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Veröffentlicht am 11.05.2026 11:49

Reiter, die Amtskette und Überraschungen der Demokratie

Altoberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat nun auch offiziell das Amt an seinen Nachfolger Dominik Krause (Grüne) übergeben.  (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Altoberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat nun auch offiziell das Amt an seinen Nachfolger Dominik Krause (Grüne) übergeben. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Altoberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat nun auch offiziell das Amt an seinen Nachfolger Dominik Krause (Grüne) übergeben. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Rund sieben Wochen nach seiner Wahlniederlage hat Münchens Altoberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) seinem Nachfolger Dominik Krause (Grüne) offiziell das Amt übergeben. Bei einer Feierstunde im Alten Rathaus hängte der 67-Jährige dem neu gewählten Rathauschef die goldene Amtskette um. Krause ist der erste Grünen-Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt.

Als vor vielen Monaten der Termin für diese Sitzung festgelegt worden sei, habe sich die Situation total anders dargestellt, sagte Reiter. „Aber im Leben ist man nie vor Überraschungen sicher“, ergänzte er mit Blick auf die Stichwahl, bei der die Menschen mehrheitlich für seinen Herausforderer gestimmt hatten.

„Veritable Haushaltskrise“

Krause dankte nun seinem Vorgänger. Er habe München als Oberbürgermeister zwölf Jahre lang gut geführt, auch durch „schwerste Krisen“. Nun habe Reiter eine Stadt übergeben, die „eine der schönsten und lebenswertesten ist, die es gibt“. Gleichzeitig befinde sich die Stadt aber auch „in einer veritablen Haushaltskrise“, die im Grunde jeden Handlungsspielraum nehme, wenn man nicht massiv gegensteuere. „Jedes Jahr am Abgrund entlang hangeln und darum bangen, ob wir einen genehmigungsfähigen Haushalt hinbekommen, das darf kein Dauerzustand sein.“

Für Reiter war es der erste öffentliche Auftritt nach vielen Wochen. Nach der Niederlage bei der Stichwahl am 22. März hatte er das Ende seiner politischen Karriere verkündet und war anschließend mehrere Wochen krankgeschrieben. Anschließend nahm er frei, um sich weiter zu erholen. Ein Grund für seine Abwahl war wohl auch sein Umgang mit einer Nebentätigkeit für den FC Bayern. Die Posten im Verwaltungsbeirat und später im Aufsichtsrat hat er mittlerweile zurückgegeben und die dafür erhaltenen 90.000 Euro an soziale Projekte gespendet. Zudem wird die Einleitung eines Disziplinarverfahrens geprüft, weil er sich die Tätigkeit nicht vom Stadtrat hatte genehmigen lassen.

Reiter: Nie der Macht zu sicher sein 

In seinen Abschiedsworten sprach Reiter die Wirkung der Demokratie an: „Man darf sich seiner Macht und der Gunst der Wählerinnen und Wähler niemals zu sicher sein“. Nun sei es für ihn an der Zeit, seine Macht abzugeben. Er scheide mit dem guten Gefühl, „alles getan haben, um dieser Stadt zu dienen, und ich bin der Gewissheit, dass München auch in Zukunft in guten Händen sein wird.“ Und an Krause gerichtet: „Alles Gute auf deinem Weg als Oberbürgermeister unserer Stadt“.

© dpa-infocom, dpa:260511-930-64101/1


Von dpa
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