Beyond-Filmfestival in Feuchtwangen: Ludger Pfanz ist einer der Köpfe dahinter | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 30.10.2025 08:30

Beyond-Filmfestival in Feuchtwangen: Ludger Pfanz ist einer der Köpfe dahinter

Ist einer der Köpfe hinter dem Beyond-Filmfestival im Feuchtwanger KulturKino: der Schopflocher Medienkünstler und Filmemacher Ludger Pfanz.  (Foto: Martina Kramer)
Ist einer der Köpfe hinter dem Beyond-Filmfestival im Feuchtwanger KulturKino: der Schopflocher Medienkünstler und Filmemacher Ludger Pfanz. (Foto: Martina Kramer)
Ist einer der Köpfe hinter dem Beyond-Filmfestival im Feuchtwanger KulturKino: der Schopflocher Medienkünstler und Filmemacher Ludger Pfanz. (Foto: Martina Kramer)

Von Donnerstag bis Sonntag findet im Feuchtwanger Kulturkino die dritte Auflage des Beyond-Filmfestivals statt. Dahinter steht ein starkes Duo: der Medienkünstler und Filmemacher Ludger Pfanz und die Regisseurin Gülsel Özkan. Das diesjährige Thema lautet „Wahrheit – Licht und Schatten“.

Für Ludger Pfanz bedeutet dieser kleine Ableger des von Gülsel Özkan und ihm vor rund 30 Jahren ins Leben gerufenen Karlsruher Beyond-Filmfestivals so etwas wie Heimkommen. Es ist die Rückkehr zu den Wurzeln, die mit Schopfloch ganz in der Nähe liegen. Dort ist er geboren, und seit kurzem lebt er auch wieder im Haus seiner Eltern, nachdem er die Welt in weiten Teilen erkundet hat.

Hobby wurde zum Beruf

Zum Film und den ehemaligen Regina-Lichtspielen hat er schon früh eine Beziehung aufgebaut. Noch während er am Dinkelsbühler Gymnasium auf sein Abitur zustrebte, hat er im Feuchtwanger Kino mit Freunden ein „Ausleseprogramm”, das immer montags lief, etabliert. Dass aus diesem Hobby einmal der Beruf werden sollte, ahnte er damals wohl noch nicht. Seitdem hat er viele Filme, darunter zahlreiche Dokumentationen, gedreht, produziert und Drehbücher geschrieben.

Bereiten das Filmfestival Beyond in Feuchtwangen vor: Festivalleiter Ludger Pfanz (links) und Wolfgang Grebenhof, der Vorsitzende des Vereins KulturKino.  (Archivbild: Stefan Neidl)

Festival mit drei Dutzend Filmen im KulturKino Feuchtwangen

Comedy, Dokumentationen und politische Beiträge: Am Donnerstagabend beginnt das viertägige „Beyond”. Schwerpunkt ist heuer das Thema „Wahrheit”.

Auch derzeit schreibt Ludger Pfanz wieder und genießt die Ruhe, die ihm sein neues, altes Heim bietet. Ein ganz neuer Abschnitt nach einem wahrlich bewegten Leben, der jedoch keinesfalls Stillstand bedeutet. Im Gegenteil: Stille, Weite, zeitweiliges Alleinsein heißt kreative Freiheit. Über einem Drehbuch über ein Tai-Chi-Kid, an dem er gerade arbeitet, die Zeit vergessen können. Zehn Stunden am Stück eintauchen in die Welt, die er später im Film darstellen möchte, das Smartphone „in den Kühlschrank“ verbannt – ein intensives und noch ungewohntes Erlebnis, das beglückt.

Ludger Pfanz ist seit kurzem offiziell Rentner, seine Arbeit als Honorarprofessor für Medienwissenschaften an der Karlsruher Universität ist beendet. Das gleiche gilt für das dortige Beyond-Festival. Doch natürlich gibt es weiter Projekte und Aufgaben, die seiner harren. Neben dem Tai-Chi-Drehbuch wartet noch ein zweites auf seine Vollendung: Eine Komödie über Rentner. Und eigentlich könnte jemand, der so viel erlebt hat, auch seine Biographie schreiben. Doch das ist im Augenblick nicht einmal angedacht.

In 30 Ländern gearbeitet

Und es würde auch ein ziemlich dickes Buch. Denn Ludger Pfanz hat die Welt nicht nur bereist, sondern sie auch wirklich erkundet. Allein in 30 Ländern hat er gearbeitet, hat an allen Hochschulen Europas unterrichtet. War auf den meisten Kontinenten unterwegs und hat in Südamerika auch einmal bei einem indigenen Volk gelebt. Dabei hat er zahllose Menschen kennengelernt, viele Freundschaften geschlossen, wichtige Kontakte geknüpft. Immer ausgestattet mit Minimalgepäck: Rucksack, sperrige Schreibmaschine, Filmkamera, Gitarre. Nicht immer bequem, aber sehr wohl spannend.

Die unterschiedlichen Kulturen haben ihn stets aufs Neue fasziniert. Er spricht Englisch und Spanisch, letzteres im Dialekt der Kanarischen Inseln. Auf Teneriffa hat er über zwei Jahrzehnte stets im Winter Kurse für junge Filmemacherinnen und Filmemacher aus aller Welt gegeben. „Es ist ein wenig zweite Heimat geworden, auch wenn sich die Insel unter dem Tourismus sehr verändert hat“, sagt er. Noch kennt Pfanz ein paar verschwiegene Fleckchen, pflegt Freundschaften mit Einheimischen, genießt die Wärme, wenn es daheim kalt wird.

Ludger Pfanz ist im wahrsten Sinne Cosmopolit. Er weiß um die Vielgestaltigkeit der Welt, die unterschiedlichen Mentalitäten der Völker, deren Lebensrealitäten, Wertevorstellungen, Gesellschaftsordnungen. Das hat ihm einen offenen Blick bewahrt, ein vielseitiges Interesse, eine Anteilnahme und Offenheit, was ihn zu einem höchst interessanten Gesprächspartner macht. Wer sich mit ihm austauscht, trifft auf einen höchst gebildeten, analytisch bewanderten, aber auch warmherzigen Menschen. Einen kritischen Geist, der jedoch nicht zum Pessimismus neigt, sondern bestrebt ist, in einer chaotischen und doch gleichgeschalteten Welt wichtige Kontrapunkte zu setzen.

Keine kommerziellen Beiträge

Dazu gehört auch das Beyond-Festival, das bewusst keine kommerziellen Filme zeigt. Viele junge Filmschaffende sind dabei im Boot, die Zukunft im Blick. Höchst international geht es zu, was sich den weltweiten Kontakten des Duos Pfanz/Özkan verdankt. Besonders groß ist die Freude, wenn sich Filmleute aus Ländern melden, zu denen der Zugang schwierig ist. So wird etwa die Russin Aleksandra Hobs mit „Just Live“ in Feuchtwangen eine Weltpremiere präsentieren.

Ludger Pfanz ist gerade erst in seiner Heimat wieder angekommen. Er hat noch viel vor hier in der Region. So möchte er fränkischen Filmemacherinnen und Filmemachern Anstoß und Forum bieten. „Hier liegt vieles brach, aber es gibt zugleich viel Talent“, meint er. Er wird es schaffen, das scheint sicher, er wird diese Region bereichern.


Von MARTINA KRAMER
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