Auf den Grundstücken entlang der Siedlerstraße in Dietersheim soll nachverdichtet werden. Zumindest die Möglichkeit dazu soll geschaffen werden. So will es der Gemeinderat. Dass auch zeitnah eine rege Bautätigkeit einsetzen wird, hält Bürgermeister Jürgen Meyer aber für nicht sehr wahrscheinlich. „Das wird eher eine langsame Entwicklung.”
Meyer erwartet nicht, dass die Möglichkeit zur Nachverdichtung sofort von jedem Grundstückseigentümer genutzt werden wird. „Das wird nicht wie in einem Neubaugebiet sein, in dem ein Haus nach dem anderen errichtet wird”, sagte er während der vergangenen Sitzung des Gemeinderats. In der bezeichnete der planende Architekt Jörg Franke aus Emskirchen das Vorhaben zudem als „einen Sonderfall, nach dem man lange suchen” müsse. Es sei nämlich durchaus ungewöhnlich, dass eine Gemeinde für Grundstücke, die sie nicht selbst besitze, ein Baurecht entwickle.
Im Falle der Siedlerstraße würde sich eine Nachverdichtung allerdings geradezu aufdrängen, hieß es. Während der 1950er Jahre sei die Siedlung entstanden. Die länglichen Grundstücke seien mit Doppelhaushälften bebaut worden. Und zwar so, dass in ihrem hinteren Bereich stets ausreichend Platz zum Anbau von Obst und Gemüse vorhanden gewesen sei. Denn damals sei viel Wert darauf gelegt worden, sich selbst versorgen zu können. So sei es nun möglich, die Grundstücke zu halbieren und nachzuverdichten.
Damit das auch rechtlich möglich wird, war die Gemeinde einen weiteren Schritt gegangen und hatte einen Vor-Entwurf des Bebauungsplans in Auftrag gegeben. Den präsentierte Architekt Franke nun im Gemeinderat und ging dabei auch auf Detailfragen ein. Der Gemeinderat billigte den Vor-Entwurf letztlich, so dass nun eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange stattfinden kann.
In diesem Zusammenhang hoffte Franke, dass die Verantwortlichen in den Behörden eine mögliche Nachverdichtung entlang der Siedlerstraße in der Gesamtabwägung für gut befinden. „Es passiert quasi alles im Bestand, es gibt keine großen Eingriffe. Es wird keine neue Straße benötigt und es gibt keinen besonders schützenswerten Baumbestand”, sagte er. Hier werde kein Neubaugebiet auf der grünen Wiese geschaffen, wodurch neue Flächen versiegelt werden müssten. Zwar werde auch bei einer Nachverdichtung versiegelt, allerdings in einem durchaus überschaubaren Rahmen, da nicht erst ein komplett unberührtes Areal erschlossen werden müsse.
Genutzt werden soll bei der möglichen Nachverdichtung die Tiefe der Grundstücke, so der Architekt. Die Breite sei schließlich bereits ausgereizt. Eine Teilung der Grundstücke würde dazu führen, dass der Bestand vom Umfang her voraussichtlich größer ausfallen werde als das jeweils neu zu schaffende Grundstück. „Es kommen aber auf jeden Fall noch akzeptable Grundstücksgrößen dabei raus”, versicherte Franke.
Ursprünglich war vorgesehen, ausschließlich Doppelhaushälften auf den Grundstücken errichten zu lassen, so wie es sie dort bereits gibt. Diese Absicht habe man allerdings aufgegeben. Franke zufolge hätten die Anlieger während eines Treffens darauf hingewiesen, wie hellhörig die Gebäude seien. Man würde alles vom jeweiligen Nachbarn hören, habe es geheißen.
Deswegen hätte sich niemand vorstellen können, wieder Doppelhaushälften zu errichten. Franke habe vergeblich versucht, zu verdeutlichen, dass die Häuser aus den 1950er Jahren natürlich nicht den Schallschutz hätten, wie er heute möglich sei. Niemand hätte aber nachvollziehen können, dass der Schallschutz von heute derart gut sei, dass man eben nicht mehr alles vom Nachbarn mitbekomme. Letztlich sei man überein gekommen, Doppelhaushälften zwar zu ermöglichen, priorisiert werden hingegen Einfamilienhäuser.
Bei deren Dachform sei man „relativ strikt”, betonte Franke. So seien Satteldächer erwünscht, weil die bereits jetzt das Gebiet dominierten. In diesem Zusammenhang wurde über das Für und Wider schwarzer Dachziegel diskutiert. Architekt Franke hatte vorgegeben, dass diese rot sein sollten. „Damit ein homogenes Gesamtbild entsteht.” Und das für die Region typische Erscheinungsbild gewahrt bleibe. Dass überhaupt jemand schwarze Dachziegel haben will, konnte Bürgermeister Jürgen Meyer überhaupt nicht nachvollziehen. „Ich verstehe diesen Wunsch angesichts hoher Temperaturen nicht. Schwarze Ziegel heizen sich extrem auf.”
Thomas Billmann plädierte dafür, den Bauherren „gewisse Freiheiten” zuzugestehen und die Farbe der Ziegel „nicht so eng zu stricken”. Seiner Meinung nach sollte sich diesbezüglich jeder selbst Gedanken machen. Harald Ell sprach sich ebenfalls für mehr Flexibilität aus und sagte angesichts der traditionell roten Ziegel: „Man muss es doch nicht so weiter machen wie schon immer.” „Grau oder dunkelbraun, das wäre mir egal, aber nicht schwarz”, betonte indes Gudrun Ruttmann-Völlinger.
Und Rainhard Pelzer war unabhängig von der Farbe wichtig, dass die Ziegel nicht glasiert sind. „Das ist kein Spaß, die reflektieren und blenden.” Der Gemeinderat stimmte letztlich darüber ab, ob man bei den Ziegeln einen Kompromiss eingehen und zumindest die Farbe Anthrazit zulassen sollte. Sechs sprachen sich dafür aus, sieben indes dagegen. Einstimmigkeit herrschte dann aber wieder bei der Verabschiedung des präsentierten Vor-Entwurfs zum Bebauungsplan „Nachverdichtung Siedlerstraße”.
In dem ist nun auch der Bau von Zisternen vorgeschrieben. Außerdem müssen nur noch zwei Stellplätze je Wohngebäude nachgewiesen werden, und nicht mehr vier wie dies noch im Jahr 2021 vorgesehen gewesen war. Damals hatte der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan gefasst.