Es war die Überraschung bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend: Birgit Grübler tritt als Geschäftsführerin der Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH zurück.
„Es geht jetzt los, die Gewerke sind vergeben. Der Zeitplan steht, wir können einen dicken Haken unter die Planungsphase machen”, sagte Grübler zunächst zum Stand der Landesgartenschau, die im Jahr 2027 über die Bühne gehen soll. „Hier entsteht etwas Großes”, das werde spätestens seit Dienstagfrüh klar. Bagger und Lkw verteilen sich an unterschiedlichen Standorten, ein Wall wird am Parkplatz des Kur- und Kongress-Centers abgetragen, Erdmassen für das neue blaue Herz werden bewegt.
„Es waren schöne eineinhalb Jahre der Planung und Vorbereitung, arbeitsam. Als Ärzte würde man „davon sprechen, dass wir interdisziplinär ein überragendes Team hatten”. „Spannend, lehrreich und grandios” sei es gewesen in all den Monaten auf „herausragende Mitarbeiter setzen zu können”. Die einzelnen Abteilungen hätten gemeinsam mit Jürgen Heckel, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender, und ihr selbst als Geschäftsführerin in den zurückliegenden Monaten „eine optimale Grundlage geschaffen für den nächsten Schritt: Die Umsetzung der Pläne”.
Grübler bediente sich des Bildes einer großen Klinik: „Unser medizinisches Team – in diesem Fall das Team Bad Windsheim – hat immer an einem Strang gezogen und der andere Teil – das Team München – hat so lange in die andere Richtung gezogen, dass es oft fast zum Zerreißen kam.” Ihrem Team habe Grübler stets versprochen, „dass ich treu an der Seite bleibe”. Die Landesgartenschau „ist mir mehr als nur ans Herz gewachsen. So ein Projekt macht etwas mit einem, es packt einen, man brennt dafür.”
Einen besonderen Dank sprach Grübler Heckel aus. „Dass wir gut zusammenarbeiten, ist bekannt und das ist gut so.” Viel mehr zeichne ihn allerdings aus: „Sein unglaubliches Netzwerk, der unbändige Wille, Ziele zu erreichen und seine Gabe, Menschen für sich zu gewinnen”, seien für das Projekt Gold wert. Heckel habe Türen geöffnet, das Team habe nur noch durchgehen und operativ tätig werden müssen.
„Aber ich musste in den letzten Monaten leider auch immer wieder erleben, dass es andere Kräfte gibt, die ihren geographischen Mittelpunkt eher in München haben. Wir wurden über Monate alleine gelassen, eigentlich muss man sagen, es wurde bewusst gegen die Stadt Bad Windsheim und gegen mich als Person gearbeitet. Leider”, so Grüblers Vorwurf. „Schmutzige Wäsche” sei von ihr dennoch nicht zu erwarten. „Aber aus den genannten Gründen werde ich mich aus der Landesgartenschau zurückziehen.” Heckel habe sie darüber bereits informiert, weitere Schritte würden in der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag thematisiert.
Dann will auch Gerhard Koslowski, Mitglied des Aufsichtsrates, seinen Rücktritt als solcher bekanntgeben, wie er anschließend verkündete. Hinter den Kulissen der Schau sei es zuletzt immer „wilder” geworden. „Statt am Thema zu arbeiten wurde ein kollektives Mobbing mit abhängigen Mitarbeitern organisiert und bis heute aufrechterhalten”, äußerte sich Koslowski. Und weiter: „Es fanden Treffen mit politischen Vertretern statt, in denen wüste Beschimpfungen erfolgten und sogar mit wirtschaftlichen Konsequenzen für das Projekt gedroht wurde. Die Quelle allen Übels sehe ich bereits seit längerer Zeit bei den Verantwortlichen in München.”
Langanhaltender Applaus folgte, dann betretenes Schweigen. „Das ist ein Schock”, fasste eine Bürgerin ihre Gedanken zusammen. „So weit hat es jetzt kommen müssen.” Jürgen Heckel indes habe von Grüblers Entscheidung am Sonntag erfahren. Zum Dank überreichte er ihr einen Blumenstrauß, wollte sich aber sonst nicht weiter zum Thema äußern. Das werde auch in den nächsten Tagen so bleiben, kündigte er an.
Bedeutet das nun das Ende der Schau? Das verneint der Bürgermeister entschieden. „Das Projekt steht im Vordergrund, einzelne Interessen im Hintergrund.” Gescheitert sei das Vorhaben nicht, betont Heckel. „Wir müssen jetzt Ruhe in die Sache zu bringen. Meine Aufgabe ist es jetzt auch, der Fels in der Brandung zu sein.”
Auf ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH habe ihre Entscheidung derweil übrigens keine Auswirkungen, betont Grübler im Gespräch mit unserer Redaktion.