Schaurige Kunst zu Halloween: Schopflocher macht Filmfiguren zu Kürbisköpfen | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 31.10.2024 10:00

Schaurige Kunst zu Halloween: Schopflocher macht Filmfiguren zu Kürbisköpfen

Das Konterfei von Wednesday aus der gleichnamigen Netflix-Serie schnitzte Pietro Lattarulo in diesem Jahr in einen Kürbis. (Foto: Evi Lemberger)
Das Konterfei von Wednesday aus der gleichnamigen Netflix-Serie schnitzte Pietro Lattarulo in diesem Jahr in einen Kürbis. (Foto: Evi Lemberger)
Das Konterfei von Wednesday aus der gleichnamigen Netflix-Serie schnitzte Pietro Lattarulo in diesem Jahr in einen Kürbis. (Foto: Evi Lemberger)

2012 hat alles angefangen. Pietro Lattarulo erinnert sich noch ganz genau. Seine damals zwei Jahre alte Tochter wollte unbedingt, dass Papa ihr einen Halloween-Kürbis schnitzt. Das hat er gemacht. Und da wurde sie geweckt bei ihm: die Lust am Kürbis-Schnitzen.

Das erste Motiv: Hello Kitty. „Ein Kreis, zwei Augen, eine Schleife. Ganz simpel“, sagt der 47-Jährige aus Schopfloch. Er merkte, dass ihm das Kürbis-Schnitzen liegt. Ihn packte der Ehrgeiz, er wollte sich an anspruchsvolleren Motiven versuchen. Seitdem fordert sich der gelernte Gas- und Wasserinstallateur, der jetzt in der Automobilbranche tätig ist, zu Halloween selbst heraus.

Harry Potter und Ghostbusters: Motive aus zahlreichen Filmen

So gab es vor der Haustür von Familie Lattarulo in den vergangenen Jahren etwa Kürbisse zu bestaunen, die die Schlümpfe oder Motive aus den Avengers-, Harry-Potter-, Ghostbusters- und „Fluch der Karibik“-Filmen zierten.

Für einen besonderen Hingucker sorgt der 47-Jährige mit einem Gestell. An dessen Spitze platzierte er beispielsweise im Harry-Potter-Jahr den Kürbis mit dem Konterfei des jungen Zauberers und das Unterteil versah er mit einem schwarzen Umhang samt Gryffindor-Schal. Wenn seine kleinen und großen Mitmenschen Gefallen an seinen Kunstwerken finden und Fotos machen, freut es ihn, erzählt er.

Rocky Balboa geriet zum Albtraum-Kürbis

Es braucht Motive, die einen gewissen Wiedererkennungswert haben, sagt der 47-Jährige. Umso realistischer, umso schwerer. Das weiß er aus eigener Erfahrung. Dieses Jahr wollte er sich der „Rocky“-Filmreihe annehmen. Er schnitzte die Konturen des Gesichts des namengebenden Boxers in einen Kürbis. Zufrieden war er mit dem Ergebnis nicht. Etwas anderes musste her. Er entschied sich für die Netflix-Serie „Wednesday“, die auf der Figur Wednesday Addams aus „The Addams Family“ basiert.

Das könnte Sie auch interessieren
Eine Stimme für die Jugend: Weidelbacher thematisiert den GenerationenkonfliktInternationale Filmkunst: Drei Tage Animation, Kunst und Gespräche in BurgbernheimBallhaus-Forum zeigt „Alles was bleibt” von Alexander Müller aus RothenburgGoT-Star im Cast, erste Infos zum Kinostart: Alles zum Blockbuster „The Uprising”Filmabend an der Realschule Rothenburg: Ein Blick auf 40 Jahre SchulgeschichteDer Jubiläumsfilm des Kabelmanns: Weltpremiere in Scheinfeld nach fast 50 JahrenWie ein Filmemacher aus Leutershausen die Geschichte der Lokalbahn lebendig machtBeyond-Filmfest in Feuchtwangen will wachsen: So soll es 2026 weitergehenReihe „Kultur im Schloss” lockt über das ganze Jahr nach HerriedenWeihnachtsmarkt 2025 in Herrieden: Christkinder kommen im DoppelpackFilmfestival Feuchtwangen: Zum Abschluss hatte die Beyond-Jury das WortWeltpremiere in Feuchtwangen: Beyond-Filmfestival geht in die dritte RundeRegional und international: Filmfestival „Beyond” in Feuchtwangen gestartetBeyond-Filmfestival in Feuchtwangen: Ludger Pfanz ist einer der Köpfe dahinterNetflix-Hit und Harry Potter: Diese Filme und Serien haben Drehorte in der Region

