Neue Technik, bewährte Kreativität: 60 Jahre Ansbacher Film- und Videoclub | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.08.2025 13:00

Neue Technik, bewährte Kreativität: 60 Jahre Ansbacher Film- und Videoclub

Von Film und Kassette zu Digitalkameras und Computer: Die Arbeit der Mitglieder des Film- und Videoclubs Ansbach hat sich mit den Jahrzehnten technisch stark verändert. Vor 60 Jahren schlossen sich „Schmalfilmer” zusammen. Ihre Filme wurden mittlerweile europaweit ausgezeichnet.

Auf das Jahr 1965 geht die Gründung des Film- und Videoclubs Ansbach zurück. Aus Teilnehmern eines Schmalfilmseminars im Haus der Volksbildung in Ansbach schlossen sich neun Gleichgesinnte zusammen. Sie gründeten unter dem Vorsitz von Hans Zottmann am 18. August 1965 den Schmalfilmkreis Ansbach.

Unter Schmalfilm werden alle Formate betitelt, deren Material schmaler als die üblichen 35 Millimeter sind. Bekannt sind Super-8- oder die schon professionelleren 16-Millimeter-Filme. Die begeisterten Schmalfilmer aus Ansbach und Umgebung jedenfalls drehten zusammen den etwa eineinhalbstündigen Film mit dem Titel „Onoldsbach – Ansbach, Gesicht einer Stadt“. Szenen von Ansbach, den Rokokofestspielen und von einem Festzug wurden darin festgehalten. Vor einigen Jahren wurde der Film auf rund 45 Minuten gekürzt, digitalisiert und mit einer neuen Tonspur versehen.

Über Deutschland hinaus bekannt

Zahlreiche öffentliche Veranstaltungen sowie erfolgreiche Wettbewerbe beim Bund Deutscher Filmamateure (BDFA) und beim Europäischen Autorenkreis für Film und Video – den Eurofilmern – machten den Filmclub nicht nur in Bayern, sondern auch über Deutschland hinaus bekannt, wie der Club in einer Pressemitteilung hervorhebt.

Natürlich hat sich in den 60 Jahren vieles verändert – vor allem die Technik. Das gedrehte Material musste erst belichtet werden, dann folgten der analoge Schnitt und die Vertonung. Sehr aufwendig. Heute arbeiten die Filmer nur noch digital, schneiden ihre Videos am PC. Das ist natürlich viel einfacher. „Aber nicht die teure Technik allein macht gute Filme, sondern die Kreativität und das Können unserer aktiven Mitglieder sind es, die den Namen des FVC Ansbach weit über die Grenzen hinaus bekannt machten”, sagt Vorsitzende Anni Bergauer.

Viermal der Bayerische Löwe

Insgesamt vier Filme der Ansbacher Filmemacher erhielten einen Bayerischen Löwen – die höchste Auszeichnung des BDFA, gestiftet vom Ministerpräsidenten. Zuletzt ging dieser Preis 2020 an das langjährige Filmclubmitglied Franz Stich für seinen Film „Der Gleisumbauzug“. Für seinen Eisenbahnfilm erzielte der Autor sieben Auszeichnungen.

In den vergangenen 60 Jahren sind eine Vielzahl von Filmen entstanden, die nicht nur bei nationalen, sondern auch bei internationalen Filmfestivals europaweit ausgezeichnet wurden. Bei den Eurofilmern waren die Videos der Ansbacher Künstler in Kopenhagen erfolgreich mit ihrem Gemeinschaftswerk, dem Spielfilm „... wir wollten doch immer mal nach Venedig“. Unter 85 Filmen aus zwölf Ländern erreichten sie Platz sechs.

Der Film „Jakob Maria Mierscheid – ein phänomenaler Abgeordneter“ über einen fiktiven Bundestagsabgeordneten wurde unter anderem im Berliner Bundestag gedreht und bei Wettbewerben viermal mit Gold- und zweimal mit Silbermedaillen europaweit ausgezeichnet. Der am weitesten verbreitete Film war die Dokumentation „Der Bezirk Mittelfranken“. Er wurde auch ins Französische und Polnische übersetzt.

Verleihung des Ansbacher Stadtsiegels aufgezeichnet

Der Film- und Videoclub ist auch in der Öffentlichkeit mit seinen Filmen präsent. An zwei Nachmittagen zeigte er im vergangenen Jahr im Auftrag des Seniorenbeirates in den Kammerspielen im voll besetzten Saal mehrere seiner Ansbacher Videos. Für die Stadt Ansbach zeichnet der FVC schon seit vielen Jahren die Verleihung des Stadtsiegels an verdiente Bürger in Ansbach mit mehreren Kameras auf.

Ein großer Erfolg war im vergangenen Jahr die Aufzeichnung der Uraufführung „Atom Heart Mother Suite“ von Pink Floyd, organisiert von Richard Illig und unterstützt von Hans-Peter Krupp in der Gumbertuskirche mit acht Kameras.

Zwei Gründungsmitglieder immer noch dabei

Zwei Gründungsmitglieder gehören bis heute dem Filmclub an: Gründungsvorsitzender Hans Zottmann sowie Schatzmeister Edgar Zottmann, der seit 60 Jahren die Finanzen des Vereins verwalte. Seit 24 Jahren steht Anni Bergauer an der Spitze des heutigen Film- und Videoclubs (FVC) mit zur Zeit 22 Mitgliedern. Ihr zur Seite steht als Vize Fritz Jordan, der sie der Mitteilung zufolge ebenso wie alle Vorstandsmitglieder bei ihrer Arbeit sehr unterstützt.

Dem FVC sind neue Mitglieder oder auch Gäste stets willkommen, denn sie bringen laut der Vorsitzenden „neue Ideen in den Verein”. Allerdings hat sich das Hobby verändert, wie Bergauer bedauert. Nachwuchsfilmer hätten im Internet ihre eigenen Foren. Da werde es immer schwerer Nachwuchs zu gewinnen, der sich auf die Vereinsstrukturen einlassen will.

Steht leidenschaftlich gern hinter der Kamera und leitet seit über 24 Jahren den Film- und Videoclub Ansbach: Anni Bergauer. (Foto: H.P. Bergauer)
Steht leidenschaftlich gern hinter der Kamera und leitet seit über 24 Jahren den Film- und Videoclub Ansbach: Anni Bergauer. (Foto: H.P. Bergauer)
Steht leidenschaftlich gern hinter der Kamera und leitet seit über 24 Jahren den Film- und Videoclub Ansbach: Anni Bergauer. (Foto: H.P. Bergauer)

Von wg/plu
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