Radweg nach Brackenlohr: Das Wunder ist geschehen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 12.10.2023 16:07

Radweg nach Brackenlohr: Das Wunder ist geschehen

Anradeln auf dem neuen Weg: Abgeordneter Hans Herold (links), Bürgermeister Wolfgang Lampe und Stadtbaumeister Jürgen Hofmann (hinten) scheinen die Jungfernfahrt sichtlich zu genießen. (Foto: Johannes Zimmermann)
Anradeln auf dem neuen Weg: Abgeordneter Hans Herold (links), Bürgermeister Wolfgang Lampe und Stadtbaumeister Jürgen Hofmann (hinten) scheinen die Jungfernfahrt sichtlich zu genießen. (Foto: Johannes Zimmermann)
Anradeln auf dem neuen Weg: Abgeordneter Hans Herold (links), Bürgermeister Wolfgang Lampe und Stadtbaumeister Jürgen Hofmann (hinten) scheinen die Jungfernfahrt sichtlich zu genießen. (Foto: Johannes Zimmermann)

„Heute ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen, der viel Arbeit und Schweiß gekostet hat“, sagt Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe. Eine Stunde später sitzt er dann auch schon auf dem Fahrrad: anradeln. Ja, das Wunder ist geschehen: Der Radweg nach Brackenlohr, er ist freigegeben. Damit enden über 14 Jahre Planung und 110 Tage Arbeit.

Die Wortwahl ist an diesem späten Mittwochnachmittag vorsichtig. Von vielen Hürden und Auflagen ist die Rede, von zahlreichen Gesprächen und großer Bürokratie. Der Weg bis zur Umsetzung des Radwegs war „speziell“, merkt am Rande auch Heinrich Schmidt an, Leiter des Staatlichen Bauamts Ansbach.

Der erste Uffenheimer Beschluss zum Brackenlohrer Radweg datiert vom 13. Juli 2009. Das Projekt ist „ein Beispiel, wie lange die Bürokratie eine solche Maßnahme verzögern kann“, erklärt der Noch-Landtagsabgeordnete Hans Herold (CSU). Im Skript zu Lampes Rede ist von „Beharren auf Vorgaben“ die Rede, von „Übereifer“ im bürokratischen Sinne und von fehlendem Bezug zur Praxis. „Die größte Hürde war der Naturschutz“, erklärt der Uffenheimer Bürgermeister. Dieser habe zu Verzögerungen und deutlichen Mehrkosten geführt. Und bei allem Verständnis für den Naturschutz, betont Hans Herold mit Nachdruck: „Menschen- und Kinderschutz müssen vor dem Naturschutz kommen.“

Wer die Staatsstraße zwischen Uffenheim und Adelhofen schon einmal mit dem Fahrrad fahren musste, der weiß um die Gefahren, sagt Lampe. Enge Verhältnisse und Autos, die auch mal schneller als erlaubt unterwegs sind – Spaß kommt da keiner auf. Eine gefährliche Angelegenheit, vor allem für Kinder auf dem Weg zur Schule oder ins Uffenheimer Freibad. Entsprechend sei der Bau des Radwegs eine Investition in die Sicherheit – und ein Lückenschluss im Rad-Netz: Nun können alle Radler von Brackenlohr bis Würzburg auf Radwegen durchfahren – ein großer Gewinn, wie mehrfach betont wird.

14 Jahre Planung, 110 Arbeitstage Bau

Über 14 Jahre Planung waren nötig, der Bau selbst ging dann zügig vonstatten. 110 Arbeitstage – „eine super Leistung“, sagt Uwe Breuninger von der ausführenden Baufirma. Aber in diesen 110 Arbeitstagen wurde nicht nur ein Radweg gebaut, sondern auch auf der benachbarten Staatsstraße zwischen Uffenheim und Adelhofen der Oberbau erneuert und zwei unfallträchtige Stellen entschärft, betont Bauamtsleiter Heinrich Schmidt. Eine Kurve wurde abgeflacht, eine Linksabbiegerspur errichtet – ebenfalls zwei Maßnahmen für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.

Zwei Millionen Euro flossen in die Staatsstraßensanierung. 1,1 Millionen Euro wurden für den Radweg fällig, wovon der Freistaat 900.000 Euro übernahm. Ein großer Dank geht entsprechend bei diesem Festakt an Herold, der das Geld organisierte. „Hans – egal, welche Partei, aber das hast du gut gemacht“, sagt Lampe (SPD). Wäre der CSU-Mann nicht dem einen oder anderen Behördenvertreter auf die Füße getreten, wäre der Radweg heute sicherlich nicht fertig, heißt es mehrfach.

Hans Herold selbst radelt mit breitem Grinsen zum Termin vor. Noch drei Wochen ist er nun Mitglied im bayerischen Landtag. Dass er in seiner Amtszeit den Brackenlohrer Radweg noch mit einweihen darf, das erfülle ihn mit Stolz und Freude. Das Radwegenetz entlang von Staats- und Bundesstraßen sei mittlerweile gut vorzeigbar, an kommunalen Straßen müsse man nun den Ausbau forcieren, betont Herold, vor allem auch an Kreisstraßen.

Eine „Fülle von Hemmnissen“

Ein solcher Fall sei ihm bereits auf der Hinfahrt begegnet, zwischen Kaubenheim und Berolzheim bestehe beispielsweise dringender Bedarf. Der Radverkehr entwickle sich mehr und mehr vom Freizeit- zum Alltagsverkehr, verkündet Landratsstellvertreter Reinhard Streng zufrieden. Aber entsprechend müsse auch für die passende Infrastruktur und die Sicherheit gesorgt werden. Immer wieder stelle die Bürokratie eine „Fülle von Hemmnissen, daran müssen wir arbeiten“. Planungs- und Umsetzungsphasen müssten massiv verkürzt werden.

„Der Segen ist schon da, wir sprechen ihn nun aus“, sagt dann der evangelische Dekan Max von Egidy mit Blick auf den Radweg. Der Segen und das Weihwasser, das der katholische Diakon Markus Giese verspritzte, sollen Straße und Radweg Unfallfreiheit bringen.

2,5 Kilometer Länge, eine Regelbreite von zweieinhalb Metern: Das ist er also, der Radweg, der Uffenheim und Brackenlohr jetzt verbindet. Die Prominenz macht sich auf zur Jungfernfahrt. Feuerprobe: bestanden. Auch die Staatsstraße zwischen Uffenheim und Adelhofen ist wieder befahrbar. Beim Festakt blockiert noch ein Bagger die Trasse. Nun aber heißt es: freie Fahrt.

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