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Veröffentlicht am 26.06.2026 14:12

Psychopharmaka und Hitze: So gehen Sie gut mit dem Risiko um

Für viele Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Medikamente Teil der Therapie. Bei großer Hitze können sie aus verschiedenen Gründen anders wirken. Doch man kann gegensteuern. (Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn)
Für viele Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Medikamente Teil der Therapie. Bei großer Hitze können sie aus verschiedenen Gründen anders wirken. Doch man kann gegensteuern. (Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn)
Für viele Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Medikamente Teil der Therapie. Bei großer Hitze können sie aus verschiedenen Gründen anders wirken. Doch man kann gegensteuern. (Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn)

Schwitzen, schlecht schlafen, der Kreislauf wackelt: Hitze kann den Körper stark belasten. Wer Psychopharmaka nimmt, sollte an heißen Tagen besonders aufmerksam sein. Denn „Hitze kann die Wirkung von Medikamenten verändern. Das verunsichert viele“, sagt Apothekerin Stephanie Tiede aus dem Vorstand der Bundesapothekerkammer.

Warum Hitze bei Psychopharmaka relevant bis riskant ist, erklärt Prof. Michael Paulzen, stellvertretender Leiter des Referats Psychopharmakologie bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) so: „Wenn es so heiß ist, schwitzen Sie mehr, das beeinflusst die Körperhomöostase, denn wenn Sie vermehrt schwitzen, reduziert sich Ihre Nierenfunktion. Die Niere ist ein ganz zentrales Ausscheidungsorgan, gerade für Psychopharmaka.“

Wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, „dann akkumulieren, also häufen sich wasserlösliche Arzneistoffmetaboliten an“, so Paulzen, der auch Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Alexianer Krankenhauses Aachen ist. Einfach gesagt: Kommen Körper und Organe durch Hitze und zu wenig Flüssigkeit aus dem Gleichgewicht, können manche Wirkstoffe oder Abbauprodukte langsamer ausgeschieden werden: Die Konzentration im Blut kann steigen - mit unangenehmen Folgen.

Hitzefolgen kennen und erkennen

Das kann sich selbst bei Patientinnen und Patienten, die ein Medikament jahrelang gut vertragen haben, anfühlen wie eine Verschlechterung der Grunderkrankung - etwa durch Unruhe, Schlafstörungen, Zittrigkeit oder Herzrasen, so Paulzen. Auch Verwirrtheit, Schwindel, starke Müdigkeit oder Benommenheit können auftreten. Wichtig ist dann, nicht nur an eine psychische Krise zu denken, sondern auch an eine unerwünschte Arzneimittelwirkung als Folge der Hitze.

Besonders hitzekritisch, so der Fachbegriff, können laut einer Übersicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) unter anderem Antidepressiva sein, darunter SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva. Sie können die Thermoregulation, also die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur konstant zu halten, beeinträchtigen; Trizyklika können zusätzlich das Schwitzen vermindern. 

Auch Antipsychotika beziehungsweise Neuroleptika können die Wärmeregulation stören sowie müde machen. Benzodiazepine und Z-Substanzen können die Aufmerksamkeit verringern - Betroffene nehmen Hitzeerschöpfung dann womöglich später wahr. 

Bei Lithium ist besondere Vorsicht nötig: Dehydrierung und eine verminderte Ausscheidung über die Nieren können das Risiko einer Überdosierung erhöhen. Auch zentral wirksame Stimulanzien wie Methylphenidat, das etwa bei ADHS eingesetzt wird, oder Sympathomimetika wie Modafinil können die Thermoregulation beeinträchtigen.

Nicht eigenständig absetzen, Hitzestress vermeiden, trinken

 „Wichtig ist: Die Dosis nicht eigenständig verringern oder die Medikamente komplett absetzen. Bei Fragen hilft die Apotheke vor Ort kompetent weiter“, sagt Tiede und verspricht: „Auch während einer Hitzewelle ist es in der Apotheke angenehm kühl.“

Was hilft? Regelmäßig trinken - nicht erst, wenn der Durst groß ist. Die ABDA-Übersicht nennt als Orientierung 2 bis 3 Liter über den Tag verteilt; wer Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen hat, sollte die passende Trinkmenge ärztlich klären. Außerdem: nicht unnötig in direkter Sonne und Hitze aufhalten, körperliche Belastung reduzieren, Schatten und kühle Räume suchen, Wege und Sport auf kühlere Tageszeiten legen. Und mit den Behandlern klären, ob eine Anpassung der Medikation oder der Dosis stattfinden sollte.

Ärztlichen Rat sollten Betroffene unbedingt einholen, wenn neue oder ungewöhnlich starke Nebenwirkungen auftreten - etwa Verwirrtheit, heiße trockene Haut, wenig oder dunkel gefärbter Urin, Muskelkrämpfe, Schwindel, Herzstolpern oder -rasen. Wer zum Bereitschaftsdienst oder in die Notaufnahme muss, sollte unbedingt angeben, welche Medikamente er nimmt - und dass Hitze und Flüssigkeitsverlust eine Rolle gespielt haben könnten.

© dpa-infocom, dpa:260626-930-289367/1


Von dpa
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