Kinder sind doch unsere Zukunft. Wie häufig dieser Satz an einem Tag in Deutschland fällt, kann niemand belegen. Wer sich tagtäglich mit den Erwachsenen von morgen beschäftigt, ist solcher Phrasen längst überdrüssig. Beinahe überall fehlt es an Geld, weshalb man sich in der Kindertagesstätte Sankt Ludwig über eine unerwartete Privatinitiative besonders freute.
Die Überraschung war nicht eben klein, als kürzlich in der von der katholischen Kirche getragenen Einrichtung in der Karolinenstraße das Telefon klingelte und der Mann am anderen Ende der Leitung anfragte, ob denn nicht Bedarf an neuem Spielsand bestünde. Der Mann am anderen Ende der Leitung war Jürgen Wolf, Bauunternehmer in Ansbach und – wenn man so will – so etwas wie ein moderner Hansdampf in allen Gassen.
„Wir müssen schauen, was wir für unsere Stadt machen können und nicht umgekehrt.“ Diese Abwandlung des historischen Zitats von John F. Kennedy hatte sich Wolf schon zur Adventszeit 2024 als Weihnachtsmann, der Kinder beschenkte, zu Eigen gemacht. Er reagiert mit Pragmatismus auf bestehende Defizite, frei nach dem unbürokratisch anmutenden Motto: Geht nicht? Gibt’s nicht!
In Sankt Ludwig ist man froh über dieses unkonventionelle Angebot. Und natürlich bestand in der Ansbacher Kindertagesstätte Bedarf an frischem Spielsand, auch das Erzbistum Bamberg als Träger der Einrichtung muss schließlich sorgsam mit den finanziellen Ressourcen umgehen. „Wir haben uns sehr gefreut über die Initiative“, sagt wohl auch deshalb Andrea Lang, Leiterin des Kindergartens, an den auch die Krippe „Spatzennest“ für die Kleinsten angeschlossen ist.
Auch bei den Kindern, von denen derzeit insgesamt 90 hier stundenweise betreut und mit dem Grundgerüst für ihren weiteren Lebensweg ausgestattet werden, war das Hallo über die frische Befüllung des Sandkastens groß. Die Kids malten für den Spender ein Bild eines Lebensbaumes mit ihren Fingerabdrücken. „Ein größeres Dankeschön kann es doch nicht geben“, bedankte sich Wolf artig.
Zuvor hatte er acht Tonnen gewaschenen Spielsand angeliefert, zweimal musste sich der Laster durch die schmale Hofeinfahrt der Kindertagesstätte manövrieren, ehe das Geschenk komplett abgeladen und dann im großen Sandkasten untergebracht war. „Im ersten Schritt haben wir den Restbestand an altem Sand auf die anderen Spielkästen verteilt und dann noch ein Vlies untergelegt, um das Unkraut abzuhalten“, erklärte Wolf das Prozedere.
Ausgangspunkt der kurzfristig angeleierten Aktion war die Neugestaltung des Gartens rund um sein Eigenheim. „Wir haben ein paar Tonnen Sand zu viel bestellt“, erklärte Wolf lachend. Der nahe liegende Gedanke: Irgendjemand könnte diesen Spielsand doch gut brauchen.
Der Kontakt zur Einrichtung in der Kita Sankt Ludwig bestand bereits einige Monate lang. Denn das in die Jahre gekommene Spielhaus der Kita hatte Wolf auf eigene Kosten wieder hergerichtet. „Ein paar frische Bretter und Farbe“ hatte er dazu benötigt, mehr nicht. Seitdem spielen die Kinder wieder sehr gerne in ihrer persönlichen „Villa Kunterbunt“, berichtete Kita-Leiterin Andrea Lang.
Nur ein paar Stunden hatte die ganze Aktion gedauert, fernab von Förderrichtlinien und Bürokratie. Am Ende rechten und schaufelten Wolf und Lang gemeinsam im Sandkasten. Die Kinder konnten es kaum erwarten, bis sie ihren Lieblingsplatz wieder in Beschlag nehmen konnten. „Was braucht ihr als Nächstes?“, fragte Wolf zur Verabschiedung.