Abschied und Neuanfang liegen meist eng beieinander. Mit einer abschließenden Feier endete das ursprünglich auf zehn Jahre angelegte Kunstprojekt „art residency wildbad“ vorzeitig. Der Abend war Abschied, Würdigung aber auch Ausblick gleichermaßen, musikalisch umrahmt von dem peruanischen Gitarristen Daniel Galindo.
Zunächst, so Stephan Michels, stellvertretender und wirtschaftlicher Leiter des Wildbads, sei es nur eine Idee gewesen, den Park zwischen Tauber und Architektur künstlerisch mit einzelnen Installationen zu gestalten. Das habe aber rasch an Form gewonnen, und so sei das Projekt „art residency wildbad“ entstanden.
Mit dem Verkauf des Hauses, das zuvor im Besitz der Landeskirche war, an die Stadtwerke Rothenburg, die ab dem 1. Januar 2025 die Schloss Hellenstein GmbH als neuen Träger beauftragt hat, endet auch das Kunstprojekt der Landeskirche, zumindest in der bisherigen Form.
Ob und wie etwas Vergleichbares weitergehen könnte, darüber ist nichts bekannt. Man müsse abwarten, was die Veränderung bringe. Bei allen Beteiligten, die über die Jahre das Projekt „Art residency“ begleitet und unterstützt hatten, war zu erahnen, wie sehr die Kunstidee den Ort Wildbad sowie alle Menschen, Mitarbeiter wie Besucherinnen und Besucher, auf nachhaltige Weise geprägt haben.
Dass die Umsetzung zu Beginn überhaupt möglich war, sei unter anderem der Unterstützung von Kirchenrat Helmut Braun, Kunsthistoriker und Jury-Mitglied, sowie Georg Winter, Professor an der Hochschule für Bildende Künste und Jury-Vorsitzender, zu verdanken gewesen.
2017 legten Matthias Böhler und Christian Orendt mit ihrer Figurengruppe, scheinbar zwischen Bäumen und Gestrüpp gestrandet, die erste Arbeit vor. Sieben weitere Kunstwerke von Ulrike Mohr, Laura Belém, dem Breath Earth Collective, Benjamin Zuber, Arianna Moroder, Alex Hojenski sowie Zuzanna Czebatul, mit deren Werk „Tide“ das Projekt im Oktober 2024 endete, sollten folgen.
Jedes Einzelne, so Dr. Wolfgang Schuhmacher, Leiter des Wildbads, sei in sich etwas Besonderes. Insgesamt seien acht ganz unterschiedliche Kunstwerke entstanden. Alle seien auf unterschiedliche Weise mit dem Wildbad, seiner inspirierenden Wirkung, dem natürlichen Umfeld sowie der Biografie der einzelnen Kunstschaffenden verbunden.
Eine Fachjury hatte die Künstlerinnen und Künstler ausgewählt. Die waren dann eingeladen, über den Sommer im Wildbad zu leben und im Rahmen eines vorgegebenen Budgets ihre Ideen frei umzusetzen und fertigzustellen. „Auch ein Kunstwerk wird erwachsen“, betonte Schuhmacher, „dann wird es der Öffentlichkeit übergeben, quasi geboren.“
Dann beginne eine neue Phase, wenn es mit den Betrachtenden in eine Art Dialog tritt. Die Arbeit könne überraschen, hinterfragen, auf- oder anregen, aber auch zu weiteren Gedanken einladen. Immer stehe der Mensch im Zentrum der Betrachtung. Kunst initiiere, so der Wildbad-Leiter, einen Transformationsprozess bei denen, die sie erschaffen, wie auch bei denen, die sie wahrnehmen. Kunst sei aber auch als Lebenskunst zu sehen, stelle Fragen, etwa: Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Werden, Vergehen und der Blick in die Zukunft seien Ansatzpunkte, aber auch feministisch gesellschaftliche oder umweltrelevant gedachte Impulse seien zu erkennen.
Der Blick der Teilnehmenden ging bei der Abschiedsfeier dankbar und zufrieden auf die gemeinsame Zeit zurück, richtete sich aber auch voller Zuversicht auf den weiteren Verlauf unter neuer Trägerschaft. Alle Kunstwerke bleiben dem Park erhalten und sind weiterhin zugänglich.