Ein erster Schultag hat immer etwas Magisches: Vergessen sind die Fehlschläge des vergangenen Jahres, der Zauber des Neuanfangs mit seinen guten Vorsätzen überstrahlt so manche böse Erinnerung. Das neue Schuljahr am Campus in Windsbach steht noch mehr für Veränderung und Wandel als es ein erster Schultag ohnehin schon tut.
Denn erstmals in der 79-jährigen Musikgeschichte gibt es neben dem Knabenchor nun einen Mädchenchor. Für den künstlerischen Leiter Ludwig Böhme ist die Gründung kein Tabubruch, sondern konsequent: „Ein Mädchenchor ist längst kein Novum mehr.” Andere Gruppen wie die Regensburger Domspatzen haben schon seit Jahren eigene weibliche Gruppen.
Dabei stellt Böhme klar, dass der Aufbau nicht von heute auf morgen funktionieren wird: „Der Mädchenchor ist deutlich jünger und wird mit den Schuljahren erst wachsen.” Zu großen Teilen soll dieser, allein schon wegen der unterschiedlichen Stimmlagen, selbstständig üben und auch irgendwann eigene Aufführungen geben: „Aber die Chöre sollen sich schon begegnen und auch gemeinsam singen.” Eigene Konzerte sind aber noch Zukunftsmusik und wird es wohl erst Ende 2026 geben: „Aber im Advent könnte es schon Auftritte geben.”
Die 19 Mitglieder des Mädchenchors mussten dabei ein Auswahlverfahren meistern, wie Böhme informiert: „Die Bewerberinnen mussten zum Eignungsvorsingen: Wie klingt die Stimme? Wie sauber ist sie? Ist Talent da? Wir konnten nicht alle Interessenten nehmen.”
Neben den Mädchen fingen auch 19 Jungen neu in Windsbach an. Sie kommen aus ganz Franken, 16 Mädchen und elf Knaben wohnen im Internat. Im offiziellen Festakt zum Schuljahresanfang versuchte sich Direktor Thomas Babel im Gedankenlesen und entschlüsselte die Sorgen seiner Schüler: „Finde ich hier Freundinnen? Schaffe ich das mit dem Singen? Eigentlich habe ich gerade keine Lust auf Schule – diese Emotionen sind alle nachvollziehbar.” Er versprach, dass man in der Campusfamilie zusammen viel Zeit verbringen werde und auch solche Probleme überwinden kann.
Böhme freute sich auf die neue Einrichtung: „Heute ist der erste Tag einer hoffentlich langen Erfolgsgeschichte. Seid mutig und selbstbewusst und bringt euch ein.” Dabei macht er keine Illusionen, dass alles vom ersten Tag an funktionieren wird: „Manche Situationen werden uns überraschen. Lösungen müssen wir dann erst noch finden.”
Den Mädchenchor wird Claudia Jennings leiten. Die Mädchen sollen abwechselnd in der Konzertvorbereitung und in den jungen Stimmen, der Chorvorbereitung, trainiert werden. Schüchtert sie ihre Aufgabe ein, einen Chor komplett neu aufzubauen? „Angst vor Pannen habe ich keine. Ich bin voll optimistisch”, gibt sie sich selbstbewusst.
Und auch die Mädchen freuen sich schon auf die neue Herausforderung: Lara Leinberger kommt aus Forchheim und wird im Internat wohnen: „Mir macht die Musik Spaß. Außerdem verbindet das gemeinsame Singen.” Die Zwölfjährige sang schon im Schul- und Kinderchor ihrer Gemeinde. Sie kann sich vorstellen, einmal Musiklehrerin zu werden.
Schon weil ihr Bruder im Knabenchor singt, wollte Nila Meier aus Theilhofen nach Windsbach: „Bei seiner Aufnahmeprüfung wollte ich schon mitsingen.” Welche Erwartungen hat die Neunjährige an den Mädchenchor? „Ich will mehr Singen und hier Freunde finden.”