Das ist viel wert, so jemanden mit dem vielen Wissen an der Seite zu haben”, sagt der 45-Jährige.
Denn Bad Windsheim sei in Bezug auf Bäume und vor allem den Boden speziell. „Hier kommt relativ schnell eine Gipsschicht.” Man müsse mitunter kaum weiter als 50 Zentimeter tief in den Boden hinein, um darauf zu stoßen. Für Bäume, besonders große, sei das eine Herausforderung, weil sie nicht allzu tief wurzeln können, erklärt Angermeyer. Auch für ihn sei diese Situation neu und ungewohnt.
Doch das nimmt er gerne an und freut sich auf mehr. Denn genau solche Herausforderungen seien ein Grund dafür, dass er seinen Beruf so sehr mag. „Ich bin in einer eigentlich noch jungen Berufssparte unterwegs, wenn man das beispielsweise mit dem Maurer- oder dem Bäckerhandwerk vergleicht”, sagt der 45-Jährige. Es gebe immer wieder neue Erkenntnisse und was früher vielleicht routinemäßig angewandt worden sei, werde heute gar nicht mehr gemacht.
Viel sei im Wandel, so auch in Bad Windsheim. Dass in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Bäume neu gepflanzt wurden und mit Blick auf die Landesgartenschau (LGS) weitere folgen werden, begeistert Angermeyer sehr. Ein Ziel für die Zukunft sei und bleibe es indes, passende Baumarten für die Stadt zu finden. Denn schließlich sei nicht nur der Boden eine Herausforderung, sondern auch und vor allem die klimatischen Veränderungen. Die Pflanzen müssten also gut mit Trockenheit klarkommen, sollten salzverträglich sein und sowohl hohe als auch niedrige Temperaturen aushalten können. „Und dann sollen sie auch optisch noch was darstellen.”
Ein Baumkataster, in dem die Bäume erfasst und auf diese Weise verwaltet werden, gibt es in Bad Windsheim bereits. Angermeyer will es nun stetig erweitern. „Das wird ein längerer Prozess werden”, sagt er und verweist auf seine Erfahrungen mit einem solchen Kataster an seinem vorherigen Arbeitsplatz in Ansbach. Dort hatte er eine solche Datenbank eingeführt und aufgebaut.
In Ansbach war er zudem unter anderem für die Bäume im Hofgarten verantwortlich. Angermeyer sieht darin mit Blick auf seine neue Wirkungsstätte durchaus einen Vorteil. Der Bad Windsheimer Kurpark sei schließlich ebenfalls ein historisch gewachsenes Areal mit denkmalgeschützten Anteilen, ganz so wie der Hofgarten. Deswegen weiß er, wie wichtig es ist, die entsprechenden Strukturen zu bewahren und alles daran zu setzen, die Bäume zu erhalten. „Bei einem Gartendenkmal kann ich wenig verändern. Da muss auch immer dieselbe Baumart nachgepflanzt werden. In eine Kastanienallee kann man beispielsweise nicht einfach eine Eiche hereinsetzen.”
Eines ist dem 45-Jährigen grundsätzlich wichtig zu betonen: Dass kein Baum leichtfertig gefällt werden sollte. Außerdem werde immer im Team entschieden, ob einer weichen muss oder nicht.
Und natürlich gibt es für Angermeyer auch nichts Schöneres, als einen alten Baum retten zu können. „Es macht sehr viel Freude, wenn man ein Exemplar, von dem man denkt, dass es am Absterben ist, doch noch wieder aufpäppeln kann.” Letztlich müsse in jedem Einzelfall abgewogen werden, welcher Baum erhaltenswert sei und welcher möglicherweise nicht. Dabei seien in der Stadt andere Maßstäbe anzusetzen als in der Forstwirtschaft, bei der ökonomische Aspekte eine sehr viel größere Rolle spielten.
Doch ganz außer Acht lassen dürfe man die Wirtschaftlichkeit auch bei Stadtbäumen nicht. Denn mitunter schaffe man sich mit einem Baum eine intensive Baustelle, in die viel Zeit und Geld investiert werden müsse, aber den Tod der Pflanze letztlich nur in die Länge ziehe. Wenn das Exemplar dann kein mehrere hundert Jahre altes Naturdenkmal sei, müsse rational abgewogen werden.
Von den Bürgerinnen und Bürgern in Bad Windsheim wünscht sich Angermeyer, dass sie bei Fragen offen auf ihn zukommen und ihn ansprechen. Gerne erklärt er auf Augenhöhe seine Arbeit und die Gründe, aus denen ein Baum möglicherweise gefällt werden muss. Nur Fotos auf den sozialen Medien zu teilen und die städtischen Angestellten mit Vorwürfen zu überhäufen, sei indes schlechter Stil. „Der Ton macht die Musik.”