Doch Pietro Lattarulo schnitzt in diesem Jahr nicht nur Wednesday, Onkel Fester und Co., sondern auch drei Kürbisse für die Halloween-Party des TSV Schopfloch. Die Motive sind ein weibliches und ein männliches Skelett sowie der Science-Fiction-Antiheld Venom. Außerdem bekommt sein Neffe einen Kürbis mit zwei Pokémons.

Zum Schnitzen zieht sich der 47-Jährige in den Wintergarten zurück. „Da ist genügend Licht und ich störe niemanden.“ Als erstes reinigt er den Kürbis und behandelt ihn mit Essigessenz, um Bakterien abzutöten. Im nächsten Schritt trennt er den Deckel ab. Anschließend geht es ans Aushöhlen. Mit einem großen Löffel schabt er das Innere des Kürbisses aus. Je sauberer, desto besser. „Die Schimmelbildung setzt dann später ein“, erklärt er und streift sich einen Plastikhandschuh über. Herzhaft greift er zu, holt das Fruchtfleisch und die Kerne heraus und füllt damit eine mittelgroße Schüssel.

Vorlagen werden freihändig übertragen

Die Vorlagen für seine Motive holt sich Pietro Lattarulo aus dem Internet und überträgt sie auf den jeweiligen Kürbis. Da kommt es ihm zugute, dass er „schon immer gerne gezeichnet hat“. Wachsmalstifte eignen sich aus seiner Sicht am besten. Einerseits verwischen die gezogenen Linien nicht, andererseits lassen sie sich leicht wieder entfernen.

In wenigen Minuten bringt er – in diesem Fall – die Umrisse eines Pokémons auf den Kürbis. Bei dem 47-Jährigen sieht es ganz einfach aus. Doch es braucht ein gutes Auge. Die Proportionen müssen stimmen.

Es geht ans Schnitzen. Für die „gröberen“ Arbeiten verwendet Pietro Lattarulo ein angespitztes Metallsägeblatt, das flexibel und gut handhabbar ist. Wenn es feiner wird, kommen Skalpell und Messer mit unterschiedlich geformten Klingen – von rund bis gerade, von spitz bis abgeschrägt – zum Einsatz. Hat er sich schon einmal geschnitten? „Nö“, antwortet er.

Nur acht bis zwölf Tage haltbar

Der 47-Jährige weiß genau, welche Teile des Kürbisses er entfernen muss, um den gewünschten Effekt zu bekommen. Er muss jedoch aufpassen, dass nichts ab- oder ausbricht: „Was weg ist, ist weg.“ Je nachdem, wie aufwendig das Motiv ist, benötigt er eineinhalb bis zwei Stunden für einen Kürbis. Für ihn ist diese Zeit „Entspannung“.

Wenn das brennende Teelicht im fertigen Kürbis steht und der Deckel wieder aufgesetzt ist, „kommt der große Moment“, wie es Pietro Lattarulo nennt. Sieht das Motiv beleuchtet so aus, wie er es sich vorgestellt hat? Ist er zufrieden damit? Kleinere Korrekturen seien möglich, größere jedoch nicht. Dann wäre die Arbeit umsonst gewesen.

Einen Wermutstropfen gibt es: Die Kunstwerke von Pietro Lattarulo sind vergänglich. Sie halten acht bis zwölf Tage. Dann sind sie ein Fall für die Biotonne. „Das ist schon traurig“, bekennt er. Hat er mal überlegt, auf ein anderes, langlebigeres Material umzusteigen? „Ja“, bekennt Pietro Lattarulo. Doch dann bräuchte er eine richtige Werkstatt mit entsprechender Ausstattung. Es bleibt also bei den Kürbissen. Im nächsten Jahr will sich der 47-Jährige bei den Motiven von der „Herr der Ringe“-Trilogie inspirieren lassen.

north