Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und mit prominenten Trauergästen fand am Freitagnachmittag die Trauerfeier für Altlandrat Robert Pfeifer statt. Pfeifer war vor einer Woche im Alter von 95 Jahren im Kreise seiner Familie in Neustadt gestorben.
Bei der Feier in der evangelischen Stadtkirche Neustadt sprach unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Hermann. Seinen Worten zufolge sei Pfeifer eine nicht nur im Landkreis „hoch geschätzte Persönlichkeit“ mit hohem Verantwortungsbewusstsein gewesen, sondern im weiten Umkreis. Pfeifer habe den Dienst an der Allgemeinheit stets in den Vordergrund gerückt. Der damals noch junge Landkreis habe Pfeifer, den er selbst einst noch in der Jungen Union kennengelernt habe, viel zu verdanken.
Pfeifers Wirken sei jedoch weit über die Politik hinausgegangen – der langjährige Vorsitzende der Lebenshilfe im Landkreis habe sich auch sozial stark engagiert. Pfeifer sei selbstbewusst, aber nie überheblich gewesen und über die demokratischen Parteigrenzen hinaus respektiert worden. „Wir verlieren mit ihm eine menschlich und politisch großartige Persönlichkeit, die uns unvergesslich bleiben wird.“
Als weiterer Redner erinnerte Landrat Helmut Weiß an den Verstorbenen mit einer Anekdote an dessen 95. Geburtstag im vergangenen Dezember. Damals habe Pfeifer gesagt „Mir entgeht nichts, ich verfolge alles.“ Der Verstorbene habe die Landkreispolitik weit über seine eigene Laufbahn hinaus immer im Auge behalten, ohne sich allerdings jemals einzumischen. Pfeifer habe es verstanden, große Aufgaben ohne Angst anzugehen, er sei stets hartnäckig gewesen, habe Weitblick bewiesen und ein großes Netzwerk aufgebaut. Vor Pfeifer habe jeder Respekt gehabt – er sei eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen, der mit dem Bau des Landratsamtes und des AWO-Seniorenheims dem Buchberg „ein Gesicht gegeben“ habe, so Weiß. Der Verstorbene habe viel erreicht und habe sich zuweilen über Erfolge geradezu spitzbübisch freuen können. Heute gelte es, Abschied von einem herausragenden Politiker zu nehmen .
Im Jahr 1966 war der aus Markt Taschendorf stammende Pfeifer, der seiner Heimatgemeinde von 1956 (damals als jüngster Bürgermeister in ganz Bayern) bis 1977 als Rathauschef vorstand, zum stellvertretenden Landrat des damaligen Alt-Landkreises Scheinfeld gewählt worden, ab 1972 vertrat er den neu gebildeten Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim in der gleichen Funktion, bevor er 1977 erstmals zum Landrat gewählt wurde. Bei zwei weiteren Urnengängen wurde der CSU-Politiker jeweils mit klaren Mehrheiten im Amt bestätigt, so dass er bis 1995, also 18 Jahre lang, an der Spitze des Landkreises stand.
Im offiziellen Nachruf des Landratsamtes würdigt Helmut Weiß das Lebenswerk seines Vor-Vorgängers. Dieser habe sich „mit seinem Verhandlungsgeschick, politischer Weitsicht und seiner ihm eigenen Hartnäckigkeit große Verdienste“ um den Landkreis erworben. Stellvertretend dafür stehe das Landratsamt auf dem Buchberg. „Das Gebäude steht auch als Symbol für die Stärkung des Zusammenhalts des noch jungen Landkreises“, so der Nachruf.
Pfeifer, Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Markt Taschendorf und Träger zahlreicher Auszeichnungen, habe sich darüber hinaus schon frühzeitig für den Aufbau einer modernen Abfallwirtschaft stark gemacht, habe sich um die Infrastruktur, um den Bau moderner Schulen, die Wirtschaftsförderung sowie den Natur- und Umweltschutz und die touristische Entwicklung der Region gekümmert. Landrat Helmut Weiß bezeichnete Pfeifer als „ein großes Vorbild und einen väterlichen Freund“ – eine Würdigung, die auch der CSU-Stimmkreisabgeordnete Hans Herold fast deckungsgleich anlässlich des 95. Geburtstags Pfeifers vorgenommen hatte.
Nach der betont schlichten Trauerfeier in der Neustädter Stadtkirche wird die Urne demnächst auf Wunsch der Familie im engsten Kreis beigesetzt. Ein Kondolenzbuch für persönliche Abschiedsworte liege im Landratsamt zu den üblichen Öffnungszeiten vor dem großen Sitzungssaal für jedermann aus.
Pfarrerin Christiane Schäfer bezeichnete den Verstorbenen gestern als geschätzten Menschen und Wegbegleiter – ein gläubiger Mensch, der vielen geholfen habe. Der Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“) habe ihn sein Leben lang begleitet.